Euro Velo6 Tour 2025: Budapest – Vidin; 1000 km
Zusammenfassung
In diesem Jahr bringt uns der Zug zu unserem Routenstart nach Budapest. Von hier aus geht es immer der Donau entlang durch Ungarn, Serbien und Bulgarien bis nach Vidin. Auf dieser 1000km langen Strecke sehen wir in 14 Tagen ganz verschiedene Landschaften, Städte und Menschen.
Das landschaftliche Highlight ist ganz klar das Eiserne Tor, der Donaudurchbruch durch die Karpaten zwischen Serbien und Rumanien. So unterschiedlich wie Land und Leute sind auch die Wegverhältnisse und insbesondere die Ausschilderung des EV6. Serbien kann hier quasi als mustergültig bezeichnet werden, wobei die Wege selbst teils sehr naturbetont daherkommen. Überrascht waren wir von den doch überwiegend ärmlichen Verhältnissen in Bulgarien, wobei die Gastfreundschaft oder die Freundlichkeit der Leute in keiner Korrelation dazustehen. Insgesamt wieder eine tolle Tour – ohne Pannen – mit viel Sonne und Wärme und jeder Menge neuen Eindrücken.

Euro Velo6 – Etappen 1-4

Prolog: Ankunft Budapest
Unsere Zuganreise von Berlin über Prag beginnt mit einiger Aufregung. Eine S-Bahn zum Berliner Hbf. fällt aus und so ist einer von uns beiden ohne Fahrkarten im Zug, der andere schafft es aber auf den letzten Drücker. Alles andere verläuft dann aber weitgehend nach Plan. Ab Štúrovo bzw. Esztergom haben wir die ersten Blicke auf die Donau und Erinnerungen an unsere letzten Etappen im vorigen Jahr.
Wir kommen gegen 20:00 Uhr in Budapest an, checken im Hotel MEDOS ein, sagen der Donau schon mal ‚Guten Abend‘ und speisen in einer nah am Hotel gelegenen ‚Restaurantmeile‘.




Etappe #1: Budapest – Tass , 74 km
Bevor wir uns auf die erste Etappe machen, drehen wir noch eine kleine Runde durch’s Zentrum. Um 10:00 Uhr ist es schon gut warm, insofern erlangen die in der Fußgängerzone am Parlament installierten ‚Kühldampfsprüher‘ unsere besondere Aufmerksamkeit. Kurz danach entsteht das ‚offizielle‘ Startfoto der diesjährigen Tour.



Wir verlassen Budapest nach Süden und folgen ab dem Stadtrand der EV6-Hauptroute am kleinen Donaunebenarm. Diese Hauptroute birgt relativ viel Entwicklungspotential hinsichtlich Wegebeschaffenheit und Ausschilderung, bietet aber auch den einen oder anderen idyllischen Blick. Ein ganz besonders idyllischer kleiner Umweg erinnert uns an einen Karat-Song. Sieben Brücken waren es bestimmt, über die wir – dank verschieden hoher Treppen – gehen mussten, um kleine Seitenarme zu überqueren. Selbst gewähltes Leid, der eigentliche Radweg war sicherlich besser befahrbar.

Am frühen Abend erreichen wir Tass üdülöterület, was Erholungsgebiet von Tass heißt und für uns lustig klingt. Ein sehr kleiner Ort – aber mit unserer Unterkunft. Diese gehört zur nahgelegenen Fisch-Csárda – in der wir den Schlüssel abholen sollen und die lt. Google auch geöffnet ist. Oder besser sein müsste, denn deren Eingang ist verschlossen, so dass wir einen leichten Schreck bekommen. Abendessen und Übernachtung adé? Nach einer kleinen Weile sehen wir aber einen älteren Mann über den Hof laufen, der uns in die völlig leere Csárda führt. Wir sind offensichtlich die einzigen Gäste. Hier begrüßt uns Erika, eine fließend ungarisch sprechende, super nette Frau, mit einer selbst gemachten köstlichen Limonade, auf die recht bald ein köstliches Abendmahl folgt. Nach dem ersten Schreck sind wir schier überwältigt von so viel Gastfreundschaft. Das Frühstück wird uns schon am Abend in einen großen Korb gepackt, so dass wir – wie Rotkäppchen – zufrieden unser Quartier beziehen – ein separat stehendes Haus mit eigener großer Terrasse. Mit einem herrlichen Abendrot über dem nahegelegenen Donauarm klingt dieser Tag dann aus.



