Euro Velo6 Tour 2024: Regensburg – Budapest; 835 km

Zusammenfassung

Nach unserem vorzeitigen wetterbedingtem Tourende 2023 in Regensburg starten wir dieses Jahr an gleicher Stelle und erleben die Stadt bei strahlendem Sonnenschein. Nach einem Ankunftstag in dieser schönen Stadt an der Donau beginnt unsere Tour entlang eindrucksvoller Landschaften wie Schlögener Schlinge und Wachau, durch tolle Städte wie Passau, Linz, Wien und natürlich Budapest.

Euro Velo6 Tour 2024


Prolog: Undorf – Regensburg 15 km

So ganz stimmt das zuvor Gesagte doch nicht, denn ausnahmsweise starten wir unsere Tour nicht genau dort, wo wir sie im letzten Jahr beendet hatten – wenn auch nicht ganz freiwillig. Grund ist ein bei unserer Anreise nach Regensburg auf die Gleise gestürzter Baum. Die Regionalbahn aus Nürnberg muss erst einmal stoppen. Da nicht klar ist, ob und wann die Fahrt weitergeht, steigen wir schon hier auf unsere Räder um und ‚gönnen‘ uns ein kurzes Anradeln. Belohnt werden wir dabei von einem schönen kurzen Abschnitt auf dem Naabtalradweg, einem leckerem Eis an der Naab-Mündung – die wir im letzten Jahr im Regen ‚links liegen gelassen‘ hatten – und einem sonnigen langsamen Hineinradeln in die Stadt. 

Wir genießen das ebenso wie die anschließende Erkundung per pedes durch die wunderschöne Altstadt. Es hat sich gelohnt, hier wieder zu starten.

Etappe #1: Regensburg – Bogen , 60km

Nach dem Frühstück noch in die ‚Bikeambulance‘ gefahren, direkt am Bahnhof, da meine Gangschaltung etwas hakelte….der nette junge Mann konnte aber die übliche Methode auch nicht erfolgreich anwenden und meinte, da müsse hinten die Mutter am Seilzug noch neu gespannt werden, machen wir gleich , in 30 min kannst du das Rad abholen, ich war super erleichtert, dass das noch geklappt hat und die Leute so nett waren, obwohl es super voll war.

Ausfahrt aus Regensburg

Kurz nach dem Start erreichen wir bei Donaustauf den nördlichsten Punkt des gesamten EV6 bei 49° 2′ 96″, aber die erste Attraktion unserer heutigen Etappe ist die Walhalla bei Regensburg. Sie ist das älteste Beispiel einer Gruppe monumentaler Gedenkbauwerke des neu gebildenten Deutschlands, wie bspw dem  Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, dem Kyffhäuserdenkmal, dem Deutschen Eck in Koblenz, dem Hermannsdenkmal bei Detmold, dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und der Berliner Siegessäule.
Wir lassen die Räder unten am Weg stehen und erklimmen Hügel und Treppen zum ‚Tempel für große Deutsche‘ zu Fuß.

Am Nachmittag erreichen wir Straubing. Wir durchqueren die Altstadt über den 600 m langen Stadtplatz, auf dessen westlichen Teil, dem Theresienplatz, auch Zeit für einen Kaffee ist – mit Blick auf den Stadtturm.

Von hier aus geht es weiter nach Bogen – unserem ersten Quartier.
Das liegt allerdings neben der Wallfahrtskirche oben auf dem Bogenberg. Wie kommt man mit dem Rad da hoch? Entweder fahrend auf Straßen mit 3 km Umweg oder auf ‚kürzestem‘ Wege (1,4 km) tlw. schiebend. Wir entscheiden uns für letzteres, ignorieren die Sperrschilder und schaffen es nach einer Baustelle auch wieder auf fahrbare Wege.

Der Bogenberg

Oben angelangt werden wir aber für die Mühen belohnt. Die Übernachtung im Gasthof „Zur schönen Aussicht“ macht ihrem Namen alle Ehre. Wir sitzen abends im Biergarten mit einem wundervollen Blick über das Land bis hin zu den in den letzten Sonnenstrahlen ‚leuchtenden‘ Alpen und genießen den Moment. Das leckere Essen ist der i-Punkt.


