Zusammenfassung Euro Velo6 2022
Nach mehreren ‚Anläufen‘ in den vergangenen Jahren ist es nun soweit. Wir starten in diesem Jahr unser 2. internationales Projekt – den Euro Velo6, eine rund 4000km Route vom Atlantik zum Schwarzen Meer.
Die erste große Etappe führt uns in 3 Wochen von St. Nazaire bis nach Basel.

Beeindruckend waren insbesondere die Abschnitte an der Loire, welche zum einen landschaftlich sehr reizvoll waren, als auch die vielen schönen – oft mittelalterlich anmutenden – kleineren und größeren Städten am Flußufer, wie Angers, Tours, Orleans, Blois und viele andere.
Dabei müssen wir unbedingt die Stadt Nantes erwähnen, die uns mit vielen Dingen fasziniert hat. Eine wirklich lebenswerte Stadt mit hervorragend ausgebautem ÖPNV Netz, d.h. extra Trassen für Tram und Bus, breite Fuß- und Radwege, einer autofreien Innenstadt , mit vielen Cafes und Restaurants, welche das Flanieren und Verweilen zu einem Genuss machen. Hier haben wir uns sehr wohl gefühlt.
Das Wetter hatten wir auf unserer Seite, so dass wir neben dem Land und den Leuten auch die Sonne und angenehme Temperaturen in vollen Zügen genießen konnten..

Euro Velo6 Tour 2022
Etappe #0: Ankunft und Erkundungen in St. Nazaire
Mit dem Flugzeug von Berlin nach Paris, von dort mit dem Flieger nach Nantes und von Nantes mit dem Zug nach St. Nazaire – das war der Tag unserer Anreise.
In St.Nazaire angekommen, haben wir die Stadt am späten Nachmittag bis zum Abend noch mit unseren Rädern erkundet und dabei einige interessante Entdeckungen gemacht und die frische Brise des nahen Atlantik genossen.
Hierbei kamen wir auch an einem ehemaligen deutschen U-Boot Bunker vorbei.
Auszug aus Wikipedia:
„Vor dem Zweiten Weltkrieg war Saint-Nazaire einer der größten Häfen an der französischen Atlantikküste. Während des Westfeldzuges erreichte die deutsche Armee im Juni 1940 Saint-Nazaire. Der Hafen wurde umgehend für U-Boot-Operationen genutzt…..Der Bau begann im Februar 1941 mit den U-Boot-Boxen 6,7 und 8, die im Juni 1941 fertiggestellt wurden. Von Juli 1941 bis Januar 1942 wurden die U-Boot-Boxen 9 bis 14 gebaut und von Februar bis Juni 1942 die U-Boot-Boxen 1 bis 5. Die Arbeit wurde durch den Bau eines Bunkerturms abgeschlossen.




Was nicht zu übersehen ist, sind die riesigen Skulpturen, welche von verschiedenen Künstlern erschaffen und in Ufernähe im Wasser stehen und zum Betrachten und Staunen einladen.




Etappe #1: St.Nazaire – Nantes 73km
Heute startet nun offiziell unsere Tour. Ein besonderer Tag. Die Tour beginnt am anderen Ufer von St. Nazaire. Das bedeutet, dass wir die riesige Brücke über die Loire-Mündung überqueren, um an den eigentlichen und offiziellen Ausgangspunkt zu gelangen.


Was uns am Beginn direkt auf- und in’s Auge fällt, sind die unzähligen, reihenweise am Ufer errichteten Netze samt kleinen Häuschen entlang der Küste. In Französisch heissen sie Les Carrelets. Sie dienten und dienen heute noch dem Netze-basierten Fischfang.


Nach ca 70 km erreichen wir am Nachmittag die Stadt Nantes. Für uns beeindruckend war die Einfahrt in die Stadt – an einem km langen Autostau vorbei auf einem Radweg, welcher genauso breit war wie die einzige Autospur. Das gab schon einen kleinen Vorgeschmack auf die sehr ÖPNV / Radfahrer / Fußgänger freundliche Stadt, deren Gast wir für einen Tag sein durften.
Bevor wir die eigentliche Innenstadt erreichen, macht eine Halbinsel mit verschiedenen Cafes und einem Vergnügungspark auf sich aufmerksam, an der wir nicht, ohne einen Besuch gemacht zu haben, vorbeikommen – der Freizeitpark von Machines de l’Île.



