Euro Velo6 Tour 2024: Regensburg – Budapest; 835 km

Zusammenfassung

Nach unserem vorzeitigen wetterbedingtem Tourende 2023 in Regensburg starten wir dieses Jahr an gleicher Stelle und erleben die Stadt bei strahlendem Sonnenschein. Nach einem Ankunftstag in dieser schönen Stadt an der Donau beginnt unsere Tour entlang eindrucksvoller Landschaften wie Schlögener Schlinge und Wachau, durch tolle Städte wie Passau, Linz, Wien und natürlich Budapest.

Euro Velo6 Tour 2024


Prolog: Undorf – Regensburg 15 km

So ganz stimmt das zuvor Gesagte doch nicht, denn ausnahmsweise starten wir unsere Tour nicht genau dort, wo wir sie im letzten Jahr beendet hatten – wenn auch nicht ganz freiwillig. Grund ist ein bei unserer Anreise nach Regensburg auf die Gleise gestürzter Baum. Die Regionalbahn aus Nürnberg muss erst einmal stoppen. Da nicht klar ist, ob und wann die Fahrt weitergeht, steigen wir schon hier auf unsere Räder um und ‚gönnen‘ uns ein kurzes Anradeln. Belohnt werden wir dabei von einem schönen kurzen Abschnitt auf dem Naabtalradweg, einem leckerem Eis an der Naab-Mündung – die wir im letzten Jahr im Regen ‚links liegen gelassen‘ hatten – und einem sonnigen langsamen Hineinradeln in die Stadt. 

Wir genießen das ebenso wie die anschließende Erkundung per pedes durch die wunderschöne Altstadt. Es hat sich gelohnt, hier wieder zu starten.

Etappe #1: Regensburg – Bogen , 60km

Nach dem Frühstück noch in die ‚Bikeambulance‘ gefahren, direkt am Bahnhof, da meine Gangschaltung etwas hakelte….der nette junge Mann konnte aber die übliche Methode auch nicht erfolgreich anwenden und meinte, da müsse hinten die Mutter am Seilzug noch neu gespannt werden, machen wir gleich , in 30 min kannst du das Rad abholen, ich war super erleichtert, dass das noch geklappt hat und die Leute so nett waren, obwohl es super voll war.

Ausfahrt aus Regensburg

Kurz nach dem Start erreichen wir bei Donaustauf den nördlichsten Punkt des gesamten EV6 bei 49° 2′ 96″, aber die erste Attraktion unserer heutigen Etappe ist die Walhalla bei Regensburg. Sie ist das älteste Beispiel einer Gruppe monumentaler Gedenkbauwerke des neu gebildenten Deutschlands, wie bspw dem  Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, dem Kyffhäuserdenkmal, dem Deutschen Eck in Koblenz, dem Hermannsdenkmal bei Detmold, dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und der Berliner Siegessäule.
Wir lassen die Räder unten am Weg stehen und erklimmen Hügel und Treppen zum ‚Tempel für große Deutsche‘ zu Fuß.

Am Nachmittag erreichen wir Straubing. Wir durchqueren die Altstadt über den 600 m langen Stadtplatz, auf dessen westlichen Teil, dem Theresienplatz, auch Zeit für einen Kaffee ist – mit Blick auf den Stadtturm.

Von hier aus geht es weiter nach Bogen – unserem ersten Quartier.
Das liegt allerdings neben der Wallfahrtskirche oben auf dem Bogenberg. Wie kommt man mit dem Rad da hoch? Entweder fahrend auf Straßen mit 3 km Umweg oder auf ‚kürzestem‘ Wege (1,4 km) tlw. schiebend. Wir entscheiden uns für letzteres, ignorieren die Sperrschilder und schaffen es nach einer Baustelle auch wieder auf fahrbare Wege.

Der Bogenberg

Oben angelangt werden wir aber für die Mühen belohnt. Die Übernachtung im Gasthof „Zur schönen Aussicht“ macht ihrem Namen alle Ehre. Wir sitzen abends im Biergarten mit einem wundervollen Blick über das Land bis hin zu den in den letzten Sonnenstrahlen ‚leuchtenden‘ Alpen und genießen den Moment. Das leckere Essen ist der i-Punkt.


Etappe #2: Bogen – Passau, 86 km

Am nächsten Morgen gibt es ein sehr zünftiges Frühstück – reichlich und lecker. Wir schauen uns noch die Wallfahrtskirche an, in der 13 m hohe Kerzen stehen, die in einer Wallfahrt jedes Jahr aus 75 km Entfernung auf den Bogenberg und in diese Kirche getragen werden.

Mit einer 2 km langen Abfahrt wieder nach unten lässt sich die Tagesetappe perfekt starten. Leider ist der Sonnenschein verschwunden und es wird beim rasanten Tempo fast schon etwas kühl. Die nächsten km sind von durch Deichbauarbeiten verursache Umleitungen geprägt. Im Moment nervt das etwas, aber schon wenige Wochen später wird sich beim Hochwasser zeigen, wie wichtig und notwendig das ist.

Die ausgeschilderten Umleitungen sind so gravierend, dass wir sie ignorieren und versuchen uns durchzuschlagen. Das klappt aber nur fast. An der Schwarzachmündung sind die neu gebauten Deiche am „Nebenbach“ so mächtig, dass wir „unbemerkt“ abbiegen, aber ein Stück lang glauben an der Donau weiterzufahren. Aber kein Problem, wir finden eine Brücke, können auf der anderen Seite der Schwarzach wieder zur Donaudeichbaustelle zurückfahren. Kurz vor Deggendorf haben wir diese (!) Baustelle ohne weitere Irrungen geschafft. 

Hinter Deggendorf führt der Radweg planmäßig ein Stück direkt hinter der „höher gelegten“ A3 entlang, die uns damit leider die Sicht auf die Isarmündung versperrt. Dann kommt die nächste Baustelle. Diesmal folgen wir artig der ausgeschilderten Umleitung, zumindest am Anfang. In Niederalteich wollen wir der EV6-Hauptroute folgen und die Fähre ans Südufer nehmen. Wir fahren also zur Donau zurück, doch die Fähre suchen wir vergeblich. 

Ein einheimischer Spaziergänger klärt uns auf: Es gibt 2 Fährmänner, der eine hat Urlaub und der andere Burn-out. Folglich fällt der Fährbetrieb ins Wasser und wir müssen auf der weiterhin baustellenreichen Nordseite weiterfahren.

Auch bei den Radweg-Aus-Schilderungen gibt es immer wieder Entdeckungen. Offensichtlich sind auch Berliner Fußball Fans mit dem Rad schon hier gewesen.

Kurz vor Passau queren wir die Donau auf dem monumentalen Staudamm des aus den Zwanzigerjahren stammenden Kraftwerks Kachlet.

Jetzt fängt es leider nun doch noch an zu regnen. Und wir müssen noch zum Quartier den Berg hinauf. Aber das kennen wir ja schon von gestern.


Etappe #3: Passau – Schlögener Schlinge, 41 km

Die heutige Etappe ist bewusst kurz gewählt, um zunächst Zeit für Passau zu haben. Wir rollen runter in die Altstadt und lassen die Räder stehen.

Der Besuch des Passauer Doms hat uns in wahres Staunen versetzt. Soviel Schönheit, Kunst, Eleganz , Licht und Weite in einem Raum zu erleben war besonders. Die Renovierung der Haupt-Orgel dauerte 6 Jahre und kostete 6 Mio Euro. Auch über der Decke befinden sich Orgelpfeifen.

Für die Beschreibung der Stadt greift man am besten auf den Text der Internetseite vom Passauer Land zurück, denn treffender kann man es vielleicht nicht formulieren:

„Hier fließen am Dreiflüsse-Eck die drei Flüsse Donau, Inn und Ilz zusammen – besonders faszinierend ist das Farbenspiel des Wassers mit der schwarzen Ilz, der blauen Donau und dem grünen Inn, die sich erst einige hundert Meter weiter endgültig vermischen. In der Barockstadt paaren sich Charme und Schönheit, Geschichte und Kultur, Kunst und Erlebnis. Durch das Zusammenspiel der Sehenswürdigkeiten mit der gesamten Altstadt und ihren verwinkelten Gassen formt sich eine unverwechselbare Atmosphäre, die die außergewöhnliche Schönheit Passaus ausmacht.“

Blick auf die Altstadt samt Donau (vorn) und Inn (hinten)

Kurz nach Passau kommen wir an die Deutsch-Österreichische Grenze.

Die Landschaft auf diesem Streckenabschnitt gefällt uns sehr gut -viel Grün, ansteigende Berge an den Ufern und ein wunderbar zu fahrender Radweg entlang der Donau.

Man merkt, wir sind in Österreich – Tickets gibt’s an der Kassa und den Kaffee zuvor in der Greißlerei.
Wir wechseln zweimal die Flussseite, zunächst per Fähre und dann kurz vor dem Ziel auf einer Straßenbrücke, da wir nicht darauf vertrauen wollen, dass die Fähre in Schlögen zu unserer Ankunftszeit noch fährt.  So erreichen wir zum Schluss zwar noch ein paar Kilometer auf der Straße fahrend  insgesamt aber voller schöner Eindrücke unser Etappenziel -die Unterkunft, nahe der Schlögener Schlinge.

Im Gasthof zur blauen Donau haben wir ein Zimmer direkt an der Straße aber es ist glücklicherweise abends ruhig


Etappe #4: Schlögener Schlinge – Linz, 55 km

Am Morgen sehen wir die Landschaft voller Nebel, von der „blauen Donau“ ist nichts zu sehen. Wir hoffen, dass sich dieser noch lichtet, denn wir wollen noch hinauf zu einem Aussichtspunkt, um die Schlögener Schlinge von oben in Gänze zu betrachten.

Glücklicherweise ist der Morgennebel nach einiger Zeit verzogen und der Aufstieg zum Aussichtspunkt wird mit einem fantastischen Blick auf diesen besonderen Donauverlauf belohnt.

Schlögener Schlinge

Nach dieser eindrucksvollen Aussicht geht es wieder zurück zu den Rädern und wir starten unsere kleinere Etappe nach Linz. Die Fahrt durch das Donau-Durchbruchstal ist weiterhin beeindruckend – tolle Landschaften, super Radwege. Kurz vor Linz kommen wir an einer imposanten Fährkonstruktion vorbei, der Ottensheimer Drahtseilbrücke.

In Linz lädt zunächst der riesige Hauptplatz zu Kaffee und – klar – einem Stück Linzer Torte ein. Danach checken wir im Hotel ein und sind echt baff, welches Ausmaß die Fahrradgarage hat. So etwas haben wir noch nicht gesehen. Nach einer kurzen Erfrischung geht es auf zur Stadterkundung inklusive Auffahrt auf den Pöstlingberg, der uns ebenfalls eine wunderbare Aussicht auf diese Stadt und bis zu den Alpen beschert.

Blick über Linz, im Hintergrund die Alpen

Etappe #5: Linz – Ybbs, 90 km

Am Linzer Donau-Ufer schauen wir nochmal Richtung Pöstlingberg, bevor wir die Stadt Richtung Osten verlassen.


Nach der Ausfahrt aus Linz ist der Weg von der Industriekulisse VÖEST-Alpine auf der anderen Donauseite geprägt.

Im Folgenden hält die Tour nach Ybbs aber viele schöne Ausblicke bereit. Gerade das Zusammenspiel von Sonne und Wolken, gepaart mit den Spiegelungen der am Ufer stehenden Burgen, Häuser oder Felsen im glatten Donaufliess führt zu sehr reizvollen Impressionen.

Auch auf dieser Etappe begegnen uns interessante Ausschilderungen, sei es an Fleischerläden oder als Stadtinformation.

Die abendliche Stadtbesichtigung fällt einem Wolkenbruch zum Opfer. Aber lieber so als unterwegs auf der Strecke.


Etappe #6: Ybbs – Krems, 66 km

In Ybbs haben wir ein sehr schönes Hotel, den Babenberger Hof, gefunden, in dem es sich nicht nur gut übernachten, sondern auch am nächsten Morgen gut frühstücken lässt – in der dazugehörigen Donau Lodge mit großen Fenstern und einem weiten Blick in die Fluss-Landschaft.

Gut gestärkt geht es in diesen Tag. Nach einem kurzen Halt in Pöchlarn, dem Geburtsort von Oskar Kokoschka, gibt es nach weiteren km einen längeren Halt in Melk, eine Stadt, die auch als „das Tor zur Wachau“ bezeichnet wird. Teile der Stadt, wie das Stift Melk, sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Wachau.

Anfahrt auf Melk
Stift Melk – ehemalige Abtei der Benediktiner, errichtet 1702-1746

Die Wachau liegt vor uns – allerdings auch unter dunklen Wolken.

Der heutige Tag ist wettertechnisch durchaus durchwachsen und so erreichen wir Willendorf in der Wachau bei einsetzendem Regen. Einige Zeit später zieht der Regen weiter und wir können uns im Trockenen in Ruhe die hier vor 30.000 Jahren gefundene Venus von Willendorf anschauen.

Wir durchfahren die Wachau – eine reizvolle Flusslandschaft mit schönen Blicken, wie zum Beispiel den auf Dürnstein, kurz vor Krems.

In Krems kommen wir (zufällig) am 2001 eröffneten Karikaturmuseum vorbei, das über die größte Sammlung von Manfred Deix Cartoons verfügt und das natürlich auch nach außen zeigt. Manfred Deix war ein österreichischer Karikaturist, Grafiker und Cartoonist. Sein Grab ist auf dem Wiener Friedhof – wir werden es in 2 Tagen dort entdecken.


Etappe #7: Krems – Wien, 86 km

Auf dieser Strecke gibt es einen sehr bemerkenswerten Ort – Zwentendorf an der Donau. Hier steht Österreichs einziges AKW, welches zwar gebaut, aber dann wegen starker Proteste nie an’s Netz gegangen ist. Es wirkt ein bisschen bizarr, wenn man an der ‚Almhütte‘ steht und gleich dahinter der AKW Schornstein in den Himmel ragt.