Etappe #2: Tass – Kalocsa, 78 km
Der Tag beginnt mit einem schönen Frühstück aus dem Rotkäppchenkorb, auf einer schattigen Terrasse sitzend, mit Blick in’s Weite.


Kurz nach dem Start bekommen wir einen ersten Vorgeschmack auf das Streckenprofil, welches uns noch sehr oft im Verlauf dieser Tour begegnen sollte.

Da eine passende Übernachtung direkt am Radweg nicht zu finden war, biegen wir ab und fahren einen Umweg nach Kalocsa. Diese für die ungarische Geschichte wichtige Stadt bietet ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten. Und eigentlich auch Restaurants. Doch wir setzen in vollkommener Umdeutung des Brecht’schen „Erst kommt das Fressen …“ Kultur vor das Essen und besichtigen zunächst die Stadt.

Als wir dann ’so weit sind‘, ist entgegen des vorher inspizierten Schildes am Restaurant unserer Wahl bereits Küchenschluss und, ehe wir zu Ende überlegt haben, auch im naheliegenden Imbiss. Das nächste Mal fragen wir lieber nach. Da wir aber nicht sonderlich hungrig sind und auch keine Lust haben weiter zu suchen, verzichten wir zum ersten Mal bei all unseren Touren aufs Abendessen und fühlen uns auch noch gut dabei. Aber so viel kann jetzt schon gesagt werden, das wird auf dieser Tour die Ausnahme bleiben.
Etappe #3: Kalocsa – Mohacs , 85 km
Das Frühstück ist reichhaltig, so dass wir nun voller Energie in die heutige Etappe starten können. Zunächst schauen wir uns die Stadt noch mal kurz bei Tage und im Sonnenschein an. Dann geht’s zurück zum EV6, der nun auch bessere Wegstrecken aufweist. Und ab uns zu bekommen wir auch die Donau zu Gesicht.

Auf der Hälfte der Etappe erreichen wir die kleine Stadt Baja an der Donau, die wir kurz durchstreifen und uns dabei an sprachlichen Doppeldeutigkeiten erfreuen (eigentlich geht’s um ‚frische‘ (!) Pizza etc.), bevor wir uns am Donau-Ufer einen schattigen Rastplatz für unsere Vesper suchen.


Inzwischen ist’s ziemlich heiß geworden und der Radweg auf’m Deich bietet absolut keinen Schatten. Das lässt die Freude am Radfahren spürbar sinken. Und als uns kurz vor dem Ziel der Etappe die Fähre wegen noch nicht am Schalter an Land gekaufter Tickets stehen lässt, ist die Stimmung mal ganz kurz am Boden.