Etappe #2: Bogen – Passau, 86 km

Am nächsten Morgen gibt es ein sehr zünftiges Frühstück – reichlich und lecker. Wir schauen uns noch die Wallfahrtskirche an, in der 13 m hohe Kerzen stehen, die in einer Wallfahrt jedes Jahr aus 75 km Entfernung auf den Bogenberg und in diese Kirche getragen werden.

Mit einer 2 km langen Abfahrt wieder nach unten lässt sich die Tagesetappe perfekt starten. Leider ist der Sonnenschein verschwunden und es wird beim rasanten Tempo fast schon etwas kühl. Die nächsten km sind von durch Deichbauarbeiten verursache Umleitungen geprägt. Im Moment nervt das etwas, aber schon wenige Wochen später wird sich beim Hochwasser zeigen, wie wichtig und notwendig das ist.

Die ausgeschilderten Umleitungen sind so gravierend, dass wir sie ignorieren und versuchen uns durchzuschlagen. Das klappt aber nur fast. An der Schwarzachmündung sind die neu gebauten Deiche am „Nebenbach“ so mächtig, dass wir „unbemerkt“ abbiegen, aber ein Stück lang glauben an der Donau weiterzufahren. Aber kein Problem, wir finden eine Brücke, können auf der anderen Seite der Schwarzach wieder zur Donaudeichbaustelle zurückfahren. Kurz vor Deggendorf haben wir diese (!) Baustelle ohne weitere Irrungen geschafft. 

Hinter Deggendorf führt der Radweg planmäßig ein Stück direkt hinter der „höher gelegten“ A3 entlang, die uns damit leider die Sicht auf die Isarmündung versperrt. Dann kommt die nächste Baustelle. Diesmal folgen wir artig der ausgeschilderten Umleitung, zumindest am Anfang. In Niederalteich wollen wir der EV6-Hauptroute folgen und die Fähre ans Südufer nehmen. Wir fahren also zur Donau zurück, doch die Fähre suchen wir vergeblich. 

Ein einheimischer Spaziergänger klärt uns auf: Es gibt 2 Fährmänner, der eine hat Urlaub und der andere Burn-out. Folglich fällt der Fährbetrieb ins Wasser und wir müssen auf der weiterhin baustellenreichen Nordseite weiterfahren.

Auch bei den Radweg-Aus-Schilderungen gibt es immer wieder Entdeckungen. Offensichtlich sind auch Berliner Fußball Fans mit dem Rad schon hier gewesen.

Kurz vor Passau queren wir die Donau auf dem monumentalen Staudamm des aus den Zwanzigerjahren stammenden Kraftwerks Kachlet.

Jetzt fängt es leider nun doch noch an zu regnen. Und wir müssen noch zum Quartier den Berg hinauf. Aber das kennen wir ja schon von gestern.


Etappe #3: Passau – Schlögener Schlinge, 41 km

Die heutige Etappe ist bewusst kurz gewählt, um zunächst Zeit für Passau zu haben. Wir rollen runter in die Altstadt und lassen die Räder stehen.

Der Besuch des Passauer Doms hat uns in wahres Staunen versetzt. Soviel Schönheit, Kunst, Eleganz , Licht und Weite in einem Raum zu erleben war besonders. Die Renovierung der Haupt-Orgel dauerte 6 Jahre und kostete 6 Mio Euro. Auch über der Decke befinden sich Orgelpfeifen.

Für die Beschreibung der Stadt greift man am besten auf den Text der Internetseite vom Passauer Land zurück, denn treffender kann man es vielleicht nicht formulieren:

„Hier fließen am Dreiflüsse-Eck die drei Flüsse Donau, Inn und Ilz zusammen – besonders faszinierend ist das Farbenspiel des Wassers mit der schwarzen Ilz, der blauen Donau und dem grünen Inn, die sich erst einige hundert Meter weiter endgültig vermischen. In der Barockstadt paaren sich Charme und Schönheit, Geschichte und Kultur, Kunst und Erlebnis. Durch das Zusammenspiel der Sehenswürdigkeiten mit der gesamten Altstadt und ihren verwinkelten Gassen formt sich eine unverwechselbare Atmosphäre, die die außergewöhnliche Schönheit Passaus ausmacht.“

Blick auf die Altstadt samt Donau (vorn) und Inn (hinten)

Kurz nach Passau kommen wir an die Deutsch-Österreichische Grenze.