Die leicht verspätete Mittagsrast machen wir in Tulln, einer der ältesten Städte Österreichs, die eine Rolle im Nibelungenlied spielt und der Geburtsort des Malers Egon Schiele ist.


Nun geht’s auf nach Wien. Der Wienerwald grüßt schon mal aus der Ferne.

Kurz vor Wien machen wir noch einen Kaffee-Stopp in Klosterneuburg. Gegen 18:00 erreichen wir Wien.

Interessanterweise liegt hier ein Flusskreuzfahrschiff aus Basel am Kai. Da waren wir vor einem reichlichen Jahr. Wie mag das vom Rhein hierher gekommen sein? Der Weg auf dem Wasser war sicherlich länger als der unsrige.


Etappe #8: „Ruhetag“ Wien, 30km

Wir wohnen im schönen Hotel Gabriel – tolles Interieur – Kopien von Klimt Bildern überall , ein großer Frühstücksraum, ein Garten – auch für Gastrobetrieb und ein ruhiges Zimmer mit Blick in den Hotelgarten – eine ideale Unterkunft in Wien.Die Künstlerin Shir Catz hat 80 Klimt Bilder in den Zimmern und im Frühstücksraum an den Wänden erstellt – wahrscheinlich einzigartig in Europa.

Von hier aus starten wir unsere Tour durch die Stadt mit den vielen sehenswürdigen Bauten, Museen und auch Friedhöfen. Und das Beste ist, man kann das wunderbar auf gut ausgebauten Radwegen quer durch die ganze Stadt erkunden. Da es so viel zu sehen gibt, müssen wir uns entscheiden. 

In direkter Nähe vom Hotel liegt der St. Marxer Friedhof mit dem Mozartgrab – zumindest mit dem, das man nachträglich für ihn an der vermuteten Stelle hergerichtet hat, denn es ist nicht 100%ig klar, wo genau er bestattet und ob er nachträglich umgebettet wurde. Denn das Who’s who ist in Wien auf dem Zentralfriedhof begraben. Sein Grabmal wurde anlässlich seines 100. Todestages dorthin umgesetzt und in St. Marx ein kleineres neu errichtet. Also auf zum Zentralfriedhof! Der liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist gut mit dem Rad erreichbar.

Der Zentralfriedhof hat uns ganz besonders beeindruckt. Auf ihm sind so viele berühmte Persönlichkeiten begraben, Komponisten, Musiker, Schauspieler, Pop Stars, …


Wir ‚treffen‘ Mozart wieder (ganz links). Aber um uns und der Leserschaft eine längere Abhandlung zu ersparen – schließlich ist dies ein Radreise-Blog und kein Friedhofsführer – hier nur eine kleine Auswahl von Fotos. …Und Manfred Deix ‚ist‘ auch ‚dabei’….


Ein weiteres Highlight ist die imposante Friedhofskirche – sowohl von außen als auch von innen.


Nun wenden wir uns aber den irdischen Sehenswürdigkeiten zu. Es gibt so viel zu sehen … zu viel für einen Tag und auch zu viel für diesen Blog. Wir lassen stellvertretend einige Bilder ’sprechen‘.


Im Stephansdom steigen wir auf den „falschen“ Turm – den kleineren – und können von dort zwar nicht übers Dach in Richtung Hofburg etc. schauen, entdecken dafür aber im Norden die riesigen Flaktürme, die im Gegensatz zu denen in Berlin nicht gesprengt und überformt wurden. Da müssen wir unbedingt noch hin. Nicht schön und nicht das, was man in Wien erwartet – dennoch imposant und vor allem mahnend.

Wir schauen noch im Stadtgarten vorbei, aber er gefällt uns nicht wirklich zum Abendessen, so dass wir in den schon am Vorabend geschätzten Gasthof Dreier fahren, der ganz in der Nähe des Hotels liegt. Hier ist es ruhig, rustikal, lecker und preislich voll ok.


Etappe #9: Wien – Bratislava, 70 km

Wir verlassen Wien mit vielen schönen und interessanten Eindrücken. Eine Stadt, die man eigentlich unmöglich an nur einem Tag erkunden kann, aber wir haben dank unserer Mobilität mit den Rädern doch viele Orte ansteuern und besichtigen können. Zum Abschied gibt es diesen Blick

Wir fahren durch den Nationalpark Donau-Auen. Der Radweg führt nun 30 km fast nur geradeaus, ist aber überhaupt nicht langweilig. Die Flussauen-Landschaft links und rechts des Radweges ist abwechslungsreich und schön anzuschauen. Toller Weg, prima Wetter – Radlerherz was willst du mehr.


Kurz vor Hainburg, der letzten Stadt in Österreich, ist auf der fast 2 km langen Brücke über die Donau eine ‚ruhige Hand‘ gefragt. Der Radweg auf der Brücke ist nicht viel breiter als unsere Lenker. 


Kurz nach Hainburg erreichen wir die Grenze zur Slowakei, die uns mit einem Spielsalon nach monegassischer Art (?) empfängt. Wir haben schon schönere Grenzen passiert. Ganz auf frühere österreichische Art ist unser heutiges Ziel noch mit Pressburg ausgeschildert.


Dafür erleben wir in Bratislava ein unvorhergesehenes Highlight. Wir wundern uns beim Einfahren in die Stadt über satte Bassklänge, sehen dann eine riesige Konzertbühne und hören einen ganz bekannten Track, der dort gerade für eine Probe gespielt wird. Es ist Oxygene von Jean-Michele Jarre. Und zu unserer Überraschung sehen wir ihn auch auf der Bühne beim Proben.

Als wir abends aus der Stadt zurückkommen, laufen gerade die Proben zur Lichtshow. Am nächsten Tag ist das Konzert, welches wir leider nicht mehr miterleben können, da wir dann schon auf der Weiterreise sind. Aber selbst die Proben erzeugen bei uns den Eindruck von ‚Gigantisch‘ und ‚Wahnsinn‘.


Etappe #10: Bratislava – Györ, 78 km

Blick zurück auf die Altstadt von Bratislava

Die Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes mit der Länge von 431 Meter und Breite von 21 Meter verbindet beide Donauufer und damit den Bratislavaer Stadtteil Petržalka, in dem wir übernachtet haben, mit der Altstadt.

Dank der Form und der Spannweite der Stahlkonstruktion ist sie einzigartig in Europa. An der Spitze, in der Höhe von 95 m, befindet sich ein Aussichtspunkt, in der Höhe von 85 m liegt das Restaurant UFO watch.taste.groove. Die Gäste fahren in einem Schnellfahrstuhl, der in einem der Pylone eingebaut ist, im zweiten befindet sich eine Fluchttreppe mit 430 Stufen.

Wir fahren nicht nach oben sondern weiter horizontal auf dem Eurovelo 6. Hinter Bratislava ist die Route sehr schön. Es gibt viele Picknickstellen mit kleinen Lokalen/Imbiss-Ständen extra für Radfahrer. Es ist Samstag und viele Familien sind mit dem Rad unterwegs. Schon nach 20 km sind wir an der nächsten Grenze. Diese Grenze zwischen der Slowakei und Ungarn ist fast nicht mehr erkennbar – ein kleiner schwarz-weißer Schlagbaum zeigt, hier ist sie. Nach kurzen 27 km in der Slowakei geht’s nun also in Ungarn weiter.

Grenze Slowakei – Ungarn

Wir verlassen die durch das umstrittene Wasserkraftwerk Gabčikovo aufgestaute Haupt-Donau und fahren im Hinterland weiter, tlw. an kleinen Nebenarmen der Donau. Die Landschaft wechselt zwischen Flussauen und platten Land. 

Gegen Abend erreichen wir Györ. Wir haben ein schönes Quartier, schlendern noch ein bisschen durch die schöne Altstadt, bevor wir den Tag ausklingen lassen.


Etappe #11: Györ – Komarom – Esztergom, 62km

Die heutige Etappe ist geprägt von einer Zugfahrt, schönen Landschaften und einer tollen Einfahrt in Esztergom.
Doch zunächst starten wir mit einer kleinen Stadtrundfahrt in Györ …

… und fahren dann zum Bahnhof. Denn heute müssen wir etwas „schummeln“.
Die Route auf ungarischer Seite führt über weite Strecken auf oder an einer wahrscheinlich stark befahrenen Fernverkehrsstraße entlang, die schönere Alternative auf slowakischer Seite ist für uns erst nach 40 km (Fernverkehrsstraße!) an der nächsten Donaubrücke zwischen Komárom (H) und Komárno (SK) erreichbar und insgesamt zu lang. Daher steigen wir in Györ in den Zug nach Komárom und starten von dort.

Wir überqueren die Donau und sind wieder in der Slowakei. Dort in Komárno gibt es einen wunderbar beschirmten Rastplatz bevor wir nun endlich richtig aufbrechen.

Ja und jetzt auch die Bilder zu den schönen Landschaften.

Nach fast 60 km verlassen wir die Slowakei wieder und kehren über die 1944 von den Deutschen gesprengte, aber wegen der schlechten Beziehungen zwischen den sozialistischen „Bruderstaaten“ Ungarn und Tschechoslowakei bzw. später dann der Slowakei erst 2001 mit Unterstützung der EU wiederaufgebaute Donaubrücke nach Ungarn zurück. 
Die Basilika von Esztergom war schon lange von weiten sichtbar gewesen. Nun radeln wir direkt auf sie zu. Eine wirklich imposante Einfahrt in die frühere ungarische Hauptstadt.

Wir haben hier ein schönes Quartier bei supernetten Gastgebern. Abends werden wir von den für Berliner Verhältnisse sehr frühen Küchenschlusszeiten in den Lokalen überrascht. Aber wir finden noch einen Imbiss im örtlichen Schwimmbad und müssen nicht verhungern.


Etappe #12: Esztergom – Szentendre, 66 km

Nach dem Frühstück wollen wir natürlich nochmal unbedingt in den Dom – die Maria Himmelfahrt und Sankt Adalbert Kathedrale – das Wahrzeichen von Esztergom (Gran). Der Innenraum ist beeindruckend und von oben hat man einen schönen Blick auf die Stadt und die Maria-Valeria Brücke.

Unterwegs wartet noch eine Sehenswürdigkeit auf uns – Die Burg Visegrad. Wir sehen sie schon von Weitem. Und da wollen wir unbedingt noch rauf – allerdings zu Fuß.

Von oben hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Donau und das hier beginnende Donauknie.

Auf dem weiteren Weg bekommen wir vom eigentlichen Donauknie gar nicht so viel mit, außer dass sich unsere Fahrtrichtung von Ost auf Süd ändert. Der Radweg verläuft meist zu weit von der Donau entfernt. In Vac verpassen wir knapp die Fähre, müssen 1 Stunde warten und sind dadurch richtig spät dran. Gegen 20:00 Uhr erreichen wir Szentendre – es ist schon sehr ruhig und wir können gerade noch rechtzeitig vor dem Küchenschluss in einer schönen Gaststätte am Donauufer unser Abendessen bestellen.


Etappe #13: Szentendre – Budapest, 26 km

In unserer Pension gibt es ein reichliches Frühstück mit viel ungarischer Salami, so dass wir gut gestärkt in unsere Zieletappe starten. Doch zunächst schauen wir uns den Ort etwas genauer an. Szentendre bietet eine etwas aufgehübschte Altstadt mit langer Donaupromenade und Shoppingläden in der 2. Reihe – alles außer Waren für den täglichen Bedarf – reine Touri Strecke.

Nach einer kleinen fußläufigen Stadtrunde incl. Aufstieg zu einer der zahlreichen Kirchen geht es wieder auf’s Rad.

Nach den sehr holprigen Radwegen des Vortages geht es nun auf sehr gutem Weg weiter, wir sind erstaunt…. Allerdings nicht sehr lange, dann wechselt der Weg wieder in die schon bekannte ‚renovierungsfähige‘ Form. Wir kommen gegen 13:00 Uhr in Budapest an und schwelgen bei der Ankunft auf der Margareteninsel in Erinnerungen an unsere damaligen Ausflüge zu DDR Zeiten.

Nach dem CheckIn in unserem Silver Hotel (wobei Hotel etwas zu hoch gegriffen scheint) geht es zu einer kleinen Tour durch Ungarns Hauptstadt.

Obwohl wir schon in Budapest waren, ist vieles wieder wie neu bzw. schön, nochmal zu sehen. In jedem Fall ist es eine kleine ‚Rundreise‘, die sich lohnt und alte Erinnerungen auffrischt.


Epilog 1,1 km

Wenn es einen Prolog gab, darf der Epilog nicht fehlen. Die Fahrt mit dem Rad ist diesmal allerdings planmäßig und ganz kurz. Sie führt uns vom Hotel zum Nyugati-Bahnhof, an dem unsere Rückfahrt mit dem Zug nach Berlin startet. Und das schon 7:30. Um diese Zeit bekommen wir im Hotel noch kein Frühstück. Das haben wir uns vorsichtshalber schon am Tag zuvor im Supermarkt gekauft. Wir müssen uns am Bf. aber unbedingt noch mit Kaffee versorgen, was dort wegen Bauarbeiten gar nicht so einfach ist.

Bahnhof Nyugati

Das ist aber nur ein kleiner Stressmoment – wir sitzen schließlich mit Kaffee und Rädern und all unserem Gepäck im richtigen Zug.


Viszlát Budapest – auf Wiedersehen!

Am Anfang fahren wir mit dem Zug parallel zu unserem Weg in den letzten Tagen an der Donau zurück, haben noch mal einen Blick auf Vac, Visegrad und Esztergom. Über Bratislava geht’s dann weiter nach Tschechien. Dort in Decin schließt sich der Kreis zum Prolog – der Zug fährt nicht weiter, da ein Baum auf die Gleise gefallen ist. Doch diesmal gibt es für uns keine Alternative und wir müssen 4 Std. auf unsere Weiterfahrt warten. Aber auch das klappt dann. Wir erreichen Berlin stark verspätet aber wohlbehalten.