Aber 30 Minuten später fährt schon die nächste Fähre, die uns nach Mohács am gegenüberliegenden Ufer bringt, wo das Hotel Szent János direkt an der Donau schon darauf wartet, uns für eine Nacht zu beherbergen.
Mohács ist die nächste geschichtsträchtige ungarische Stadt. Wir haben aber gestern gelernt, uns zuerst um das Abendessen zu kümmern. Das tun wir auch und landen in einem ganz tollem – Bistro genannten – Restaurant. Danach reicht es nur noch für einen kurzen Verdauungsspaziergang im Dunkeln.
Etappe #4: Mohacs -Apatin, 93 km
Diese Etappe ist in mehrfacher Hinsicht besonders. Zum einen überqueren wir die Grenze von Ungarn nach Serbien mit einem außergewöhnlichen Sicherungsgrad, zum anderen ist der nachfolgende Grenzverlauf sehr kurios, da er sich nicht wie üblich entlang des Flusses befindet, sondern in – für uns zunächst nicht erklärbaren – Schlängellinien entlang des Flusses -quasi- ‘mäandert. Und zum Dritten stelle ich auf der Fahrt fest, dass ich meinen schönen Mini-Rucksack, den ich auf unserer Bodensee-Königsee Tour erwarb, im Hotel gelassen habe.
Anmerkung des Co-Autors: Die kuriose Grenzziehung zwischen Kroatien und Serbien war schon bei der Reiseplanung aufgefallen. Schließlich wollten wir die Anzahl der Grenzübergänge so gering wie möglich halten, zumal es sich auch zwischen Kroatien und Serbien um eine EU-Außengrenze handelt. Das ’scheinbare‘ Wirrwarr resultiert aus den unterschiedlichen Standpunkten der beteiligten Länder. Im ehemaligen Jugoslawien war die genaue Grenzziehung zwischen den Teilrepubliken kein Thema. Nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates ist die Situation eine ganz andere. Kroatien besteht auf den am alten Donauverlauf orientierten Verwaltungsgrenzen aus österreich-ungarischen Zeiten, Serbien dagegen praktischerweise auf der Grenze in der aktuellen Flussmitte. Das wird auch für uns die praktikable Lösung. Wir wählen die Route auf serbischer Seite, die näher am Fluss und naturnaher zu sein scheint, und fahren rein theoretisch auch ein paar Kilometer durch Kroatien.

Nach einem stärkenden Frühstück checken wir aus unserem Hotel aus, werfen noch einmal einen Blick auf die typischen Mohácser Karnevalsfigur und fahren mit der Fähre über die Donau, um von hier aus die Etappe nach Apatin zu starten.



Nach 15km endet der Weg an einer massiv errichteten Grenzanlage. Für innereuropäische Verhältnisse eine eher ungewöhnliche ‚Befestigung‘. Laut Recherche wurde hier durch EU-Beschluss ein Bollwerk gegen illegale Flüchtlingsströme errichtet. Der Anblick erinnert uns an längst vergangene Zeiten.


Der ‚freie‘ Grenzübertritt ist nicht weit entfernt. Wir sind also in Serbien – einem Nicht EU Land – und sind schon mal sehr positiv überrascht, dass der EV6 Radweg hier durch eine klare und gute Ausschilderung offensichtlich wertgeschätzt wird. Die in ganz Serbien sehr gute Ausschilderung wurde durch die EU gefördert und von der deutschen GIZ umgesetzt.



Unterwegs machen wir noch in der kleinen Stadt Sombor Rast, hier fallen uns diverse künstlerische ‚Elemente‘ im Stadtbild auf, die zu einer angenehmen Gesamterscheinung beitragen.



Am Abend erreichen wir Apatin, machen noch eine kleine Stadterkundung und entdecken dabei ein besonders interessantes Denkmal – die quasi frei sitzende Statue von Nicola Tesla. Apropos … Tesla-Statuen werden wir noch öfter sehen. Er scheint hier ein National-‚Heiliger‘ zu sein.

Etappe #5: Apatin – Backo Novo Selo, 98 km
Bevor es losgeht schauen wir uns in Apatin noch die wegen des byzantinischen Baustils alt wirkende Kirche der heiligen Apostel an, die aber erst 1998-2002 erbaut wurde. Diese Art neuerer orthodoxer Kirchen finden wir auf unserem Weg durch die historisch eher katholische geprägte Vojvodina häufig, oftmals ganz in der Nähe der alten katholischen Kirche. Interessanterweise steht diese Kirche am Stadtrand an der Donau und damit direkt an der Grenze zum katholischen Kroatien. Ob das Zufall ist?