Die Landschaft auf diesem Streckenabschnitt gefällt uns sehr gut -viel Grün, ansteigende Berge an den Ufern und ein wunderbar zu fahrender Radweg entlang der Donau.

Man merkt, wir sind in Österreich – Tickets gibt’s an der Kassa und den Kaffee zuvor in der Greißlerei.
Wir wechseln zweimal die Flussseite, zunächst per Fähre und dann kurz vor dem Ziel auf einer Straßenbrücke, da wir nicht darauf vertrauen wollen, dass die Fähre in Schlögen zu unserer Ankunftszeit noch fährt.  So erreichen wir zum Schluss zwar noch ein paar Kilometer auf der Straße fahrend  insgesamt aber voller schöner Eindrücke unser Etappenziel -die Unterkunft, nahe der Schlögener Schlinge.

Im Gasthof zur blauen Donau haben wir ein Zimmer direkt an der Straße aber es ist glücklicherweise abends ruhig


Etappe #4: Schlögener Schlinge – Linz, 55 km

Am Morgen sehen wir die Landschaft voller Nebel, von der „blauen Donau“ ist nichts zu sehen. Wir hoffen, dass sich dieser noch lichtet, denn wir wollen noch hinauf zu einem Aussichtspunkt, um die Schlögener Schlinge von oben in Gänze zu betrachten.

Glücklicherweise ist der Morgennebel nach einiger Zeit verzogen und der Aufstieg zum Aussichtspunkt wird mit einem fantastischen Blick auf diesen besonderen Donauverlauf belohnt.

Schlögener Schlinge

Nach dieser eindrucksvollen Aussicht geht es wieder zurück zu den Rädern und wir starten unsere kleinere Etappe nach Linz. Die Fahrt durch das Donau-Durchbruchstal ist weiterhin beeindruckend – tolle Landschaften, super Radwege. Kurz vor Linz kommen wir an einer imposanten Fährkonstruktion vorbei, der Ottensheimer Drahtseilbrücke.

In Linz lädt zunächst der riesige Hauptplatz zu Kaffee und – klar – einem Stück Linzer Torte ein. Danach checken wir im Hotel ein und sind echt baff, welches Ausmaß die Fahrradgarage hat. So etwas haben wir noch nicht gesehen. Nach einer kurzen Erfrischung geht es auf zur Stadterkundung inklusive Auffahrt auf den Pöstlingberg, der uns ebenfalls eine wunderbare Aussicht auf diese Stadt und bis zu den Alpen beschert.

Blick über Linz, im Hintergrund die Alpen

Etappe #5: Linz – Ybbs, 90 km

Am Linzer Donau-Ufer schauen wir nochmal Richtung Pöstlingberg, bevor wir die Stadt Richtung Osten verlassen.


Nach der Ausfahrt aus Linz ist der Weg von der Industriekulisse VÖEST-Alpine auf der anderen Donauseite geprägt.

Im Folgenden hält die Tour nach Ybbs aber viele schöne Ausblicke bereit. Gerade das Zusammenspiel von Sonne und Wolken, gepaart mit den Spiegelungen der am Ufer stehenden Burgen, Häuser oder Felsen im glatten Donaufliess führt zu sehr reizvollen Impressionen.

Auch auf dieser Etappe begegnen uns interessante Ausschilderungen, sei es an Fleischerläden oder als Stadtinformation.

Die abendliche Stadtbesichtigung fällt einem Wolkenbruch zum Opfer. Aber lieber so als unterwegs auf der Strecke.


Etappe #6: Ybbs – Krems, 66 km

In Ybbs haben wir ein sehr schönes Hotel, den Babenberger Hof, gefunden, in dem es sich nicht nur gut übernachten, sondern auch am nächsten Morgen gut frühstücken lässt – in der dazugehörigen Donau Lodge mit großen Fenstern und einem weiten Blick in die Fluss-Landschaft.