Fazit

Schön war’s wieder mal. Bis auf die auf die umgestürzten Bäume am Anfang und am Ende ist nichts „Schlimmes“ passiert. Wir und unsere Räder haben diesmal wieder gut durchgehalten, keine Panne, kein Unfall. Das Wetter war uns gnädiger als im letzten Jahr.
Wir sind die gesamte Tour 835 km – mehr oder weniger nah an der Donau gefahren und haben sie von einem mittelgroßen zu einem großen Fluss wachsen gesehen. Wir haben sie 24 mal überquert, davon 3x mit der Fähre. Wir waren in 4 Ländern. Das hatten wir letztmalig 2017 auf dem R1 im Baltikum. Und nun freuen wir uns auf die Weiterfahrt im nächsten Jahr. 

…….

Von Berkenbrück nach Trebnitz

Länge50 km
Dauer1 Tag
Streckegute Radwege, gute Beschilderung
HighlightsHinweistafeln zur ehemaligen Oderbruchbahn an wichtigen Haltepunkten, Cafe in Seelow zum Aufwärmen, Schloss Trebnitz – heute internationale Bildungsstätte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit deutsch-polnischem Schwerpunkt
DatumNovember 2023

Kurzbeschreibung

Es war ein relativ kühler Tag, mit einigen Optionen auf Regen bzw Niesel, an dem wir im November diese Tour fuhren. Auf dem Abschnitt zwischen Falkenhagen und Seelow fahren wir an vielen Abschnitten entlang der ehemaligen Oderbruchbahn. Der Verlauf und die Historie dieser Bahnstrecke ist auf vielen Hinweistafeln anschaulich dokumentiert, so dass diese Tour, wie so viele andere auch, eine kleine Bildungsreise war. In Seelow sind wir leicht durchgefroren dankbar in ein Cafe eingekehrt, um uns zu stärken aber auch, um uns aufzuwärmen, denn irgendwann wird es bei Temperaturen von ca 8 Grad auch etwas ungemütlich. Am Ziel angekommen, haben wir uns nach einem schönen Kaffee das ehemalige Schloss Trebnitz, welches heute als Bildungsstätte genutzt wird, angesehen und waren sehr angetan von der schönen Sanierung und der jetzigen öffentlichen Nutzung dieses Gebäudes. Mit dem Regionalzug ging es von hier aus direkt zurück nach Berlin.

Impressionen

Euro Velo6 Tour 2023: Basel -Regensburg; 600 km

Zusammenfassung

Nach unserer Tour quer durch Frankreich 2022 setzen wir unsere Fahrt in diesem Jahr überwiegend in Deutschland fort.

Der EuroVelo 6 folgt den Flussläufen von Rhein und Donau und damit den gleichnamigen Flussradwegen. Wir starten dort, wo die Tour im letzten Jahr zu Ende ging – in Basel. Geplanter Zielort ist Linz, den wir allerdings nicht erreichen werden. Stattdessen endet unsere Fahrt bereits in Regensburg. Dazu aber später mehr.

Euro Velo6 Tour 2023


Etappe #1: Basel – Rheinfelden , 25km

Nach der Ankunft in Basel (Direktverbindung mit dem ICE von Berlin) fahren wir zunächst zu der Stelle am Rhein, an der die Tour im letzten Jahr endete. Leider war damals das dazugehörige Foto verwackelt, nun wird das aktuelle nachgereicht.

Basel am Rhein – Ende der Tour 2022 und Anfang der Tour 2023

Danach erkunden wir die Stadt mit ihren Highlights , wie zum Beispiel das Rathaus, die Altstadt und das Basler Münster. Vom Münster hat man einen schönen Blick über die Stadt, welche u.a. auch von den markanten Roche-Türmen, den höchsten bewohnbaren Gebäuden der Schweiz geprägt ist.

Die beiden Hochhäuser beherbergen die Büroräumlichkeiten des Pharmakonzerns Roche. Der Bau 1 wurde 2015 fertiggestellt und war mit 178 Metern das höchste bewohnbare Gebäude der Schweiz, bis er 2022 von Bau 2 überragt wurde. Der Bau 2 ist 205 Meter hoch und hat insgesamt 50 Stockwerke. Er zählt zu den nachhaltigsten und energieeffizientesten Bürogebäuden der Welt.

In der Stadt und am Ufer des Rheins sehen wir an mehreren Stellen das offizielle EV6 Schild, welches für uns ein klares Foto-Motiv darstellt.

Danach machen wir uns auf zu unserem ersten Ziel: Rheinfelden in Deutschland. Ein Name aber zwei Städte, die eine nördlich des Rheins in Deutschland, die andere südlich in der Schweiz – getrennt durch den Vater Rhein.

Dieser hat hier eine beachtliche Strömung, welche wir in der untergehenden Abendsonne bestaunen, bevor dieser erste Tag ausklingt.


Etappe #2: Rheinfelden – Lottstetten, 82 km

Auf dieser Tour kommen wir immer wieder direkt in Berührung mit dem Rhein, der an vielen Stellen eine erstaunliche Breite und eine starke Strömung aufweist. Wie bereits gestern auf der 1. Etappe wählen wir aus „praktischen Gründen“ die Variante auf der nördlichen Rheinseite, fahren also größtenteils durch Deutschland.

Die kleineren und größeren Städte im Routenverlauf, wie zum Beispiel Laufenburg oder Waldshut, sind ein Hingucker und laden zu näherer Betrachtung oder zu einer kleinen Pause ein.

Einladende Fußgängerzone in Waldshut

Nachdem wir die Schweiz seit Basel immer auf der anderen Rheinseite gesehen haben, führt der EV6 zu unserem heutigen Ziel -Lottstetten- für ein paar Kilometer direkt durch die Schweiz. 


Grüezi Schwyz – Grenzübergang Wasterkingen

Etappe #3: Lottstetten – Radolfzell, 55 km

Heute liegt ein besonderes Highlight auf unserer Strecke – der Rheinfall bei Schaffhausen. Ein wirklich grandioser natürlicher Wasserfall….nicht irgendeiner, nein, sondern der Rhein selber bietet mit seiner natürlichen Art, 23 m Höhenunterschied zu überwinden, ein beeindruckendes Natur-Schauspiel. Wir nehmen uns gebührend Zeit , um mit einem Rundgang dieses Schauspiel zu genießen.

Nun geht es weiter auf unserem heutigen Weg, auf dem wir 6x die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz passieren ohne die Rheinseite zu wechseln und der für uns noch so manchen schönen Ort bereithält.

Seien es die Altstädte von Schaffhausen und Stein am Rhein oder ein schöner Pausenplatz mit einer kleinen ‚Kneippkur‘ in dem hier sehr sauberen und klaren Rhein.

Stein am Rhein

Kurz nach Stein verlassen wir den Rhein und die Schweiz endgültig und erreichen den Bodensee.

In Radolfzell übernachten wir im Dachgeschoss einer Air B’n’B Wohnung mit einer sehr netten Gastgeberin.


Etappe #4: Radolfzell – Fridingen, 52 km

Den Tag in Radolfzell starten wir mit einem Frühstück in einer Bäckerei, in der uns die Bezeichnung der Backwaren in’s Auge fällt, da sie sich doch ‚leicht‘ von der uns bekannten Berliner Namensgebung von Brot und Brötchen unterscheidet.

Für die heutige Etappe brauchen wir auch eine gewisse Grundnahrung, denn die Schwäbische Alb hält einige Steigungen für uns bereit. Nach einer gemäßigten Ouvertüre machen wir einen Umweg zu einem ‚Natur-Phänomen‘ – dem Aachtopf.

Der Aachtopf ist die wasserreichste Quelle Deutschlands. Das Wasser stammt hauptsächlich aus der weiter nördlich teilweise oder gänzlich versickernden Donau und fließt von hier über den Bodensee in den Rhein. An den ca. 130 vollständigen „Versinkungs“-Tagen im Jahr wird die Donau somit quasi zu einem Nebenfluss des Rheins.

Nach dem Erkunden dieses eindrucksvollen, mystischen Schauspiels und bevor wir die Donau wirklich zu Gesicht bekommen, lernen wir sehr gut den ausgesprochen ‚hügligen‘ Charakter der Schwäbischen Alb kennen, der uns bei den folgenden km-langen Anstiegen unzählige Schweißperlen auf die Stirn treibt. 

Auf dem langen Weg hinauf auf die Alb

Aber dann ist es irgendwann geschafft – wir sind an einem ganz besonderen Punkt angekommen. Nämlich  den mit 862m höchsten Punkt des gesamten EV6 zwischen Atlantik und Schwarzem Meer.

Auf dem ‚Höhepunkt‘

Von nun an geht’s also bergab und das bis Tuttlingen ziemlich rasant. Und da wir auf dem Witthoh auch die europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer passiert haben, erblicken wir in Tuttlingen erstmals auf dieser Tour die Donau , die uns auf dem gesamten Weg bis zum Schwarzen Meer (noch ca. 3000 km) begleiten wird.

Donau bei Tuttlingen – kaum zu glauben, aber sie ist es

Wir erreichen ‚kurz‘ vor Fridingen eine wunderschöne Landschaftsformation, den Donaudurchbruch durch die Schwäbische Alb, der uns trotz einsetzendem Regen begeistert.

Und die Begeisterung steigert sich noch, als wir in dem bei unserer Unterkunft naheliegenden Gasthof in Fridingen mit einem super leckeren und nicht nur für das Auge entzückenden Abendmahl verwöhnt werden. Das ist schon ein volles Bröschderle wert.


Etappe #5: Fridingen – Riedlingen, 70 km

Bevor wir von unserer Air B’n’B Unterkunft bei Stanko starten fotografieren wir nochmal den Gasthof, der uns gestern einen so schönen Abend beschert hat.

Die heutige Etappe führt uns weiter durch die schöne Landschaft der Schwäbischen Alb, in der es an einigen Stellen sehr interessante Hinweise zur hier stattfindenden Donau-Versinkung gibt. Das hier versunkene Wasser hatten wir ja gestern schon im Aachtopf wieder auftauchen gesehen.

In dieser Region gibt es sehr viele Orte , die mit …ingen ihren Ortsnamen beenden. So kommen wir auch heute an einer größeren Stadt vorbei, die uns mit dem berühmten Hohenzollernschloss empfängt – Sigmaringen.

Hohenzollernschloss Sigmaringen

Wir entschließen uns, diese Stadt durch einen kleinen Rundgang etwas mehr zu erkunden, allerdings machen uns irgendwann dunkle Wolken darauf aufmerksam, den Rest der Wegstrecke vielleicht doch noch im Trocknen zu absolvieren. Und so geht es weiter noch ca 30km bis Riedlingen und von dort noch 3km nach Altheim, wo wir in Jimmys Restaurant und Gästezimmer-Vermietung Quartier beziehen und dort den Abend auf der Terrasse bei Steinofenpizza und heimischen Getränken ausklingen lassen.


Etappe #6: Riedlingen – Ulm, 72 km

Am Morgen fahren wir nach Riedlingen, um hier zu frühstücken und nochmal Kontakt zu dieser doch sehr schönen kleinen und gut restaurierten alten Stadt aufzunehmen.

Riedlingen Altstadt mit Maibaum

Das eigentliche Highlight der heutigen Strecke liegt noch ca 60km vor uns und heißt Blaubeuren. Dieser Ort ist nicht nur durch sein Kloster zu Bekanntheit gelangt, sondern bietet mit einem beeindruckenden blauen Wasser-‚Teich‘ zugleich ein mystisches Naturereignis. Die Rede ist vom sogenannten Blautopf – ein tiefer Wasserkegel, der Forscher schon lange fasziniert und inspiriert hat. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich dann im Jahr 2000 eine speziell ausgestattete Expedition auf den Weg machte und schließlich in 22m Tiefe den Zugang zum bislang größten Höhlensystem in der Schwäbischen Alb entdeckt hat.

Nach diesem wundersamen Naturschauspiel geht es nun zu unserem Zielort der heutigen Etappe nach Ulm, das wir kurz vor einem starken Gewitter halbwegs im Trockenen erreichen.

Das Abendmahl gibt es im gemütlichen Lokal Lochmühle in der Ulmer Altstadt.


Etappe #7: Ulm – Höchstädt, 66 km

Der heutige Tag beginnt mit einem eher bedeckten Himmel, welcher immer wieder mal dem Regen freien Lauf lässt. Wir frühstücken in Ulm in einem Cafe mit Frühstücksbüfett und genießen dabei die reiche Speisen-Auswahl und die Ungezwungenheit des Tages.

Im Übrigen sind wir von Ulm ganz angetan, neben vielen Neubauten gibt es doch auch sehr schöne ehrwürdige Sehenswürdigkeiten, wie das Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt oder das in Gänze bemalte Rathaus , sowie schöne fußgängerfreundliche Innenstadtpassagen.

Frisch gestärkt fährt Micha nochmal 5 km zurück zu der Stelle, an der die Iller in die Donau mündet. Solche markanten Schauplätze dürfen nicht einfach ‚links‘ liegengelassen werden. Nach der Vereinigungs-Erkundung geht es dann gemeinsam weiter auf unserem EV6 Trail über Gundelfingen und Dillingen nach Höchstädt.

Und wieder einmal müssen wir unsere Regensachen herausholen….eine weitere ’nasse Etappe‘, bevor wir im Hotel Berg in Höchstädt ankommen.


Etappe #8: Höchstädt – Ingolstadt, 89km

Auf der heutigen Etappe treffen wir auf eine ‚Alte Bekannte‘, auf die kleine Stadt Donauwörth, die wir erstmals auf unserer Tour 2011 auf der Romantischen Straße nach Füssen kennengelernt haben. Ein paar Runden durch die Altstadt lassen die Erinnerungen wieder wach werden.