Nach einigen Kilometern fahren wir ein Stück durch das Naturschutzgebiet ‚Obere Donau‘ und können uns für kurze Zeit an schattigen Wegen durch Auenwald erfreuen. Die Freude endet abrupt am völlig zugewachsen und mit Schranke abgesperrten Eurovelo. Und wir dachten, wir hätten in puncto Wegequalität schon alles gesehen. Also runter vom Deich und unten auf sandigen Treckerwegen weiter.


Es ist eine sehr warme, lange Etappe , die uns bei 37 Grad durch das Land führt. Der Freund der Zusammenflüsse im Team entscheidet sich deshalb schweren Herzens gegen einen 5 km langen Umweg zur Besichtigung der Draumündung. Kurz danach biegen wir aber doch mal kurz ab, zum früheren Anleger der Fähre nach Vukovar. Der Anleger samt Gastronomie ist ein lost place, es gibt keine Fähre mehr rüber in die während der Jugoslawienkriege in den 1990ern so geschundene kroatische Stadt. Aber wir haben einen Blick hinüber und ein Gedenken an die fürchterlichen Geschehnisse dort. Als wir am Aufbrechen sind, kommt ein älteres Paar mit dem Auto an, setzt sich mit kleinem Picknick auf den Boden und blickt schweigend hinüber. Wir können nur mutmaßen, dass sie früher auf der anderen Seite ihr Zuhause hatten, wollen nicht weiter stören (ein ‚heimliches‘ Foto muss aber noch sein) und fahren weiter.






Schatten ist weiterhin rar und so sind wir sehr froh, das Ziel und – damit verbunden- eine Dusche zu erreichen. Kaum dass wir erfrischt unsere Quartiersumgebung in Augenschein nehmen, zieht eine mächtige schwarze Wand – und damit verbunden ein sehr starker Wind auf, der sekundenschnell die Baldachine unserer Unterkunfts-Terrasse zerlegt. Der junge Mann, der den Service leitet, erzählt uns, dass es seit 2 Jahren immer mehr extreme Stürme und Starkregen gibt. Wir sind aber im Haus geschützt, geniessen unser Abendessen und sind heilfroh, dass wir unsere Herberge vor diesem Unwetter erreicht haben.
Etappe #6: Bakonovo Selo – NoviSad, 66 km
Zum Glück ist es heute -nach dem starken Regen -gefühlt 10 Grad kühler, was uns sehr erfreut und das Losfahren viel schwungvoller gestaltet.


Nach ca 1h Fahrt kommt es leider zu einem Sturz bei einem Spurwechsel- Manöver. Die Wege sind eben größtenteils aus Sand oder oft auch Schotter , und wenn man da in’s Rutschen kommt …. Zum Glück gibt es keinen größeren Personen- oder Radschaden und mit Verbandszeug können die Wunden erstmal ‚versorgt‘ werden.
Die Einfahrt in Novi Sad ist sehr schön. Zunächst fahren wir an einem interessanten Eingang zu einem Fitnessstudio vorbei und dann weiter Richtung Stadtzentrum auf einem tollen Boulevard – mit einem extra Tartanstreifen für Jogger, einem großen Mittelstreifen für Fußgänger und 2 getrennten Radwegen – der lädt Leute zum Flanieren, Sport treiben und Verweilen ein und wird auch rege genutzt. Die Serben scheinen sehr sportbegeistert zu sein.


Unser Quartier liegt in einem Innenhof in ‚interessantem Ambiente‘ mit einem schicken und sehr sehr großen Zimmer, in das wir auch unsere Räder abstellen können, denn draußen sollen sie lt. ‚Herbergsvater‘ keinesfalls stehen bleiben.



Der Weg zur Altstadt ist nicht weit und so erkunden wir NoviSad am Abend und lassen diesen mit einem leckeren
Ćevapi-(= große Ćevapčići)-Mahl ausklingen.