Gut gestärkt geht es in diesen Tag. Nach einem kurzen Halt in Pöchlarn, dem Geburtsort von Oskar Kokoschka, gibt es nach weiteren km einen längeren Halt in Melk, eine Stadt, die auch als „das Tor zur Wachau“ bezeichnet wird. Teile der Stadt, wie das Stift Melk, sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Wachau.

Anfahrt auf Melk
Stift Melk – ehemalige Abtei der Benediktiner, errichtet 1702-1746

Die Wachau liegt vor uns – allerdings auch unter dunklen Wolken.

Der heutige Tag ist wettertechnisch durchaus durchwachsen und so erreichen wir Willendorf in der Wachau bei einsetzendem Regen. Einige Zeit später zieht der Regen weiter und wir können uns im Trockenen in Ruhe die hier vor 30.000 Jahren gefundene Venus von Willendorf anschauen.

Wir durchfahren die Wachau – eine reizvolle Flusslandschaft mit schönen Blicken, wie zum Beispiel den auf Dürnstein, kurz vor Krems.

In Krems kommen wir (zufällig) am 2001 eröffneten Karikaturmuseum vorbei, das über die größte Sammlung von Manfred Deix Cartoons verfügt und das natürlich auch nach außen zeigt. Manfred Deix war ein österreichischer Karikaturist, Grafiker und Cartoonist. Sein Grab ist auf dem Wiener Friedhof – wir werden es in 2 Tagen dort entdecken.


Etappe #7: Krems – Wien, 86 km

Auf dieser Strecke gibt es einen sehr bemerkenswerten Ort – Zwentendorf an der Donau. Hier steht Österreichs einziges AKW, welches zwar gebaut, aber dann wegen starker Proteste nie an’s Netz gegangen ist. Es wirkt ein bisschen bizarr, wenn man an der ‚Almhütte‘ steht und gleich dahinter der AKW Schornstein in den Himmel ragt.

Die leicht verspätete Mittagsrast machen wir in Tulln, einer der ältesten Städte Österreichs, die eine Rolle im Nibelungenlied spielt und der Geburtsort des Malers Egon Schiele ist.


Nun geht’s auf nach Wien. Der Wienerwald grüßt schon mal aus der Ferne.

Kurz vor Wien machen wir noch einen Kaffee-Stopp in Klosterneuburg. Gegen 18:00 erreichen wir Wien.

Interessanterweise liegt hier ein Flusskreuzfahrschiff aus Basel am Kai. Da waren wir vor einem reichlichen Jahr. Wie mag das vom Rhein hierher gekommen sein? Der Weg auf dem Wasser war sicherlich länger als der unsrige.


Etappe #8: „Ruhetag“ Wien, 30km

Wir wohnen im schönen Hotel Gabriel – tolles Interieur – Kopien von Klimt Bildern überall , ein großer Frühstücksraum, ein Garten – auch für Gastrobetrieb und ein ruhiges Zimmer mit Blick in den Hotelgarten – eine ideale Unterkunft in Wien.Die Künstlerin Shir Catz hat 80 Klimt Bilder in den Zimmern und im Frühstücksraum an den Wänden erstellt – wahrscheinlich einzigartig in Europa.

Von hier aus starten wir unsere Tour durch die Stadt mit den vielen sehenswürdigen Bauten, Museen und auch Friedhöfen. Und das Beste ist, man kann das wunderbar auf gut ausgebauten Radwegen quer durch die ganze Stadt erkunden. Da es so viel zu sehen gibt, müssen wir uns entscheiden. 

In direkter Nähe vom Hotel liegt der St. Marxer Friedhof mit dem Mozartgrab – zumindest mit dem, das man nachträglich für ihn an der vermuteten Stelle hergerichtet hat, denn es ist nicht 100%ig klar, wo genau er bestattet und ob er nachträglich umgebettet wurde. Denn das Who’s who ist in Wien auf dem Zentralfriedhof begraben. Sein Grabmal wurde anlässlich seines 100. Todestages dorthin umgesetzt und in St. Marx ein kleineres neu errichtet. Also auf zum Zentralfriedhof! Der liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist gut mit dem Rad erreichbar.