Weiter geht es zu einem nächsten bedeutenden Ort, an dem die Donau Verstärkung durch den Lech bekommt. Bei Marxheim mündet der Lech in die Donau. Die unterschiedlichen Farben der Flüsse bleiben noch eine Zeit lang in der Donau sichtbar, bevor sie miteinander ‚verschmelzen‘.

Auf unserer weiteren Fahrt kommen wir in einem kleinen Ort vorbei, der zwar einen Bäcker hat, in dem wir auch gerne etwas gekauft hätten, dieses Vorhaben aber wegen besonderer Öffnungszeiten nicht umsetzbar ist. Es ist Montag, so lange wollen und können wir nicht warten. So radeln wir weiter Richtung Neuburg an der Donau

Neuburg ist der ideale Ort für unsere heutige Kaffeepause. Es gibt eine ziemlich große Burg, die eher ein Schloss und auch nicht mehr ganz neu ist, eine schöne Altstadt – die wir kurz per Pedes erkunden – und auch das sehr schöne, an der Donau gelegene Bücher-Café ‚Wort.Schatz‘. Uns fehlt leider die Zeit zum Lesen.

Für einen leckeren Kaffee und für einen Blick auf das Kunstwerk im Fluss reicht die Zeit aber sehr gut. 

Blick auf die Burganlage Neuburg
Kunst im Fluß

Die Künstlerin Sabine Kammerl erklärt es so: „Das ’Und und und’ soll den Lauf der Zeit in Einklang bringen mit dem Fließen des Flusses, der Länder und Menschen verbindet“. Das passt perfekt zu unserer Tour.

Da unser heutiges Quartier in einem Vorort von Ingolstadt liegt und wir schon spät dran sind, verlassen wir kurz hinter Neuburg Radweg und Donau und fahren quer-Auenwald-ein auf dem kürzestem Weg unserem Ziel entgegen. Der Weg ist zwar nicht immer leicht zu finden, aber schön urig und naturbelassen.


Etappe #9: Ingolstadt – Weltenburg, 48 km

Heute nehmen wir uns zunächst Zeit für Ingolstadt. Wir lassen die Räder stehen und erkunden die sehenswerte Altstadt zu Fuß.

Neues Schloss in Ingolstadt – mittlerweile auch schon 600 Jahre alt

Besonders beeindruckt sind wir von der Asamkirche mit ihrem monumentalen und in vielen Details magischen 490 qm großem Deckenfresko des Malers Cosmas Damian Asam. Wenn man die Kirche mit dem Blick nach oben durchschreitet sieht man verblüffende Perspektiv-Effekte, es ist einfach unglaublich. Wir sind wie verzaubert. Eine Erklärung haben wir nicht – und so bleibt dieses Erlebnis einfach nur voller Magie. Und wir haben noch das Glück, den Spontanauftritten zweier Jugendchöre in dieser herrlichen Kirche beiwohnen zu können. Was für eine Akustik, einfach herrlich!

Asam Kirche in Ingolstadt

Dann heißt es aber – vor allem mit Blick auf die Uhr und den Wetterbericht – Abschied nehmen. Auf dem Weg nutzen wir die glücklicherweise nur kurzen und leichten Schauer für Mittagsrast und Kaffeepause und kommen weitestgehend trocken an unserem Etappenziel Weltenburg an. Wir radeln erstmal an Ort und Quartier vorbei, um einen ersten Blick auf die beiden Highlights des Ortes zu werfen – Kloster und Weltenburger Enge. Diese Idee wird sich am nächsten Tag als eine sehr gute erweisen.

Wir widerstehen aber den Verlockungen von Klosterbrauerei und Biergarten und radeln zurück in den Ort – zum 3. Highlight von Weltenburg – dem Klostergasthof. Er ist eine absolute Empfehlung – super nette Wirtsleute und leckere Speisen zu angenehmen Preisen. Und – das Weltenburger Klosterbier bekommen wir auch hier. Radlerherz was willst Du mehr!


Etappe #10: Weltenburg – Regensburg, 46 km

Unser heutiges Ziel heißt Regensburg und passend dazu regnet es. Kurz nachdem wir gestern Abend den Klostergasthof erreicht hatten, fing es an und hat seitdem nicht wieder aufgehört. 

Unabhängig vom Regen hatten wir bereits entschieden, die Strecke durch die Weltenburger Enge bis Kelheim mit dem Schiff zurückzulegen, da der Radweg abseits der Donau durch den Wald führt und man vom Donaudurchbruch rein gar nichts sieht.

Trotz der landschaftlich beeindruckenden Durchfahrt der Weltenburger Enge ist unser Blick wegen des Regens leicht getrübt. Wir genießen aber die 20 minütige Fahrt dennoch und schwingen uns in Kelheim – bei Nieselregen – wieder auf unsere Räder. Die Etappe ist glücklicherweise kurz, da wir Zeit für und in Regensburg eingeplant hatten. Das kommt uns sehr entgegen, denn mit uns fährt – immer noch der Regen.

Ohne Worte

Je näher wir Regensburg kommen, desto stärker wird der Regen. Der Name scheint Programm zu sein.

Irgendwann wollen wir uns aber unterstellen, obwohl wir eigentlich schon nässer als nass sind.

Regenschutz unter einer Autobahnbrücke – kurz vor Regensburg

In unserem Hotel haben wir ein großes Zimmer, in dem wir unsere völlig durchnässten Sachen zum Trocknen aufhängen können – die Trocknungszeit nutzen wir für eine ausgiebige Mittagspause. Und wir müssen umplanen. Neben den weiterhin schlechten Wetteraussichten erreicht uns eine weitere schlechte Nachricht. Eine der beiden Eisenbahner-Gewerkschaften hat für die kommenden Tage Streiks angekündigt. Und das bedeutet, dass unser Zug für die Rückfahrt ab Linz nicht fahren wird. Wir überlegen hin und her und beschließen schließlich schweren Herzens unsere diesjährige EV6-Tour hier in Regensburg abzubrechen. Stattdessen werden wir uns mit Nahverkehrszügen, für die keine Fahrradstellplatzreservierungen erforderlich sind, ein Stück Richtung Heimat „durchschlagen“ und danach alternativ an der Spree von Bautzen gen Berlin fahren. Dort ist das Wetter schön und die Bahn kann uns mal! Doch das ist eine andere Geschichte.

Aber natürlich gönnen wir uns einen schönen letzten Abend in Regensburg – im Regen. Wir wechseln für die Stadtbesichtigung das Verkehrsmittel und lassen die völlig verdreckten Fahrräder stehen. Der Altstadtbus „Emil“ ist – unabhängig vom Deutschlandticket – kostenlos nutzbar und eine bei Regenwetter trockene Alternative zum Stadtrundgang zu Fuß. 

Kostenlose Busse in der Altstadt von Regensburg

Die Stadt selber bietet eine Reihe interessanter Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die 1135 bis spätestens 1146 komplett aus Stein erbaute Steinerne Brücke. Sie gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und ist die älteste erhaltene Brücke in Deutschland.

Regensburger Wahrzeichen: Steinerne Brücke und Dom

Man kann sich getrost einen ganzen Tag oder länger durch die zahlreichen Gassen der Stadt treiben lassen und dabei immer wieder interessante Blicke, Eindrücke und historische Bezüge einfangen.

Aber relativ schnell sind unsere Sachen wieder ‚durch‘ und wir flüchten ins Trockene in die „Alten Linde“ auf der Insel zwischen den Donauarmen. Hier genießen wir noch einmal die bayerische Gastlichkeit. 

Bayrische Gemütlichkeit gibt es im Gasthof Alte Linde

Fazit

Durch höhere Mächte, wie anhaltenden Regen und geplante Bahnstreiks kam unsere Tour zu einem ganz anderen Ende als im Ursprung geplant. UND TROTZDEM – wir haben auch diese Tour wieder genossen*). Über 600 km an Rhein und Donau, tolle Landschaften und Städte in der Schweiz, in Baden-Württemberg und Bayern, Hochrhein, Rheinfall bei Schaffhausen, Bodensee und junge Donau, die Donaudurchbrüche durch die Schwäbische Alb und die Weltenburger Enge, Abstecher zu den beiden größten Quellen Deutschlands, die schweißtreibende Überquerung des höchsten Punktes des gesamten EV6 auf der Schwäbischen Alb, einen Schutzengel nicht nur bei rasanten Abfahrten (keine Pannen oder Schlimmeres), viele nette Gastgeber und köstliche kulinarische Erfahrungen, größtenteils Glück mit dem Wetter und am Ende aber leider ziemliches Pech. Der Bahnstreik wurde einen Tag nach unserem Abbruch gerichtlich verboten, wir hätten also … z.B. im Regen weiterfahren können. Aber egal, wir freuen uns auf die Fortsetzung der EV6-Tour ab Regensburg im nächsten Jahr.

*) Nur der Zusammenfluss-Liebhaber im Team ist ganz leicht enttäuscht – das vollständige praktische Erleben des Merksatzes: „Iller, Lech, Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin, Altmühl, Naab und Regen kommen links entgegen.“ während einer Tour hat leider nicht ganz geklappt. 

Euro Velo6 Tour 2022: St. Nazaire -Basel; 1000 km

Zusammenfassung Euro Velo6 2022

Nach mehreren ‚Anläufen‘ in den vergangenen Jahren ist es nun soweit. Wir starten in diesem Jahr unser 2. internationales Projekt – den Euro Velo6, eine rund 4000km Route vom Atlantik zum Schwarzen Meer.

Die erste große Etappe führt uns in 3 Wochen von St. Nazaire bis nach Basel.

Beeindruckend waren insbesondere die Abschnitte an der Loire, welche zum einen landschaftlich sehr reizvoll waren, als auch die vielen schönen – oft mittelalterlich anmutenden – kleineren und größeren Städten am Flußufer, wie Angers, Tours, Orleans, Blois und viele andere.

Dabei müssen wir unbedingt die Stadt Nantes erwähnen, die uns mit vielen Dingen fasziniert hat. Eine wirklich lebenswerte Stadt mit hervorragend ausgebautem ÖPNV Netz, d.h. extra Trassen für Tram und Bus, breite Fuß- und Radwege, einer autofreien Innenstadt , mit vielen Cafes und Restaurants, welche das Flanieren und Verweilen zu einem Genuss machen. Hier haben wir uns sehr wohl gefühlt.

Das Wetter hatten wir auf unserer Seite, so dass wir neben dem Land und den Leuten auch die Sonne und angenehme Temperaturen in vollen Zügen genießen konnten..

Euro Velo6 Tour 2022


Etappe #0: Ankunft und Erkundungen in St. Nazaire

Mit dem Flugzeug von Berlin nach Paris, von dort mit dem Flieger nach Nantes und von Nantes mit dem Zug nach St. Nazaire – das war der Tag unserer Anreise.

In St.Nazaire angekommen, haben wir die Stadt am späten Nachmittag bis zum Abend noch mit unseren Rädern erkundet und dabei einige interessante Entdeckungen gemacht und die frische Brise des nahen Atlantik genossen.

Hierbei kamen wir auch an einem ehemaligen deutschen U-Boot Bunker vorbei.

Auszug aus Wikipedia:

„Vor dem Zweiten Weltkrieg war Saint-Nazaire einer der größten Häfen an der französischen Atlantikküste. Während des Westfeldzuges erreichte die deutsche Armee im Juni 1940 Saint-Nazaire. Der Hafen wurde umgehend für U-Boot-Operationen genutzt…..Der Bau begann im Februar 1941 mit den U-Boot-Boxen 6,7 und 8, die im Juni 1941 fertiggestellt wurden. Von Juli 1941 bis Januar 1942 wurden die U-Boot-Boxen 9 bis 14 gebaut und von Februar bis Juni 1942 die U-Boot-Boxen 1 bis 5. Die Arbeit wurde durch den Bau eines Bunkerturms abgeschlossen.

Was nicht zu übersehen ist, sind die riesigen Skulpturen, welche von verschiedenen Künstlern erschaffen und in Ufernähe im Wasser stehen und zum Betrachten und Staunen einladen.


Etappe #1: St.Nazaire – Nantes 73km

Heute startet nun offiziell unsere Tour. Ein besonderer Tag. Die Tour beginnt am anderen Ufer von St. Nazaire. Das bedeutet, dass wir die riesige Brücke über die Loire-Mündung überqueren, um an den eigentlichen und offiziellen Ausgangspunkt zu gelangen.

Was uns am Beginn direkt auf- und in’s Auge fällt, sind die unzähligen, reihenweise am Ufer errichteten Netze samt kleinen Häuschen entlang der Küste. In Französisch heissen sie Les Carrelets. Sie dienten und dienen heute noch dem Netze-basierten Fischfang.

Nach ca 70 km erreichen wir am Nachmittag die Stadt Nantes. Für uns beeindruckend war die Einfahrt in die Stadt – an einem km langen Autostau vorbei auf einem Radweg, welcher genauso breit war wie die einzige Autospur. Das gab schon einen kleinen Vorgeschmack auf die sehr ÖPNV / Radfahrer / Fußgänger freundliche Stadt, deren Gast wir für einen Tag sein durften.

Bevor wir die eigentliche Innenstadt erreichen, macht eine Halbinsel mit verschiedenen Cafes und einem Vergnügungspark auf sich aufmerksam, an der wir nicht, ohne einen Besuch gemacht zu haben, vorbeikommen – der Freizeitpark von Machines de l’Île.

Nach der Ankunft in der Innenstadt geniessen wir Nantes bei einem abendlichen Stadtbummel und staunen das eine und andere mal über die ausserordentlich menschenfreundlich gestaltete Stadt.


Etappe #2: Nantes – Angers 108km

Diese Etappe führt durch grüne Landschaften immer an der Loire entlang. Schönes Wetter und die Nähe zum Fluß, verbunden mit gut ausgebauten Wegen machen das Fahren zu einem Genuss.

Am frühen Abend erreichen wir unser Ziel, die Stadt Angers.