Etappe #7: NoviSad – Belgrad, 103 km
Bevor es ‚auf die Strecke‘ geht, geht es erstmal hoch hinaus auf die Festung von NoviSad. Hier verbindet sich Kunst mit einem schönen Blick auf bzw. über die Stadt.


Zunächst viel Straße mit starkem Verkehr und dann naturbelassene Wege prägen diese Etappe bis kurz vor Belgrad. Nach 10 km auf einer stark befahrenen Hauptstraße beschließen wir auf den folgenden knapp 5 km langen Anstieg auf dieser Straße zu verzichten und weichen auf eine in unserer EV6-Radkarte vage eingezeichnete Alternativ-Route aus. Diese ist wirklich sehr naturbelassen und ohne mehrere Kontrollblicke in die Karten-App schwer zu finden.
Besonders schön war unsere Mittagsrast unter einem schatten spendenden Baum , mit Blick auf die Theiß-Mündung und eine Baustelle, von der uns irgendwann die Bauarbeiter auf Deutsch zurufen : Guten Appetit 🙂 …..Nette Begegnung.


Nach einer wieder sehr verkehrsreichen Einfahrt ohne separate Radspuren erreichen wir am Abend die serbische Hauptstadt. In der Stadt führt der EV6 dann glücklicherweise über kleine Nebenstraßen, durch malerische Gassen im Stadtviertel Zemun und durch einen ausgedehnten Park an Donau und Save.




Nach der Brücke über die Save erwartet uns ein Novum auf all unseren bisherigen Touren. Der Radweg führt über einen Lift runter ans Ufer.



Danach fahren wir länger durch die Stadt als geplant, da es mehrere Unterkünfte mit gleichem Namen gibt und wir erst einmal zur falschen fahren, beziehen dann aber das richtige Quartier und erkunden noch die Stadt bei Nacht.


Etappe #8: „Ruhetag“ Belgrad
Da wir nach unserer gestrigen Fahrerei in der Stadt unseren Fahrrädern unbedingt mal eine Pause gönnen wollten 😉, nutzen wir für unseren Stadtbummel auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Die sind überraschenderweise kostenlos nutzbar, bestehen – zumindest in den Gegenden, in denen wir unterwegs waren – aus Unmengen an Autobussen. Zwar sind viele Straßenbahn- und O-Bus-Strecken und dazugehörige Haltestellen zu sehen, darauf sind aber keine Bahnen bzw. Busse unterwegs. Der Betrieb scheint eingestellt (gewesen) zu sein.
Belgrad hat schon schöne und interessante Ecken, aber insgesamt kommt der Eindruck auf, dass vieles auf Verschleiß gefahren wird. Gerade auch bei bedeutenden Sehenswürdigkeiten wie dem Dom des heiligen Sava, der uns irgendwie auch an die Newski Kathedrale in Sofia erinnert, liegen Gehwegplatten lose herum und die Wege sind quasi sich selbst überlassen. Dafür sind wir vom – Dank einer großzügigen Gazprom-Spende – Glanz und der überbordenden Fülle des Innenraums schon fast ‘erschlagen’. Und auch diese Kirche ist noch gar nicht so alt, wie man auf den ersten Blick vermuten würde. Baubeginn war 1935, offiziell eröffnet wurde sie nach Unterbrechungen durch Krieg und Bauverbot in kommunistischen Zeiten 2004, ganz fertig ist sie immer noch nicht.




Am Nachmittag besichtigen wir noch einen ‚Ableger‘ des Berliner Holzmarkt-Projektes – der Versuch in einem etwas abgelegen Gebiet wieder Kultur und Treffpunkt zu installieren / etablieren. In unmittelbarer Nachbarschaft sehen wir einen ‚Bus-Friedhof‘, ein großes Gelände, auf dem jede Menge alte O-Busse und Strassenbahnen stehen. Nach etwas Recherche beim Schreiben dieser Zeilen erfahren wir, dass es lange Zeit lange Diskussionen um die Zukunft der O-Busse gab, diese dann aber offensichtlich 2024 nach 78 Jahren Betrieb abgeschafft wurden.