Der Zentralfriedhof hat uns ganz besonders beeindruckt. Auf ihm sind so viele berühmte Persönlichkeiten begraben, Komponisten, Musiker, Schauspieler, Pop Stars, …


Wir ‚treffen‘ Mozart wieder (ganz links). Aber um uns und der Leserschaft eine längere Abhandlung zu ersparen – schließlich ist dies ein Radreise-Blog und kein Friedhofsführer – hier nur eine kleine Auswahl von Fotos. …Und Manfred Deix ‚ist‘ auch ‚dabei’….


Ein weiteres Highlight ist die imposante Friedhofskirche – sowohl von außen als auch von innen.


Nun wenden wir uns aber den irdischen Sehenswürdigkeiten zu. Es gibt so viel zu sehen … zu viel für einen Tag und auch zu viel für diesen Blog. Wir lassen stellvertretend einige Bilder ’sprechen‘.


Im Stephansdom steigen wir auf den „falschen“ Turm – den kleineren – und können von dort zwar nicht übers Dach in Richtung Hofburg etc. schauen, entdecken dafür aber im Norden die riesigen Flaktürme, die im Gegensatz zu denen in Berlin nicht gesprengt und überformt wurden. Da müssen wir unbedingt noch hin. Nicht schön und nicht das, was man in Wien erwartet – dennoch imposant und vor allem mahnend.

Wir schauen noch im Stadtgarten vorbei, aber er gefällt uns nicht wirklich zum Abendessen, so dass wir in den schon am Vorabend geschätzten Gasthof Dreier fahren, der ganz in der Nähe des Hotels liegt. Hier ist es ruhig, rustikal, lecker und preislich voll ok.


Etappe #9: Wien – Bratislava, 70 km

Wir verlassen Wien mit vielen schönen und interessanten Eindrücken. Eine Stadt, die man eigentlich unmöglich an nur einem Tag erkunden kann, aber wir haben dank unserer Mobilität mit den Rädern doch viele Orte ansteuern und besichtigen können. Zum Abschied gibt es diesen Blick

Wir fahren durch den Nationalpark Donau-Auen. Der Radweg führt nun 30 km fast nur geradeaus, ist aber überhaupt nicht langweilig. Die Flussauen-Landschaft links und rechts des Radweges ist abwechslungsreich und schön anzuschauen. Toller Weg, prima Wetter – Radlerherz was willst du mehr.


Kurz vor Hainburg, der letzten Stadt in Österreich, ist auf der fast 2 km langen Brücke über die Donau eine ‚ruhige Hand‘ gefragt. Der Radweg auf der Brücke ist nicht viel breiter als unsere Lenker. 


Kurz nach Hainburg erreichen wir die Grenze zur Slowakei, die uns mit einem Spielsalon nach monegassischer Art (?) empfängt. Wir haben schon schönere Grenzen passiert. Ganz auf frühere österreichische Art ist unser heutiges Ziel noch mit Pressburg ausgeschildert.


Dafür erleben wir in Bratislava ein unvorhergesehenes Highlight. Wir wundern uns beim Einfahren in die Stadt über satte Bassklänge, sehen dann eine riesige Konzertbühne und hören einen ganz bekannten Track, der dort gerade für eine Probe gespielt wird. Es ist Oxygene von Jean-Michele Jarre. Und zu unserer Überraschung sehen wir ihn auch auf der Bühne beim Proben.

Als wir abends aus der Stadt zurückkommen, laufen gerade die Proben zur Lichtshow. Am nächsten Tag ist das Konzert, welches wir leider nicht mehr miterleben können, da wir dann schon auf der Weiterreise sind. Aber selbst die Proben erzeugen bei uns den Eindruck von ‚Gigantisch‘ und ‚Wahnsinn‘.


Etappe #10: Bratislava – Györ, 78 km

Blick zurück auf die Altstadt von Bratislava

Die Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes mit der Länge von 431 Meter und Breite von 21 Meter verbindet beide Donauufer und damit den Bratislavaer Stadtteil Petržalka, in dem wir übernachtet haben, mit der Altstadt.

Dank der Form und der Spannweite der Stahlkonstruktion ist sie einzigartig in Europa. An der Spitze, in der Höhe von 95 m, befindet sich ein Aussichtspunkt, in der Höhe von 85 m liegt das Restaurant UFO watch.taste.groove. Die Gäste fahren in einem Schnellfahrstuhl, der in einem der Pylone eingebaut ist, im zweiten befindet sich eine Fluchttreppe mit 430 Stufen.