Das Schloss mit seinen 17 Türmen war im 13.Jh. Teil der Stadtmauer und ist aus Tuffstein und Schiefer errichtet.


Etappe #3: Angers – Saumur 56km

Nach dem Frühstück geht es noch eine Runde durch Angers, deren Altstadt mittlerweile zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

Auf dem Weg kommen wir oft an kleineren Ortschaften vorbei, wo uns besonders der üppige Blauregen auffällt, der an vielen Häuserwänden seine Blütenpracht präsentiert.

Blick auf Saumur mit Schloss und Kirche (Quelle: Wikipedia)

Etappe #4: Saumur – Tours 89km

Es ist Sonntag. Die Sonne zeigt sich zunächst nicht, so dass wir unsere kleine fast schon regelmäßige morgendliche Stadtbesichtigung per Rad bei grauem Himmel und später gar leichtem Nieselregen absolvieren. Die zunächst noch ziemlich leeren Straßen füllen sich dennoch zunehmend. Ziele der Passanten sind wohl Kirche, Flohmarkt aber auch die Wahllokale, da heute die Präsidentschaftsstichwahl zwischen Macron und Le Pen stattfindet. Bevor wir die Stadt verlassen, gönnen wir uns noch einen Blick von unten auf das Schloss – eines der bekanntesten der Loire-Schlösser, leider aber „auf dem Berg“ liegend. Den Aufstieg sparen wir uns vor dem eigentlichen Start der heutigen Etappe. 

Auffällig in Saumur sind das Schloss, die Kirche St Pierre sowie das Rathaus mit ihren mittelalterlichen Architekturen.

Das Gebiet um Saumur ist ein bedeutsames Weinanbau-Gebiet und so kommen wir auch an einigen Gehöften und Weingewölben vorbei, die in der Vergangenheit und einige bis heute der Weinlagerung und -verarbeitung dienen.

Erster Höhepunkt auf der Strecke sind nach wenigen Kilometern die Wohn- und Speicherhöhlen von Souzay. Eine ob des Hin und Her für uns zunächst irritierende Radwegführung lässt uns dann dieses faszinierende Höhlen- und Tunnelsystem hautnah erleben. Der Radweg führt mitten durch, was für eine Entdeckung! Vor lauter Begeisterung passieren wir danach unbemerkt – und in diesem Punkt auch schlecht vorbereitet – den Nullmeridian. Nun geht’s also weiter in der östlichen Hemisphäre. Wir „überqueren“ einige unspektakuläre Wein-„Berge“ und fahren durch Paray mit weiteren Höhlen. Diese werden hier gastronomisch genutzt. Wir widerstehen diesen Verlockungen, verweilen aber kurz zur Besichtigung einiger der skurrilen Metallskulpturen. In Montsoreau kommen wir am nächsten Schloss vorbei und in Candes-Saint-Martin an der gleichnamigen Wallfahrtskirche – ein kleiner Fingerzeig auf unser heutiges Etappenziel. Von der Brücke über die Vienne haben wir einen schönen Blick zurück auf den Ort und die Mündung der Vienne in die Loire.

Nachdem wir genügend Abstand zum ersten AKW, an dem wir auf der Tour vorbeikommen, gewonnen haben, finden wir einen idyllischen Rastplatz an der Indre für unsere Mittagspause und einen gemeinsamen Blick auf den weiteren Weg des Tages.

Weiter geht’s zunächst an der Loire, dann an ihrem Nebenfluss Cher in Richtung Tours. Kurz vor Villandry müssen wir kurz umkehren, um uns unter einer Autobahnbrücke vor dem plötzlich einsetzenden Regen unterstellen. Das war aber erst die Ouvertüre. In Villandry kommen wir trocken an, auch den wohlverdienten Nachmittags-Café können wir noch im Freien genießen, dann beginnt es aber aus vollen Kannen zu schütten. Wir sind froh, dass uns das nicht unterwegs ereilt und wir Asyl im Café bekommen. Es regnet so stark, dass Wasser ins Café läuft und das Personal alle Hände voll zu tun hat. 

Danach ist an einen Besuch der berühmten Schlossgärten von Villandry nicht mehr zu denken. Wir sind froh, dass wir trocken bis nach Tours kommen, zumal es zwischendurch ein paar Mal nicht danach aussieht.

Der Tag klingt in einem stilvollen kleinen Restaurant in der Altstadt aus, mit ausgestopften Schwertfisch unter der Decke und Louis de Funès Bildern an den Wänden. Nur die schöne Kellnerin mochte uns wohl nicht so recht. Egal, es war trotzdem ein schöner Abend. Zurück im Hotel können wir dem in der Lobby laufenden Fernseher nicht entgehen. Die ersten Hochrechnungen zur Präsidentschaftswahl sehen aber gut aus.


Etappe #5: Tours – Blois 77km

Wir starten wieder mit einer kleinen Stadtrundfahrt. Natürlich geht das in Tours nicht ohne Reminiszenz an den berühmtesten Einwohner der Stadt – dem heiligen Martin. Die ihm geweihte neue Basilika, aber vor allem die Reste der alten beeindrucken, deren Abstand im Straßenbild die Größe der im Mittelalter wichtigen Wallfahrtskirche erahnen lassen. Aber auch die mittelalterlichen Häuser an der Place Plumereau sind schön anzuschauen. Im moderneren Teil des Stadtzentrums fallen uns die oberleitungsfreien Straßenbahnen auf. Die Stromversorgung erfolgt mittels einer dritten im Boden eingelassenen Schiene, die nur von über sie hinweg fahrenden Bahnen aktiviert wird. Das scheint gut zu funktionieren. Unseren Selbsttest haben wir jedenfalls ohne Stromschlag überstanden.

Wir verlassen die Stadt Richtung Osten, nicht ohne noch einen kurzen Halt an der gotischen Kathedrale Saint-Gatien einzulegen. Nun fahren wir nach längerer Pause auch wieder an der Loire entlang. 

Seit Angers kommen wir immer wieder mit dem Thema ‚Schlösser der Loire‚ in Berührung, da sich in dieser Region eine Reihe von sehenswerten Schlössern befinden, welche viele Besucher in ihren Bann ziehen.

An dieser Stelle soll einmal der neue Chatbot von OpenAI zu Wort kommen, welcher als ChatGPT seit Januar 2023 für Schlagzeilen sorgt, da man ihm unzählige Fragen stellen kann und die (künstlichen) Antworten verblüffend präzise ausfallen.

Frage an ChatGPT: Was sind die schönsten Loire Schlösser?

Antwort:

Die Schlösser der Loire sind eine Gruppe von prächtigen Renaissance-Schlössern, die entlang des Flusses Loire in Frankreich erbaut wurden. Einige der bekanntesten und schönsten Schlösser sind:

  1. Schloss Chambord: Es ist das größte und imposanteste Schloss der Loire, bekannt für seine beeindruckende Architektur und seine prächtigen Parkanlagen.
  2. Schloss Chenonceau: Es ist eines der am meisten besuchten Schlösser der Loire, bekannt für seine besondere Architektur, die über den Fluss Loire gebaut wurde. ANMERKUNG: Hier liegt ChatGPT verkehrt !!! das Schloss wurde über den Fluss CHER gebaut
  3. Schloss Azay-le-Rideau: Es ist ein kleineres Schloss, aber dennoch sehr beeindruckend, mit seiner Renaissance-Architektur und seiner Lage auf einer kleinen Insel im Indre-Fluss.
  4. Schloss Amboise: Es ist ein beeindruckendes Schloss mit einer langen Geschichte, das sowohl Renaissance- als auch Gotik-Elemente aufweist.
  5. Schloss Villandry: Es ist ein Schloss bekannt für seine prächtigen Gärten und seine Renaissance-Architektur.
  6. Schloss Blois: Es ist ein Schloss in Blois, das über eine lange Geschichte verfügt und sowohl Renaissance- als auch Gotik-Elemente aufweist.

Es gibt viele weitere Schlösser entlang der Loire, die besucht werden können und jeder hat seinen eigenen Charme und seine eigene Geschichte.

Das ist verblüffend…Und hier der Überblick über diese Vielzahl von Schlössern entlang der Loire:

Doch nun zurück zur Realität:

Nach 77km erreichen wir am Abend Blois mit einem wunderschönen Blick über die Loire auf die Stadt.


Etappe #6: Blois – Orleans 82km

Am heutigen Morgen machen wir noch eine kleine Runde durch die Stadt, bevor wir dann zu unserer nächsten Etappe aufbrechen, welche eines der Schlösser- Highlights bereithält.

Nach der Ausfahrt aus der Stadt geniessen wir nochmal den wundervollen Blick über die Loire bei einem schönen Sonne-Wolken-Mix.

Blick auf Blois

Gegen Mittag erreichen wir die ’sagenhafte‘ Schloss-Anlage von Chambord.

Zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, dass wesentliche Teile des Schlosses eingerüstet sind, so dass wir zwar erahnen, wie dieses Prachtstück wohl ohne Gerüste aussehen mag, aber es unserer Phantasie überlassen müssen, dieses Bild in Gedanken zu erzeugen bzw. es uns mit Hilfe von Prospekten zu projizieren.

Was dennoch bleibt ist der Eindruck von Größe, Genialität, Kunst und Vielfalt, der uns für längere Zeit hier verweilen lässt und in seinen Bann zieht.

Am Ende dieser Etappe sind wir in Orleans und übernachten in einer Jugendherberge, wobei der Name nicht zwingend auf das Alter der Insassen schliessen lässt, sondern im Wesentlichen eher auf die ‚Einfachheit‘ der Unterkunft. Für unsere Zwecke vollkommend ausreichend, zumal die Stadt genügend Freiraum und Abwechslung bietet.


Etappe #7: Orleans – Gien 83km

In Orleans starten wir den Tag mit einer kleinen Stadtbesichtigung. Wie der Name der Stadt vermuten lässt, gibt es hier die Geschichte der Jungfrau von Orleans zu erkunden. Den historischen Hintergrund findet man sehr detailliert bei Wikipedia, aus dem hier folgender Ausschnitt zitiert sei:

Während des Hundertjährigen Krieges verhalf sie bei Orléans dem Dauphin und späteren französischen König Karl VII. zu einem Sieg über Engländer und Burgunder, anschließend geleitete sie Karl zu seiner Königssalbung nach Reims. Nach der Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Compiègne wurde Jeanne d’Arc am 23. Mai 1430 durch Johann II. von Luxemburg gefangen genommen, später an die Engländer ausgeliefert und schließlich in einem kirchlichen Verfahren des Bischofs von BeauvaisPierre Cauchon, der pro-englisch eingestellt war, aufgrund verschiedener Anklagen verurteilt. Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.[3]

24 Jahre später strengte die Kurie einen Revisionsprozess an, in dem das Urteil aufgehoben und Jeanne zur Märtyrin erklärt wurde. Im Jahr 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai. An diesem Tag gedenkt man ihrer auch in der Church of England.[4]

Wikipedia

Nach dem Besuch der Kathedrale geht es nun weiter entlang der Noire zu unserem nächsten Etappenziel der kleinen Stadt Gien.

Auf dem Weg dorthin geniessen wir die tolle Flußlandschaft. Eine lange Brücke überquert nach einigen Kilometern die Loire, um uns zu dem wunderschönen Schloss Sully-sur-Loire zu führen. Eine Schlossanlage wie aus dem Bilderbuch liegt vor uns und lässt uns diese bei einem kurzen Aufenthalt sehr geniessen.

Nach diesem optischen Highlight geht es weiter Richtung Zielort, welcher uns ebenfalls mit einem eindrucksvollen Panorama bei der Anfahrt erwartet.

Ankunft in Gien mit Blick auf die Altstadt

Historisch interessant an Gien ist die Tatsache, dass bei der Bombardierung der Stadt 1940 diese durch einen Großbrand überwiegend zerstört wurde, und dass nach dem Krieg der Wiederaufbau der Stadt im Stil der wenigen übrig gebliebenen alten Häuser erfolgte. Damit kann man heute den ursprünglichen Blick auf diese schöne Stadt genießen.


Etappe #8: Gien – La Charite 89km

Mit einem wundervollen Blick auf Gien verlassen wir diese Stadt und begeben uns auf den Weg nach La Charite.

Blick auf Gien mit Brücke und Schloß

Auf unserem Weg kommen wir an einer besonderen Brücke vorbei – unserer ersten Kanalbrücke, d.h. einem Kanal, über den Schiffe fahren. Eine vertikale Wasserkreuzung, wenn man so will. Wir schauen uns das Ganze ein wenig an, verbinden es mit einer kleinen Rast und staunen über das technische Wunderwerk.

Nach 82 km erreichen wir den Ort La Charite , eine kleine Stadt mit ca 5000 Einwohnern, wiederum mit einer sehr schönen Anfahrt über eine steinerne Brücke.

Ankunft in La Charite – sur -Loire

Wir bewohnen hier eine besondere Unterkunft, welche sehr bildreich und geschmackvoll gestaltet ist. Unser Abendbrot geniessen wir in einer kleinen Bar, draussen auf dem Bürgersteig, direkt an der Straße… was aber in dem fast ‚ruhenden Verkehr‘ nicht weiter stört, zumal die Restaurantdichte nicht gerade hoch ist. Dafür geniessen wir die Frische von Food & Beverage…


Etappe #9: La Charite – Nevers 48km

Vor unserem eigentlichen Etappenstart erkunden wir den Ort, welcher einige Sehenswürdigkeiten bereithält.

Ca 5km vor Nevers mündet der 400km lange Allier in die Loire und lädt zum beinseitigen Erkunden ein.

Kurz vor Nevers wieder eine schöne Wasserkreuzung

In Nevers wohnen wir in einem Kloster (Espace Bernadette) , welches ganz offiziell 90 Zimmer an Touristen vermietet. Hinter dem geöffneten Fenster (linke Seite) verbirgt sich unser 2 Bett-Domizil. Eine schöne ruhige Anlage die uns von aussen und innen sehr gut gefällt.