Als letztes Ausflugsziel für diesen Tag begehen wir die Festung in Belgrad, welche auf einer Anhöhe gelegen, einen wunderschönen Blick über die Umgebung inklusive der Save Mündung in die Donau erlaubt.




Etappe #9: Belgrad – Kovin, 80 km
Auch heute starten wir wieder bei warmen Wetter, auch heute fahren wir auf sehr naturbelassenen Wegen. Gegen Abend erreichen wir Kovin.
Unterwegs finden wir zum Glück noch einen schattigen Platz auf einer Tribüne eines Fußballplatzes, auf der wir unsere Mittags-Mahlzeit einnehmen. Gegen Abend erreichen wir unser Hotel StaviGrad , in dem uns eine gut englisch sprechende, sehr nette Rezeptionistin empfängt. Sie fragt uns: Haben Wir E-Bikes, wir verneinen und sie fragt : Warum machen wir das? Sie sagt, die Hälfte aller Touristen sind Biker auf dem EV6, denen sie auch immer wieder diese Frage stellt. Es ist ein nettes Gespräch, was wir da führen.








Etappe #10: Kovin – Golubac
Wir geniessen unser sehr vielfältiges ‚Gourmet‘-Frühstück im Hotel und checken danach aus, um uns auf unsere heutige Etappe zu ‚begeben‘.


Nach ca. 40km erreichen wir eine Fähre, die uns nach RAM fährt. Unterwegs sehen wir eine Kuhherde, die sich bei diesen hohen Temperaturen auch einen Schattenplatz bzw. einen kühlen Platz im Donauwasser sucht.

Das Besondere an ‚unserer‘ Fähre ist die ‚Bauart‘, denn den eigentlichen ‚Fährkörper‘ bewegt ein seitwärts angedocktes separates Boot.



Am anderen Ufer finden wir einen schönen Schattenplatz für unsere Vesper.

Auf dieser Seite denken wir, dass wir in einem anderen Land sind -es gibt asphaltierte Fahrradwege. So radeln wir mit einem völlig neuen Gefühl dem kleinen Ort Golubacs entgegen. Gegen 18:00 erreichen wir unser Appartement, welches über einer Gaststätte liegt, in der wir gegen 21:00 festlich speisen. Übrigens die erste Gaststätte, in der auf dem Tisch eine Kerze angezündet wird.



Etappe #11: Golubac – Goludinje
Nach einem Bäcker-Frühstück geht es los. Das erste Ziel des Tages liegt nicht weit von der Unterkunft – eine malerisch an der Donau gelegene alte Festung, die von 2014-2018 mit EU Mitteln großflächig saniert wurde und nun einen fantastischen An- und Ausblick liefert.



Die Strecke heute ist ein Mix aus Schotterpiste, einem größeren Anstieg und Strasse. Wir sind mittlerweile auch in relativ bergigem Terrain unterwegs, so dass die Strasse entlang der Donau mit zahlreichen Tunneln ‚bestückt ist‘, von denen wir durch 18 fahren. Unterwegs treffen wir ein junges Paar mit Rädern aus Deutschland, kommen schnell in’s Gespräch und bemerken, dass Er ein E-Bike hat und Sie ein normales Rad…Auf unsere Frage, ob es denn nicht umgekehrt ’normaler‘ wäre, zeigt er uns warum es so für sie besser ist, er hat nämlich einen ‚Zieh-Gummi‘ an seinem Rad, den er im Bedarfsfall an das andere Fahrrad klinkt und damit seine Partnerin leicht bei Anstiegen quasi im Schlepptau bergauf ziehen kann. Haben wir so noch nicht gesehen und gefällt uns aber gut.


Die Ausblicke entlang des Weges sind schon sehr schön. Die Donau schlängelt sich durch ein landschaftlich relativ schmales Tal und alles ist noch sehr ursprünglich.