Wir fahren nicht nach oben sondern weiter horizontal auf dem Eurovelo 6. Hinter Bratislava ist die Route sehr schön. Es gibt viele Picknickstellen mit kleinen Lokalen/Imbiss-Ständen extra für Radfahrer. Es ist Samstag und viele Familien sind mit dem Rad unterwegs. Schon nach 20 km sind wir an der nächsten Grenze. Diese Grenze zwischen der Slowakei und Ungarn ist fast nicht mehr erkennbar – ein kleiner schwarz-weißer Schlagbaum zeigt, hier ist sie. Nach kurzen 27 km in der Slowakei geht’s nun also in Ungarn weiter.

Grenze Slowakei – Ungarn

Wir verlassen die durch das umstrittene Wasserkraftwerk Gabčikovo aufgestaute Haupt-Donau und fahren im Hinterland weiter, tlw. an kleinen Nebenarmen der Donau. Die Landschaft wechselt zwischen Flussauen und platten Land. 

Gegen Abend erreichen wir Györ. Wir haben ein schönes Quartier, schlendern noch ein bisschen durch die schöne Altstadt, bevor wir den Tag ausklingen lassen.


Etappe #11: Györ – Komarom – Esztergom, 62km

Die heutige Etappe ist geprägt von einer Zugfahrt, schönen Landschaften und einer tollen Einfahrt in Esztergom.
Doch zunächst starten wir mit einer kleinen Stadtrundfahrt in Györ …

… und fahren dann zum Bahnhof. Denn heute müssen wir etwas „schummeln“.
Die Route auf ungarischer Seite führt über weite Strecken auf oder an einer wahrscheinlich stark befahrenen Fernverkehrsstraße entlang, die schönere Alternative auf slowakischer Seite ist für uns erst nach 40 km (Fernverkehrsstraße!) an der nächsten Donaubrücke zwischen Komárom (H) und Komárno (SK) erreichbar und insgesamt zu lang. Daher steigen wir in Györ in den Zug nach Komárom und starten von dort.

Wir überqueren die Donau und sind wieder in der Slowakei. Dort in Komárno gibt es einen wunderbar beschirmten Rastplatz bevor wir nun endlich richtig aufbrechen.

Ja und jetzt auch die Bilder zu den schönen Landschaften.

Nach fast 60 km verlassen wir die Slowakei wieder und kehren über die 1944 von den Deutschen gesprengte, aber wegen der schlechten Beziehungen zwischen den sozialistischen „Bruderstaaten“ Ungarn und Tschechoslowakei bzw. später dann der Slowakei erst 2001 mit Unterstützung der EU wiederaufgebaute Donaubrücke nach Ungarn zurück. 
Die Basilika von Esztergom war schon lange von weiten sichtbar gewesen. Nun radeln wir direkt auf sie zu. Eine wirklich imposante Einfahrt in die frühere ungarische Hauptstadt.

Wir haben hier ein schönes Quartier bei supernetten Gastgebern. Abends werden wir von den für Berliner Verhältnisse sehr frühen Küchenschlusszeiten in den Lokalen überrascht. Aber wir finden noch einen Imbiss im örtlichen Schwimmbad und müssen nicht verhungern.


Etappe #12: Esztergom – Szentendre, 66 km

Nach dem Frühstück wollen wir natürlich nochmal unbedingt in den Dom – die Maria Himmelfahrt und Sankt Adalbert Kathedrale – das Wahrzeichen von Esztergom (Gran). Der Innenraum ist beeindruckend und von oben hat man einen schönen Blick auf die Stadt und die Maria-Valeria Brücke.

Unterwegs wartet noch eine Sehenswürdigkeit auf uns – Die Burg Visegrad. Wir sehen sie schon von Weitem. Und da wollen wir unbedingt noch rauf – allerdings zu Fuß.

Von oben hat man einen ausgezeichneten Blick auf die Donau und das hier beginnende Donauknie.