Escape Bernadette (Kloster & Hotel)

Nach einem Abend-Bummel durch Nevers köpfen wir noch unseren Crémant (Schaumwein), den wir in einer Sekt-Kelterei bei Saumur erworben – und 3 Tage ‚an Board‘ hatten, um ihn dann bei einer guten Gelegenheit zu geniessen.


Etappe #10: Nevers – Domaine de Bourg 70km

Der nächste Morgen beginnt mit einem Frühstück im klostereigenen Restaurant, wobei der Begriff Kantine eigentlich besser geeignet wäre.

Auf jeden Fall gestärkt mit Kaffee und französischen Frühstücks-Üblichkeiten drehen wir noch eine Runde durch Nevers, um den Tags zuvor abendlichen Eindruck nochmal bei Tageslicht zu verstärken.

Wir sagen Tschüss Nevers – es war schön hier….(im Hintergrund das Schloss)

Auf dem Weg begegnen uns noch eine alte romanische Basilika , wieder eine Kanalüberquerung mit sehr schönem Blauregen und ein schöner Rastplatz, an dem wir unsere Vesper halten.

Nach 70km erreichen wir unser Quartier -ein familiengeführtes und sehr liebevoll gestaltetes Gut mit viel Platz, schönen Zimmern und sehr freundlichen Herbergs-Eltern – Domaine de Bourg.


Etappe #11: Domaine de Bourg – Montceau-les-Mines 117 km

Heute ist der Tag der Abschiede. Zuerst trennen sich kurz nach dem Start unsere Wege. Der eine (Thomas) muss aus familiären Gründen nach Hause und der andere (Michael) fährt alleine weiter. Später am Tag „verabschiedet“ sich auch noch die Loire, die uns seit Beginn unserer Tour stete Wegbegleiterin war und uns so viele tolle Eindrücke beschert hat.

Doch der Reihe nach: Wir starten mit einem tollen letzten gemeinsamen Frühstück in der Domaine de Bourg, sagen dann erst unseren sympathischen Gastgebern Véro & Fred und diesem wunderbaren Ort adieu und dann auf der anderen Loire-Seite uns selbst. Thomas fährt nach Nevers zurück, um von dort per Zug nach Berlin zu gelangen. Ich mache mich – etwas traurig – alleine auf die heutige Mammut-Etappe.

Die vermeintlich weite Ebene des Loire-Tals auf dem Foto täuscht. Auf dem Weg in den beschaulichen Kurort Bourbon-Lancy sind einige Höhenmeter zu bewältigen, so dass ich mir die kurze Pause dort verdient habe.

Weiter geht es nun wieder direkt an der Loire bzw. ihrem Seitenkanal Richtung Digoin. Dort in der alten Schifferstadt wartet der nächste Abschied. Der EV6 und somit auch ich verlassen hier nach 825 km die Loire – natürlich erst nach gebührenden Abschied und den letzten Loire-Fotos. Die Loire wendet sich nach Süden bzw. kommt von dort, ich muss am Canal du Centre weiter in Richtung Nordost.

Nach 10 km erreiche ich die schöne Stadt Paray-le-Monial, die mit der romanischen Basilika Sacré-Coeur und einem schönen Stadtzentrum punktet. Ein toller Ort – nicht nur für die Kaffeepause.

Aber viel Zeit zum Genießen bleibt nicht. Es ist bereits 16:30 und noch liegen 40 km bis zum heutigen Etappenziel vor mir. Und die werden es in sich haben. Da sich der Kanal das Tal des Flüsschens Bourbince mit einer stärker befahrenen Straße teilt, weicht der Radweg aus – in das Hügelland links und rechts davon. Der erste größere Schwenk macht noch Spaß – zumal ich dadurch nach langer Zeit endlich mal wieder an einem Schloss vorbei komme – beim zweiten habe ich dann aber keine Lust mehr. Außerdem ist’s schon reichlich spät. So radle ich nun doch unten auf der Straße am Kanal weiter und passiere Génelard mit seinem Demarkationslinien-Museum. Das hätte mich interessiert, aber das Museum hat natürlich schon geschlossen und ich bin immer noch nicht an meinem Etappenziel.

Als Demarkationslinie wird in Frankreich die Grenze zwischen dem im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzten Teil und dem vom Vichy-Regime regierten Teil des Landes angesehen. Mit dem Waffenstillstand von Compiègne vom 22. Juni 1940 wurde Frankreich in eine besetzte und eine „freie“ Zone aufgeteilt. Die Linie durfte nur mit Genehmigung überschritten werden, und das ausschließlich an den offiziellen Übergangspunkten.

Wikipedia

Das kündigt sich ein paar Kilometer weiter mit einem riesigen Kühlturm eines Kohlekraftwerkes an. Montceau-les-Mines ist – wie der Name schon vermuten lässt – eine Bergbaustadt – bzw. war eine, mittlerweile sind alle Zechen und Tagebaue geschlossen. Und genauso sieht sie auch aus. Die Stadtbesichtigung fällt daher auch relativ kurz aus, was nach den 117 km des Tages nicht unwillkommen ist.

Der Unterschied zu den letzten, allesamt sehenswerten Übernachtungsorten ist schon gewaltig.


Etappe #12: Montceau-les-Mines – Chalon-sur- Saône 74 km

Aber das Hotel in Montceau war wirklich gut. Nach einem leckeren Frühstück schnell noch ein paar Fotos geschossen.

Dann geht’s auf Richtung Nordosten – weiter den Canal du Centre hinauf. Hinauf passt tatsächlich. Im Gegensatz zum Loire-Seitenkanal ist der Canal du Centre ein Wasserscheidenkanal, der die Höhendifferenz von 75 m von der Loire zur Wasserscheide mittels 26 Schleusen (Quelle: Wikipedia) überwinden muss. Für den Radfahrer geht’s über längere Zeit immer leicht bergauf.

merkwürdiges Bauwerk am Kanal in Blanzy – ich habe bisher noch nicht herausgefunden, um welches Relikt vergangener Zeiten es sich hierbei handelt

Heute ist offenbar auch der Tag der Baustellen auf dem Radweg und damit verbundenen Umleitungen – leider teilweise mit ziemlichen Anstiegen.

„Oben“ angekommen sage ich der Loire entgültig adieu. Hier verlasse ich ihr Einzugsgebiet und wechsle in das der Rhone. Nun geht’s hinunter Richtung Saône, dem größten Nebenfluss der Rhone. Am Kanal gibt es dafür 35 Schleusen für 126 m Höhendifferenz. Nun geht es aber bergab.

Bald sind der heutige Zielort Chalon und dort auch die Saône erreicht. Beim Weg ins Stadtzentrum unterscheidet sich die ausgeschilderte Route von der in meiner Karte und „verschwindet“ dann ganz. Ich finde mich trotz einiger Umwege ins Zentrum und auf der Place Saint-Vincent zur Belohnung ein nettes Café mit Blick auf die gleichnamige Kathedrale.


Etappe #13: Chalon-sur-Saône – Saint-Jean-de-Losne 77 km

Das Frühstück gibt es nicht im Hotel, sondern in einem Café in der Nähe. Es fällt nicht sonderlich üppig aus, aber von meiner gestrigen „Irrfahrt“ bei der Ankunft habe ich eine Boulangerie mit üppigem Angebot in Erinnerung, in der ich mich ausreichend mit Wegzehrung eindecken kann.

Chalon-sur-Saône ist die zweitgrößte Stadt im Burgund und die größte auf unserer Strecke seit Orléans. Sie besitzt eine schöne Altstadt, die natürlich per Rad erkundet wird bevor ich mich auf die Strecke begebe.

Der Radweg folgt der Saône flussaufwärts. Die Saône ist für die Schifffahrt ausgebaut und  hat daher einen völlig anderen Charakter als die Loire. Einige schöne Blicke bieten sich dennoch.

In Verdun-sur-le-Doubs mündet der Doubs, der größte Nebenfluss der Saône. Verdun ist ein kleines Städtchen mit malerischen Ecken, ein idealer Platz für die Mittagspause.

Mündung des Doubs (rechts) in die Saône

Weiter geht’s zunächst am Doubs, dann wieder zurück zur Saône.

Aufgestaute Saône

Zielort ist Saint-Jean-de-Losne. Mit Blick auf den weiteren Verlauf der Tour wäre ich gern weitergefahren, konnte aber kein passendes Quartier finden.

Dafür komme ich in den Genuss einer vollkommen neuen Übernachtungserfahrung – im Wohnwagen auf einem Campingplatz.


Etappe #14: Saint-Jean-de-Losne – Besançon 93 km

Die Nacht im Wohnwagen war besser als gedacht, das Frühstück in der Snack Bar des Zeltplatzes sehr gut. Frisch gestärkt und ausgeruht mache ich mich auf die heute wieder anspruchsvollere Etappe. Drüben am anderen Ufer in Losne fallen mir die stark gestutzten Straßenbäume ins Auge, die wir in Frankreich relativ häufig gesehen haben.

Saône

Nach wenigen Kilometern verlasse ich die Saône. Weiter geht’s am Rhein-Rhône-Kanal (Canal du Rhône au Rhin), der hier beginnt und mich bis nach Basel begleiten wird

In Dole treffen der Kanal und ich wieder auf den Doubs, dessen ausgebauten Abschnitte vom Kanal mit genutzt werden.

Dole ist die Entdeckung für mich. Auf deren wunderschöne Altstadt bin ich leider zeitlich nicht vorbereitet. Ich gönne mir 2 Stunden zur Erkundung. Dann muss ich weiter.

Dole hat das Schicksal vieler heutzutage toll wirkender mittelalterlicher Städte geteilt. Die zum Heiligen Römischen Reich gehörende alte Hauptstadt der Freigrafschaft Burgund fiel nach der französischen Eroberung Ende des 17. Jahrhunderts in die Bedeutungslosigkeit und konnte sich so – aus heutiger Sicht – ihren Mittelalter-Charme bewahren.

Kurz hinter Dole werden die ersten Ausläufer des Französischen Jura sichtbar, das auch während der nächsten 1 ½ Etappen die Kulisse bilden wird. Der Jura war übrigens der Namensgeber für das gleichnamige Erdzeitalter, nicht anders herum.

 In dieser Gegend häufiger zu sehen: Der Rhein-Rhône-Kanal nutzt das Flussbett des Doubs abgetrennt durch eine Mauer direkt mit. So blieb dem Doubs selbst eine stärkere Kanalisierung wohl erspart.

Nun werden die Wolken ziemlich rasch zahlreicher und dunkler. Ich finde Gott sei Dank einen Dachvorsprung zum Unterstellen als der Wolkenbruch losgeht. Zur nahegelegenen bekannten Tropfsteinhöhle hätte ich es nicht mehr geschafft – zumindest nicht trocken.

Wasser von oben bei Osselle

Der starke Regen dauert leider ziemlich lange. Dadurch verliere ich 1 1/2 Std., die ich mir in Dole nicht mehr gegönnt hatte. Die Tropfsteinhöhle ist auch kein Thema mehr. Ich muss mich sputen, mein heutiges noch über 20 km entferntes Etappenziel Besançon zu einer einigermaßen ‚christlichen Uhrzeit‘ zu erreichen.
Der Himmel sieht auch weiterhin nicht gut aus. Es bleibt aber trocken – dieu merci. Das enger und tiefer werdende Doubstal ist an manchen Stellen so schmal, dass der Kanal keinen Platz hat und eine Abkürzung durch den Felsen nehmen muss.

Eigentlich hätte man sich in diesem schönen Streckenabschnitt mehr Zeit nehmen müssen. Mit Blick auf Uhr und Entfernungsangaben auf den am Radweg angebrachten Wegweisern muss ich aber recht zügig unterwegs sein. Um so enttäuschter bin ich, als ich feststellen muss, dass sich die Entfernungsangaben nicht auf das Stadtzentrum von Besançon bezogen sondern auf den Ortseingang. Dort angekommen habe ich also noch weitere 5 km bis in die Altstadt und mein Quartier vor mir. Ich wähle die kürzeste Route durch den unter der Festung verlaufenden Kanaltunnel und nicht den eigentlich an der weiten Doubsschleife vorgesehenen. Am letzten Anstieg vor dem Quartier geht irgend etwas an meiner Gangschaltung kaputt. Die letzten Meter kann ich nur noch auf dem kleinstem Kranz der Tretkurbel zurücklegen. Was für ein Tag!


Etappe #15: Besançon – Baume-les-Dames 49 km

Plan B! Ich muss eine Werkstatt finden, denn so kann ich keinesfalls weiterfahren. Die Suche gestaltet sich schwierig. Es scheint – zumindest lt. Google Maps – nur wenige  Werkstätten zu geben, die zudem erst ab dem Nachmittag geöffnet zu haben scheinen. Das Quartier war diesmal ein Privatzimmer ohne Frühstück. Aber es gibt eine kleine Küche und ein angefangenes Päckchen Kaffee. Das muss erst einmal reichen. Die ersten Werkstätten, die ich an“fahre“, gibt es allesamt gar nicht mehr (hey Google!). Auf dem schon leicht verzweifelten Weg zum Touristenbüro komme ich dann doch an einer Werkstatt vorbei, die geöffnet hat – allerdings nicht in Google Maps eingezeichnet war. Und wahrscheinlich handelte es sich um die netteste Werkstatt weit und breit. Man spricht Englisch und hilft mir gleich. Ich nutze die Wartezeit, um nun endlich zu frühstücken. Die Stadtbesichtigung fällt aber leider weitestgehend aus. Die Porte Noire, die Zitadelle (Weltkulturerbe) und Victor Hugos Geburtshaus muss ich mir fürs nächste Mal aufheben.

Mein später Aufbruch mittags passt aber zur heutigen relativ kurzen Etappe. Dies hat aber mehr mit der schwierigen Quartiersuche zu tun als mit hellseherischen Fähigkeiten, die Panne betreffend. Ich freue mich, dass mein Rad wieder fit ist und auf den Streckenabschnitt im Jura.