Da es entlang der Strecke nicht wirklich viele Unterkünfte gibt, sind wir froh, noch ein Quartier in einer guten Tagesetappen-Entfernung gefunden zu haben – das Chalet in der Nähe von Gudubinje.


Von der höhergelegenen Terrasse haben wir einen tollen Blick auf die Donau und den Sonnenuntergang. Ein wunderbares Bild , welches den Abend einläutet.
Etappe #12: Goludinje – Negotin, 110km
Wir stehen schon um 07:00 Uhr auf, damit wir die heutige anspruchsvolle Etappe auch gut schaffen. Unser Herbergsvater macht uns noch ein reichliches Frühstück, wovon wir einen Teil als Wegzehrung mitnehmen. Unser heutiges landschaftliches Highlight ist das Eiserne Tor, welches wir gegen 10:00 Uhr erreichen, natürlich wieder und weiter mit ein paar schon bekannten Tunneldurchfahrten.
Unterwegs treffen wir noch das Pärchen vom Vortag, ein schönes Wiedersehen ‚Gleichgesinnter‘.





Der Weg hält auch wieder einige Steigungen bereit, welche wir aber trotz der erhöhten Wetter-Wärme-Werte ganz gut meistern, manchmal müssen wir aber auch schieben -bei aller Liebe zum Fahren…..


Gegen Abend kommen wir in Negotin an und beziehen unser Quartier in der Villa DeLux, eine Anlage sogar mit Pool, das hatten wir noch nicht so häufig.
Diese schöne und anspruchsvolle Etappe ist Grund genug, bei unserem Abendmahl voller Freude und ein wenig Stolz auf diese Etappe anzustossen.


Etappe #13: Negotin – Vidin, 72km
Nach einem sehr guten Frühstück und einem Bad im Pool radeln wir noch durch die Fußgängerzone. Hier gibt es ein Kaffee nach dem anderen und überall sitzen Einheimische und plaudern oder schauen einfach dem Treiben des Tages zu. Wir schauen uns noch eine kleine Moschee an und machen uns dann auf den Weg.


Nach kurzer Zeit erwartet uns ein langer Aufstieg, den wir schiebend bewältigen, 3…4 weitere sollen heute folgen. Nach ca. 20km erreichen wir die Grenze zu Bulgarien.


Der Grenzübertritt dauert nicht lange und so sind wir in 5min wieder auf EU Territorium. Im Gegensatz zu dem nicht EU Land Serbien sieht es hier aber genau so aus – viele verlassene bzw verfallene Häuser, welche viele Dorfbilder prägen. Mülltrennung gibt es zwar theoretisch, aber praktisch sieht es offensichtlich anders aus.
Unterwegs sehen wir ein Haus, vor dem zahlreiche Puppen mit unterschiedlicher Kleidung platziert sind.


Wir erleben auch, wie in Serbien, dass plötzlich 2..3 Hunde von rechts oder links auf die Strasse rennen und uns verfolgen, bellend und stellenweise sehr dicht am Rad. Das erzeugt ein nicht gerade angenehmes Gefühl, glücklicherweise lassen die Hunde nach einer kurzen Verfolgung aber von uns ab.
Wir sind bald in Vidin, dessen Stadtbild uns an bestimmten Stellen an längst vergangene Zeiten erinnert.


erreichen dort einen schönen Park mit tanzenden Kindern und einem Kaffee, indem wir uns niederlassen, den Schatten und unsere Ankunft geniessen.
Die Uferpromenade an der Donau präsentiert sich in einem halbwegs respektablen Zustand.


Hier gibt es auch einige Restaurants, von denen wir uns eins für unser Abendmahl auswählen und darin dann das offizielle Ende dieser Etappe feiern, denn morgen geht es dann weiter mit dem Zug nach Sofia.
Vidin – Sofia (Zug)
Nach einem kleinen Stadtrundgang verabschieden wir uns von Vidin und machen uns auf Richtung Bahnhof.