Auf dem weiteren Weg bekommen wir vom eigentlichen Donauknie gar nicht so viel mit, außer dass sich unsere Fahrtrichtung von Ost auf Süd ändert. Der Radweg verläuft meist zu weit von der Donau entfernt. In Vac verpassen wir knapp die Fähre, müssen 1 Stunde warten und sind dadurch richtig spät dran. Gegen 20:00 Uhr erreichen wir Szentendre – es ist schon sehr ruhig und wir können gerade noch rechtzeitig vor dem Küchenschluss in einer schönen Gaststätte am Donauufer unser Abendessen bestellen.


Etappe #13: Szentendre – Budapest, 26 km

In unserer Pension gibt es ein reichliches Frühstück mit viel ungarischer Salami, so dass wir gut gestärkt in unsere Zieletappe starten. Doch zunächst schauen wir uns den Ort etwas genauer an. Szentendre bietet eine etwas aufgehübschte Altstadt mit langer Donaupromenade und Shoppingläden in der 2. Reihe – alles außer Waren für den täglichen Bedarf – reine Touri Strecke.

Nach einer kleinen fußläufigen Stadtrunde incl. Aufstieg zu einer der zahlreichen Kirchen geht es wieder auf’s Rad.

Nach den sehr holprigen Radwegen des Vortages geht es nun auf sehr gutem Weg weiter, wir sind erstaunt…. Allerdings nicht sehr lange, dann wechselt der Weg wieder in die schon bekannte ‚renovierungsfähige‘ Form. Wir kommen gegen 13:00 Uhr in Budapest an und schwelgen bei der Ankunft auf der Margareteninsel in Erinnerungen an unsere damaligen Ausflüge zu DDR Zeiten.

Nach dem CheckIn in unserem Silver Hotel (wobei Hotel etwas zu hoch gegriffen scheint) geht es zu einer kleinen Tour durch Ungarns Hauptstadt.

Obwohl wir schon in Budapest waren, ist vieles wieder wie neu bzw. schön, nochmal zu sehen. In jedem Fall ist es eine kleine ‚Rundreise‘, die sich lohnt und alte Erinnerungen auffrischt.


Epilog 1,1 km

Wenn es einen Prolog gab, darf der Epilog nicht fehlen. Die Fahrt mit dem Rad ist diesmal allerdings planmäßig und ganz kurz. Sie führt uns vom Hotel zum Nyugati-Bahnhof, an dem unsere Rückfahrt mit dem Zug nach Berlin startet. Und das schon 7:30. Um diese Zeit bekommen wir im Hotel noch kein Frühstück. Das haben wir uns vorsichtshalber schon am Tag zuvor im Supermarkt gekauft. Wir müssen uns am Bf. aber unbedingt noch mit Kaffee versorgen, was dort wegen Bauarbeiten gar nicht so einfach ist.

Bahnhof Nyugati

Das ist aber nur ein kleiner Stressmoment – wir sitzen schließlich mit Kaffee und Rädern und all unserem Gepäck im richtigen Zug.


Viszlát Budapest – auf Wiedersehen!

Am Anfang fahren wir mit dem Zug parallel zu unserem Weg in den letzten Tagen an der Donau zurück, haben noch mal einen Blick auf Vac, Visegrad und Esztergom. Über Bratislava geht’s dann weiter nach Tschechien. Dort in Decin schließt sich der Kreis zum Prolog – der Zug fährt nicht weiter, da ein Baum auf die Gleise gefallen ist. Doch diesmal gibt es für uns keine Alternative und wir müssen 4 Std. auf unsere Weiterfahrt warten. Aber auch das klappt dann. Wir erreichen Berlin stark verspätet aber wohlbehalten.

Fazit

Schön war’s wieder mal. Bis auf die auf die umgestürzten Bäume am Anfang und am Ende ist nichts „Schlimmes“ passiert. Wir und unsere Räder haben diesmal wieder gut durchgehalten, keine Panne, kein Unfall. Das Wetter war uns gnädiger als im letzten Jahr.
Wir sind die gesamte Tour 835 km – mehr oder weniger nah an der Donau gefahren und haben sie von einem mittelgroßen zu einem großen Fluss wachsen gesehen. Wir haben sie 24 mal überquert, davon 3x mit der Fähre. Wir waren in 4 Ländern. Das hatten wir letztmalig 2017 auf dem R1 im Baltikum. Und nun freuen wir uns auf die Weiterfahrt im nächsten Jahr. 

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