Am Rand der Altstadt komme ich wieder am Tunnel unter der Zidalle vorbei, den ich gestern bei der Ankunft durchfahren habe. Der Tunnel kürzt die Doubs-Schleife um die Altstadt herum ab und wird auch von Ausflugsschiffen durchfahren.

Die Vorfreude über den heutigen Streckenabschnitt am Doubs durch das Jura wird nicht enttäuscht.

Mein heutiger Zielort Baume-des-Dames ist ein touristisches Zentrum für Outdoor-Aktivitäten im Jura, scheint aber seine besten Zeiten hinter sich zu haben. Sicherlich einmal schöne Ecken mit historischen Gebäuden wirken im heutigen „Arrangement“ etwas heruntergekommen.


Etappe #16: Baume-les-Dames – Mulhouse 120 km

Die kurze Etappe gestern „rächt“ sich heute. Um in 2 Tagen mittags stressfrei den Zug in Basel zu erreichen, will ich heute bis nach Mulhouse kommen, was wieder eine Etappe von über 100 km bedeutet. Bei der Planung dessen hatte ich aber nicht mit dem starken Gegenwind gerechnet. Generell scheint hier eine andere Hauptwindrichtung vorzuherrschen – Nordost = meine Hauptfahrtrichtung. Aber da muss ich nun durch.

Die ersten 65 Kilometer geht’s weiter am Doubs durch das Jura.

Fluss und Berge verabschieden sich kurz vor Montbéliard. Das war 400 Jahre lang württembergisch und hieß in der Zeit Mömpelgard. Lustige Namen haben sie ja, die Schwaben.

Württembergisches Schloss von Montbéliard / Mömpelgard

Ich folge weiter dem Rhein-Rhône-Kanal und erreiche die Burgundische Pforte, einen breiten flachen Sattel zwischen Jura und Vogesen, der das Rheintal und die Ausläufer des Saônetals (Doubs) verbindet. Der Kanal überwindet die Pforte mit zahlreichen Schleusen. Ich habe sie nicht gezählt. Insgesamt sind es lt. Wikipedia am gesamten Kanalverlauf 82 Schleusen aufwärts von der Saône bis zum Scheitelpunkt auf der Burgundischen Pforte und 40 abwärts zum Rhein, an denen ich ja vorbeigekommen sein muss bzw. noch vorbeikommen werde.

Hinter der Burgundischen Pforte wechsele ich in das Elsass. Das fällt vor allem durch die deutschen Ortsnamen auf – Retzweiler, Dannemarie, Illfurt, … Das wird auch bis Basel so bleiben. Gegen 19 Uhr erreiche ich geschafft Mülhausen / Mulhouse.

Viel Zeit zur Stadtbesichtigung bleibt daher nicht mehr. Zunächst gönne ich mir ein leckeres elsässisches Abendessen, dass ich mir wahrlich verdient habe. Danach radele auf dem Rückweg zum Hotel auf ein paar Umwegen durch die schöne Altstadt.


Etappe #17: Mulhouse & Mulhouse – Basel 44 km

Bevor ich die letzte Etappe dieser Tour in Angriff nehme, steht natürlich eine kleine Stadtrundfahrt durch die wirklich sehenswerte Altstadt von Mulhouse auf dem Programm. Die Stadt ist zweisprachig. So ist z.B. die Rue Guillaume Tell auch als Wilhelm Tell Gass ausgeschildert. In Frühstückscafé und Supermarkt verständige ich mich aber besser auf Englisch als auf Deutsch. Aber klar, ich bin ja immer noch in Frankreich und des doch auch hier mehr gesprochenen Französisch nicht mächtig – auch wenn ich während der Tour kleinere Fortschritte darin gemacht habe.

Doch nun auf nach Basel! Weiter geht’s am Rhein-Rhône-Kanal, der ab hier für größere Schiffe ausgebaut ist.

Ab Niffer verläuft der Kanal parallel zum Rhein und dem Rheinseitenkanal. Kurz vor Basel endet der Rhein-Rhône-Kanal. Bevor ich nach Basel komme, geht’s zuerst über die Dreiländerbrücke kurz nach Deutschland, das hier im wesentlichen wegen der offenbar günstigeren Preise aus einem riesigen Shopping-Center besteht, und nach 500 Metern hinüber in die Schweiz.

Grenzübergang Deutschland – Schweiz, Blick von der Baseler Seite zurück nach Weil am Rhein

In Basel geht’s zunächst durch das Industrie- und Hafengebiet, mit z.T. interessantem, Berlin nicht unähnlichem Ambiente. Am Rhein mit Blick auf das Stadtzentrums ist für diesmal das Tourende erreicht. Ich gönne mir noch einmal eine Rast an der schattigen Rheinpromenade, dann muss ich zum Badischen Bf. um meinen Zug nach Berlin zu erreichen.

R1 Tour 2017 Elblag-Riga 707 km

Zusammenfassung R1 2017

Dies ist nun schon die vierte Etappe unserer Tour und die erste, bei der wir ein Visum brauchen, um ein kurzes Stück durch Russland zu fahren.

Die Wegbeschilderung setzt dort quasi aus, es gibt generell keine gekennzeichneten Fahrradwege, anders als später in Litauen oder Lettland.

Landschaftlich beeindruckend waren insbesondere die Abschnitte am Frischen Haff und die Überquerung der Kurischen Nehrung mit sagenhaft großen Wanderdünen.

Enttäuschend war für uns  Kaliningrad, eine Stadt ohne Charme, mit viel Autos und sehr renovierungsbedürftigen Häusern und Infrastruktur.

Als wohltuend und angenehm würden wir besonders die litauischen Badeorte Nida und Palanga hervorheben, städtisch hat bei dieser Tour ganz klar Riga unsere 5 Sterne bekommen.

Dank des tollen Wetters haben wir die Landschaften mit viel Sonnenlicht und schönem Wolkenspiel betrachten können.

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R1 Tour 2017

 


Etappe #0: Zwischenstopp in Malbork (Marienburg)

Mit dem Zug von Berlin nach Elblag – 2x umsteigen und völlig unterschiedliche Fahrrad-Bahntransport-Erfahrungen.

Wir machen einen  Zwischenstopp in Marienburg, um uns diese sagenhafte Burganlage anzuschauen.


Etappe #1: Elblag – Frombork (Frauenburg) 40km

Um 17:30 erreichen wir Elblag mit dem Zug. Wir starten quasi dort, wo wir letztes Jahr unsere Tour beendet haben. Ein tolles Gefühl – wir sind wahrscheinlich auf unserem vorletzten Abschnitt der großen Tour.

Nach 40 km Einradeln samt den ersten „Bergen“ erreichen wir um 21:00 unser Hotel in Frombork. Das Hotel hat einen kleinen Außenbereich, den wir gern für das erste (und diesmal einzige) Abendmahl in Polen nutzen um den Tag genussvoll ausklingen zu lassen.


Etappe #2: Frombork -Kaliningrad (RUS) 76km

Diese Etappe war durch mehrere Besonderheiten gekennzeichnet. Eine davon war das  unglaublich vielfältige und reichhaltige Frühstücksbuffet im Hotel. Wir sollten uns zwei Tage später in Russland sehnsüchtig daran zurück erinnern! Der Tag begann also sehr kulinarischen. Kulturell ging es weiter – die Besichtigung von Frombork mit dem Dom und dem Grab von Nikolaus Kopernikus war mit dem Blick auf Frisches Haff und Nehrung eine ganz klare Empfehlung. Russland war in der Ferne bereits zu erahnen.

Nach ca 20 km erreichen wir die Grenze zum Kaliningradski Oblast und damit Russland und müssen hier durch eine Grenzkontrolle mit Visa-Pflicht. Wir reihen uns brav in die Autoschlange am Grenzübergang ein und lassen die erste Passkontrolle nach 2.300 km seit unserem Start in Calais über uns ergehen. Ein merkwürdiges Gefühl, an das man gar nicht mehr gewöhnt ist. Auf der russischen Seite gibt es, so wie bereits in Polen auch, keinen Radweg – wir fahren großflächig auf normalen Verkehrsstraßen. Dabei war insbesondere die 40 km lange Anfahrt nach Kaliningrad auf der ehemaligen Reichsstraße 1 mit starkem Autoverkehr schon etwas nervig. Man konnte sich nie sicher sein, ob die LKWs mit genügend Abstand überholen.

Kaliningrad selbst ist schon sehr bizarr – massiver Autoverkehr, schmale Fußwege, wenig bis kein Grün, sozialistische Plattenbauten in unterschiedlichen Verfallsstadien, marode Bürgersteige, dazwischen prunkvolle neue Konsumtempel und orthodoxe Kirchen – alles in allem, von dem einstigen Königsberg ist eigentlich nur der wiederaufgebaute Dom übrig. Aber uns ist bewusst, wer die eigentliche Verantwortung für die Auslöschung des alten Königsberg trägt.

So verwundert es nicht, wenn es auch wenig Lokale oder Kaffees in dieser 500.000 Einwohner zählenden Stadt gibt. Wir finden einen Platz in einem riesigen Vergnügungstempel, die einzige Möglichkeit in der Nähe unseres Quartiers für ein Abendbrot.


Etappe #3: Kaliningrad – Swetlogorsk 70km

Nach dem Frühstück geht es noch eine Runde durch Kaliningrad mit Dom und einem Besuch im Bunkermuseum, wo die Geschichte der letzten Tage von Kaliningrad vor der Kapitulation 1945 mitzuerleben ist. Leider sind viele der Beschilderungen und Beschreibungen nur auf Russisch, was verwundert, da ja hier auch sicher viele deutsche oder andere ausländische Touristen vorbeischauen und gerade hier auch deutsch-russische Geschichte geschrieben wurde.

Dagegen überrascht uns eine Bäckereikette namens ‚Königsbäcker‘, die leckere Wegzehrung bietet. Doch ein Anzeichen auf eine Rückbesinnung auf alte Zeiten?

Als Radfahrer hat man es in Kaliningrad nicht leicht. Vielfach bleiben nur die Bürgersteige in der bereits genannten Qualität für ein einigermaßen gefahrloses Vorwärtskommen.

Wir verlassen die Stadt auf einer großen Ausfallstraße und sind froh, bald darauf auf wenig befahren z.T. sehr schönen Alleen gen Norden der Ostsee entgegen zu radeln. Dörfer und Menschen am Wegesrand lassen uns manchmal in einer ganz anderen Welt fühlen. Nach 70km erreichen wir Swetlogorsk, ein russisches Ostseebad, das wir am Sonntagabend mit viel Rummel erleben, unzähligen Bernsteinständen und einer ‚interessanten‘ Strandpromenade aus sehr viel Beton, die nur einen schmalen Sandstreifen für Badelustige übrig lässt – für uns kein einladender Ort zum Verweilen am Strand.


Etappe #4: Swetlogorsk – Nida (Litauen) 94km

Wir kommen an einem riesigen Casino mitten in der Pampa vorbei, passieren das ebenfalls sehr gut besuchte, aber auch nicht schönere Ostseebad Zelenograd und kommen kurz darauf auf eines der Highlights der diesjährigen Tour – die Kurische Nehrung. Fast 100 km Strecke auf der z.T. nur 400 Meter schmalen Landzunge mit tollem Ostseestrand auf der einen und gelegentlichen Blicken aufs Kurische Haff auf der anderen Seite. Meist geht der Weg aber schnurgerade im Wald nach Nordosten. Der Verkehr nimmt mit spürbar ab, ein angenehmes Fahren. Kurz vor der Grenze zu Litauen dann noch ein Stopp – einen Besuch der riesigen Wanderdüne sollte man sich nicht entgehen lassen.

Kurz darauf verlassen wir Russland und reisen wieder in die EU ein.

In Litauen erleben einen totalen Szenerie-Wechsel, tolle Radwege! Und das auf unserer gesamten Strecke durch Litauen. Kurz darauf erreichen wir unsere Etappenziel den wunderschönen Ort Nida am Kurischen Haff.

Der kleine Ort Nida begeistert durch seinen Charme und die vielen Lokale, Cafés und interessanten Leute.

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Etappe #5: Nida – Palanga 85km

Heute führt uns unser Weg von Nida nach Palanga, einem weiteren beliebten Ostseebad in Litauen.

Es geht weiter über die Kurische Nehrung – landschaftlich sehr beeindruckend.

Wir überlegen nur kurz, ob wir wenige Kilometer nach dem Start schon wieder vom Sattel steigen. Aber auch die nächste Wanderdüne ist atemberaubend – riesig und von der Natur über Jahrhunderte geschaffen.

Zur Mittagspause folgen wir dem Tipp des Radreiseführes und machen einen Umweg über die „Berge“ zur Haffseite nach Juodkrantė, des Fischessens wegen.

Am Ende der Kurischen Nehrung geht es dann mit der Fähre wieder aufs Festland – nach Klaipeda, ehemals Memel. Hier gibt es auf dem zentralen Marktplatz das Denkmal für Ännchen von Tharau – ein in Deutschland sehr bekanntes Lied gedichtet von Simon Dach, nach dem gleich eine ganze Strasse in Berlin benannt ist.

An unserem Zielort Palanga haben wir abends das Glück, durch Zufall ein Restaurant zu finden, in dem wir später merken, dass es gleichzeitig auch ein Freilichtkino ist. So sehen wir zu unserem Abendmahl den Film TSCHICK in deutschem Originalton mit litauischen Untertiteln – sehr schön.

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Abendstimmung im Kino-Kaffee

Etappe #6: Palanga (Litauen) – Liepaja (Lettland) 80km

Wir fahren von Litauen nach Lettland – diesmal ohne Grenzkontrollen, ein erleichterndes Gefühl…

Bevor es losgeht schauen wir noch mal am Strand vorbei. Die Promenade ist sehr belebt und der Strand lädt zum Baden ein.