Im Bahnhof bestaunen wir die High-Tec Ausstattung und die zahlreichen Anzeigen , bevor wir für 20€ unsere Fahrkarten erwerben.


Dann rein in den Zug, in dem unsere Räder einen Stellplatz in der 1. Klasse vom Schaffner zugewiesen bekommen.






Die Züge in Bulgarien sind in keinster Weise mit denen in Deutschland vergleichbar. Normalerweise würde man vom äusseren Erscheinungsbild her denken, dass sie in Kürze ausrangiert werden, aber nein, sie sind in diesem Zustand ganz ’normal‘ – es gibt weder eine Klimaanlage noch ein Restaurantwagen, noch saubere WC Abteile.
Der Zug selbst fährt maximal 60…80 km/h und die Schienengeräusche erinnern uns an den Vindebona Express, mit dem wir vor 40 Jahren auch schon mal in Bulgarien unterwegs waren.
Die Fenster sind auch noch die von damals, lassen sich herunterziehen, was wir uns zu Nutze machen, um den Kopf mit Fahrtwind zu versorgen und dabei die Umgebung ‚zu erkunden‘.



Nach x h Zugfahrt kommen wir in Sofia an, sind froh, dass wir unsere Fahrräder auch festgebunden haben, denn durch die sich unterwegs öffnende und offen gebliebene Eingangstür, wären unsere Räder ohne das ‚Anschnallen‘ aus dem Zug gefallen.



In Sofia haben wir uns ein größeres Appartment gebucht, damit wir genug Platz haben, unsere Räder und Fahrradkartons auch sicher unterzustellen.


Sofia
Am Ende unserer Etappe verbringen wir noch einen Tag in Sofia, um zum einen unsere Räder Flugzeug-gerecht zu verpacken und zum anderen uns nochmal die Stadt anzuschauen, in der wir das letzte mal zu DDR Zeiten waren, was also schon eine Weile her ist.




In Sofia selbst müssen wir erstmal einen Laden finden, der auch die entsprechenden Kartons für unsere Räder hat. Das machen wir über Internetrecherche und telefonische Nachfragen. Wir werden fündig und begeben uns dann zu dem entsprechenden Geschäft, in dem wir von jungen und sehr engagierten Leuten empfangen werden.
Die Kartons transportieren wir dann in der U Bahn und das Füllmaterial finden wir glücklicherweise in auf der Strasse stehenden Papier-Sammelbehältern.


Im Quartier angekommen, geht es an das Verpacken. Das klappt im Prinzip ganz gut, ausser dass ich an meinem Fahrrad die linke Pedale einfach nicht gelöst bekomme. Selbst mit stärkstem Körpereinsatz gelingt es nicht – im Gegenteil – der Maulschlüssel geht dabei kaputt. Nun ist guter Rat teuer….Es kommt der Gedanke, das Ganze nochmal in einer KFZ Werkstatt zu versuchen – vielleicht gibt es dort noch anderes Werkzeug, um die Pedale zu lösen. Aber auch hier geht ein weiterer Maulschlüssel kaputt und mit aller Kraft und neuem Werkzeug gelingt es nicht, die Pedale zu lösen. Das ist schon sehr ‚verschärft‘ , aber der Werkstatt-Kollege gibt mir den Tipp, es nochmal in einem Fahrradladen zu versuchen, vielleicht haben sie dort noch anderes Werkzeug.. Und so fahre ich zu dem Laden, der uns die Kartons gegeben hat. Dies ist meine Rettung. Der junge Kollege hat eine Idee, wie man auch ohne die Pedale zu lösen – er schafft es nämlich auch nicht – die Pedal-Achse herausnehmen kann.


Damit gelingt es letztendlich das Rad doch noch in ‚letzter Minute‘ in den Karton zu verpacken, so dass wir erleichtert am Abend noch eine Runde durch die Stadt gehen – und auf die Tour 2026 anstossen können.


– die älteste Kirche Sofias aus dem 4.Jh

EPILOG
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