Unterwegs – kurz vor der Lettischen Grenze –  gibt es eine schmale Holzbrücke, auf der sich die Menschen in beiden Richtungen vorbeidrängen – sobald ein Fahrrad oder Kinderwagen auf der Brücke ist, ist der Gegenverkehr blockiert. Es ist nicht ganz einfach eine Lücke abzupassen, um auf die andere Seite zu kommen.

In Lettland gibt es den Euro seit 2014, insofern fühlen wir uns währungstechnisch auch wie in Litauen wieder ‚zu Hause’…

Das für uns besondere an diesem Strandabschnitt in Lettland sind die  – im gefühlten 500m Abstand stehenden – Toilettenhäuschen im Marine-Look.

Leider sind in Lettland die Radwege wieder „Geschichte“. Wir hatten uns schon fast wieder daran gewöhnt, sind aber ganz schnell auf dem Boden der lettischen Tatsachen zurück. Die starke befahrene Fernstraße wird bei laufendem Verkehr erneuert. Das Fahrradfahren auf der halbseitig gesperrten engen Straße in für Autos gemachten Ampeltakten ist ein absolutes ‚Erlebnis‘. Wir überstehen das unbeschadet.


Etappe #7: Liepaja – Jurkalne 77km

In Liepaja machen wir noch eine kleine ‚Stadt’rundfahrt , bevor wir uns auf die Route begeben. Liepaja war früher der größte Stützpunkt sowohl der russischen wie auch sowjetischen Marine im Ostseeraum, bevor dieser dann 1994 geräumt wurde. Die Stadt war daher lange zu großen Teilen Sperrgebiet und bietet nun eine bizarre Mischung aus morbidem Charme mit einzelnen architektonischen Highlights, einer futuristischen Konzerthalle und gaaanz viel Raum für Stadtentwicklungsideen.

Im Stadtteil Karosta, dem ehemaligen Marinestützpunkt,  schauen wir uns die Basilika an, die allerdings in starkem Kontrast zu den umgebenden – eher verfallenen – ‚Neu’baublocks steht.

Hinter Liepaja  erwartet uns eine Schotterpiste, die wir ganze 35 km nicht mehr los werden.

Das Fahren ist insbesondere auf Grund der vielen losen Steine und ständig wechselnden Spurrillen für Mensch und Material sehr anstrengend. Gelegentlich brettern PKW in für diese „Straßen“verhältnisse atemberaubenden Tempo an uns vorbei. Manche Insassen winken, uns ist nicht wirklich danach zumute, zurück zu winken. Am Ende machen wir 3 Kreuze, dass wir und unsere Räder diese Tortur überstanden haben.

Jurkalne – ein kleiner Ort – mit einem feinen Restaurant und wildem Strand mit Steilküste, bietet  im Abendlicht eine herrliche Kulisse für ein Bad zum Tagesausklang … zumal in unserem einfachen Cottage (25Euro) auch gar keine Dusche vorhanden ist.


Etappe #8: Jurkalne – Tukums 132km

Diese Etappe ist die längste unserer Tour.
Wir verlassen die Küste und fahren nach Osten. Es ist schwierig, ein Quartier zu finden. Wir müssen spontan beschließen, 30 km weiter als geplant zu fahren. Entsprechend spät kommen wir in Tukums an. Die ohnehin spärliche Gastronomie sieht dem Feierabend entgegen oder genießt ihn bereits. Wir finden ein letztes offenes Restaurant, sehr schick. Wir bekommen etwas zu essen, aber das Bier ist gerade aus. Wir teilen uns das letzte Glas. Die Hotelbar hat Gott sei Dank noch geöffnet.


Etappe #9: Tukums -Riga 75km

Bei 33 Grad fahren wir die letzte Etappe dieser Tour mit schönen Strandeindrücken –  mal leerer und das andere mal voller…Menschen….

Der Weg führt dabei größtenteils nah am Rigaer Meerbusen entlang, was die Hitze erträglich macht. Beeindruckend ist das 30 km lange Seebad Jūrmala mit seinen Villen und Sommerhäusern.

Gegen Abend erreichen wir Riga, rechtzeitig vor dem einzigen aber sehr heftigen Gewitterguss.

Nach einer kurzen Pause machen wir uns noch auf in die Stadt, sehen diese in starken Kontrasten des dunkelblauen Abendhimmels und bekommen einen ersten schönen Eindruck von der tollen Altstadt mit vielen Restaurants, dem Dom, Kirchen, belebten Plätzen und alten Gassen.

Am nächsten Tag nutzen wir den Vormittag zu einer etwas ausführlicheren Besichtigung und sind nach wie vor sehr angetan von der Hauptstadt Lettlands.

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Blick über Riga

Auf dem Weg zum Flughafen kaufen wir noch Folie zum Verpacken der Fahrräder. Viele Geschäfte, insbesondere Supermärkte sind auch sonntags geöffnet, was uns in diesem Fall sehr zu Gute kommt, können wir doch den notwendigen Einkauf auf direktem Weg zum Flughafen erledigen.

Damit geht die diesjährige – ebenfalls wieder sehr schöne – Tour zu Ende. 2018 wird es dann weiter gehen – Richtung St. Petersburg.

R1 Tour 2016: Lutherstadt – Elblag 920km

Zusammenfassung R1 2016

Wir haben in diesem Jahr unsere 3. und bisweilen – mit 920 km in neun Tagen – längste Etappe absolviert.

Besonders  dabei  war natürlich die Fahrt durch unsere Heimatstadt Berlin.

Die Fahrt durch Polen war absolutes Neuland für uns und hat uns gezeigt, in welchem Fahrrad-freundlichen Land wir eigentlich zu Hause sind. Gefühlte 50% des Weges waren durch teilweise schlechte oder stark befahrene Straßen gekennzeichnet.

Die Landschaft ist durchaus mit der Brandenburgischen oder der Norddeutschen vergleichbar. Eine besonders schöne Erscheinung ist die Weichsel, ein majestätisch wirkender, von Sandbänken durchzogener und daher kaum von Schiffen befahrener Fluss, dessen Begegnung uns nachhaltig beeindruckt hat.

Als Stadt hat uns Chelmno mit seiner wunderbaren Altstadt am besten gefallen.

Wir beenden diesen dritten Abschnitt mit Dankbarkeit gegenüber den freundlichen Menschen und dem Wettergott, der uns mit einem  guten Mix aus Sonne und Wolken verwöhnt hat.

Auf eine spannende nächste Etappe 2017.

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R1 Tour 2017


Etappe #1: Lutherstadt Wittenberg – Caputh 94km

Wir starten den 3. Teil unseres Projektes und setzen dort an,  wo wir letztes Jahr aufgehört haben, in Lutherstadt Wittenberg. Von hier aus geht es durch den Fläming, vorbei an Bad Belzig mit der Burg Eisenhardt und dem ZEGG, über Beelitz Heilstätten mit dem sagenhaft großem noch teils ruinenhaften Gelände der ehemaligen Lungenheilstätte – bis in die seenreiche Gegend um Potsdam, nach Caputh.

Am Ziel – bei Caputh


Etappe #2: Caputh -Grünheide 94km

Heute geht es auf eine besondere Etappe. Als Berliner fahren wir durch unsere Heimatstadt und werden dabei von den Familien und Freunden begleitet, so dass dieser Abschnitt von Berlin-Wannsee, vorbei an der Siegessäule und durchs Brandenburger Tor, durch Treptow und Köpenick, weiter über Erkner bis nach Grünheide in besonders schöner Erinnerung bleiben wird.


Etappe #3: Grünheide – Osno Lubuskie (Polen) 125km

Diese Etappe ist klar durch den Länderwechsel gekennzeichnet, es geht nach Polen. Doch zunächst durch das schöne Städtchen Buckow und das weite Oderbruch. Bei Küstrin dann über die Oder auf die polnische Seite zur ehemaligen Altstadt und Festung, die 1945 komplett zerstört wurde und heute großflächig überwachsen, auf bizarre Weise aber faszinierend anzuschauen ist – und von der man einen herrlichen Blick über die Oder hat.

Nach weiteren 25km sind wir an unserem ersten polnischen Zielort angekommen.


Etappe #4: Osno Lubuskie – Miedzychod 100km

Die zweite Etappe in Polen führte uns im Wechsel über weite Landschaften und durch kleine Dörfer und Städte.

Unser Polnisch ist sehr rudimentär, aber die Verständigung klappt eigentlich problemlos, da viele entweder deutsch oder englisch sprechen.


Etappe #5: Mydzychod – Trzcianka 101km

Dieser Teil der Strecke führte fast ausschließlich über zum Teil stark befahrene Landstraßen von oft schlechter Qualität. Überholende LKWs und schnell fahrende Pkws machten diese Etappe doch eher ungemütlich und anstrengend.

Von den durchfahrenden Ortschaften bleibt eigentlich keine in nachhaltiger Erinnerung, bis auf die kleine Stadt Kreuz mit dem Bahnhof und den ausgedehnten Gleisanlagen, deren wahre Bedeutung Jahrzehnte zurückliegt.

 


Etappe #6: Trzcianka – Bydgoszcz 135km

Diese Etappe war in mehrfacher Hinsicht ein- und erstmalig. Zum einen hatten wir das früheste Frühstück – um 7:00 Uhr – dann die längste ohne Pause durchfahrende Strecke – 40 km – und zu guter letzt die weiteste Etappe unserer Fahrradtour-Tradition – 135km. Und da am Radweg keine Übernachtung zu finden war, haben wir ausnahmsweise den R1 für ein Stück verlassen und sind von Osiek direkt nach Bydgoszcz gefahren.

Der Weg war entspannt und insbesondere durch das weite Netzetal sehr genussvoll.

Relativ zu Beginn des Weges kamen wir an einem großen Gelände mit Herrenhaus und verlassenen Stallungen vorbei, welches momentan wohl für 13 Mio Dollar zum Verkauf angeboten wird.


Herrenhaus von Kotun – eines von vielen brachliegenden ehemaligen Gutshäusern


Das weite Tal der Netze

 


Nastrowe – glücklich haben wir unser Ziel erreicht


Etappe #7: Bydgoszcz – Chelmno 74km

Wir erkunden am Vormittag die Stadt Bydgoszcz (Bromberg), um dann von hier aus zurück zum R1 zu fahren, der uns weiter nach Nordosten zu unserem nächsten Zielort Chelmno führen wird.

Bydgoszcz hinterlässt bei uns einen eher zwiespältigen Eindruck, der sich aus dem Widerspruch zwischen schönem Marktplatz und einigen daneben liegenden renovierten Häusern und der doch ansonsten eher maroden Bau- und Altstadtsubstanz ergibt.

Zu dem absoluten Höhepunkt gegen Ende dieser Etappe gehört für uns der Blick über die Weichsel nach Chelmno, deren Altstadt uns schon von Weitem mit ihren Türmen und Burgmauern hoch über dem Fluss begrüßt. Der tolle Mix von Sonne und Wolken ergibt ein besonders intensives Stimmungsbild.


Etappe #8: Chelmno – Kwydzin (Marienwerder) 80km

Wir nutzen den Vormittag um uns die bis jetzt am stimmigsten und interessanteste polnische Kleinstadt etwas näher zu betrachten und einige der sehr schön restaurierten Kirchen, Klöster oder Gebäude anzuschauen.

Wunderschöne Altstadt in Chelmno

Etappe #9: Kwidzyn (Marienwerder) – Elblag 105km

Heute beginnt der letzte Tag unserer diesjährigen R1 Tour – mit einer Besichtigung der Hauptattraktion von Kwidzyn, der Ordensburg, bevor wir gegen 11:30 Uhr aufbrechen.

Am Abzweig der Nogat verlassen wir die Weichsel. Der Weg führt auch diesmal vorbei an Feldern, Wäldern sowie kleineren und größeren Ortschaften.

Des Öfteren müssen wir zur Orientierung unseren R1 Radführer nutzen, da an verschiedensten Wegkreuzungen oder -gabelungen die R1 Schilder fehlen.

Gegen Abend erreichen wir unser Ziel und beschließen die diesjährige Etappe mit einem zünftigen Abendmahl in der Altstadt von Elblag.

Sie haben Ihr Ziel erreicht: Elblag in der Nähe der Grenze zu Russland

R1 Tour 2015 Hengelo – Lutherstadt 790km

Zusammenfassung R1 2015

Wir haben nach dem tollen Start 2014 unser R1 Projekt nun fortgesetzt.

Auch in diesem Jahr haben wir mehrere Länder durchquert. allerdings überwiegend nur Bundesländer – von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen nach Sachsen Anhalt.

Dabei ist uns besonders negativ der Fahrradweg im gesamten Harzgebiet sowohl in Sachsen- Anhalt als auch stellenweise in Niedersachsen aufgefallen. Sowohl Schotterpisten als auch unzureichende und irritierende Beschilderungen machen das Fahren zu einer Herausforderung für Mensch und Material. Diese Art passt weder zu der landschaftlichen reizvollen Umgebung noch zu einem Europaradweg.

Nach der Fahrt von Hengelow über die NL/DE Grenze haben uns entlang der Wegstrecke  Münster, Einbeck, der Rammelsberg in GoslarWernigerode, Dessau-Wörlitz und Lutherstadt-Wittenberg besonders gut gefallen.

Nach 790km beenden wir diesen 2. Tourenabschnitt mit Zufriedenheit und Glück über das überwiegend gute Wetter, freundliche Menschen, pannenfreie Fahrten und der Aussicht auf einen weiteren spannenden Abschnitt in 2016.

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Berlin Dahme Radweg – Luckenwalde

Von der Dahme Mündung in Berlin Köpenick zur Dahme Quelle und von dort über Fläming Skate Routen nach Luckenwalde.

Länge165 km
Dauer2 Tage
StreckeDahme Radweg gut ausgebaut
Von Dahme/Mark nach Luckenwalde überwiegend auf gutem Fläming Skate
HighlightsPrieros, Spree-Umfluter bei Märkisch Buchholz, Dahme/Mark, Gutshof Sagritz,
DatumJuli 2022

Impressionen