Nach der Ankunft in der Innenstadt geniessen wir Nantes bei einem abendlichen Stadtbummel und staunen das eine und andere mal über die ausserordentlich menschenfreundlich gestaltete Stadt.






Etappe #2: Nantes – Angers 108km
Diese Etappe führt durch grüne Landschaften immer an der Loire entlang. Schönes Wetter und die Nähe zum Fluß, verbunden mit gut ausgebauten Wegen machen das Fahren zu einem Genuss.



Am frühen Abend erreichen wir unser Ziel, die Stadt Angers.

Das Schloss mit seinen 17 Türmen war im 13.Jh. Teil der Stadtmauer und ist aus Tuffstein und Schiefer errichtet.
Etappe #3: Angers – Saumur 56km
Nach dem Frühstück geht es noch eine Runde durch Angers, deren Altstadt mittlerweile zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.


Auf dem Weg kommen wir oft an kleineren Ortschaften vorbei, wo uns besonders der üppige Blauregen auffällt, der an vielen Häuserwänden seine Blütenpracht präsentiert.


Etappe #4: Saumur – Tours 89km
Es ist Sonntag. Die Sonne zeigt sich zunächst nicht, so dass wir unsere kleine fast schon regelmäßige morgendliche Stadtbesichtigung per Rad bei grauem Himmel und später gar leichtem Nieselregen absolvieren. Die zunächst noch ziemlich leeren Straßen füllen sich dennoch zunehmend. Ziele der Passanten sind wohl Kirche, Flohmarkt aber auch die Wahllokale, da heute die Präsidentschaftsstichwahl zwischen Macron und Le Pen stattfindet. Bevor wir die Stadt verlassen, gönnen wir uns noch einen Blick von unten auf das Schloss – eines der bekanntesten der Loire-Schlösser, leider aber „auf dem Berg“ liegend. Den Aufstieg sparen wir uns vor dem eigentlichen Start der heutigen Etappe.
Auffällig in Saumur sind das Schloss, die Kirche St Pierre sowie das Rathaus mit ihren mittelalterlichen Architekturen.

Das Gebiet um Saumur ist ein bedeutsames Weinanbau-Gebiet und so kommen wir auch an einigen Gehöften und Weingewölben vorbei, die in der Vergangenheit und einige bis heute der Weinlagerung und -verarbeitung dienen.
Erster Höhepunkt auf der Strecke sind nach wenigen Kilometern die Wohn- und Speicherhöhlen von Souzay. Eine ob des Hin und Her für uns zunächst irritierende Radwegführung lässt uns dann dieses faszinierende Höhlen- und Tunnelsystem hautnah erleben. Der Radweg führt mitten durch, was für eine Entdeckung! Vor lauter Begeisterung passieren wir danach unbemerkt – und in diesem Punkt auch schlecht vorbereitet – den Nullmeridian. Nun geht’s also weiter in der östlichen Hemisphäre. Wir „überqueren“ einige unspektakuläre Wein-„Berge“ und fahren durch Paray mit weiteren Höhlen. Diese werden hier gastronomisch genutzt. Wir widerstehen diesen Verlockungen, verweilen aber kurz zur Besichtigung einiger der skurrilen Metallskulpturen. In Montsoreau kommen wir am nächsten Schloss vorbei und in Candes-Saint-Martin an der gleichnamigen Wallfahrtskirche – ein kleiner Fingerzeig auf unser heutiges Etappenziel. Von der Brücke über die Vienne haben wir einen schönen Blick zurück auf den Ort und die Mündung der Vienne in die Loire.
Nachdem wir genügend Abstand zum ersten AKW, an dem wir auf der Tour vorbeikommen, gewonnen haben, finden wir einen idyllischen Rastplatz an der Indre für unsere Mittagspause und einen gemeinsamen Blick auf den weiteren Weg des Tages.


Weiter geht’s zunächst an der Loire, dann an ihrem Nebenfluss Cher in Richtung Tours. Kurz vor Villandry müssen wir kurz umkehren, um uns unter einer Autobahnbrücke vor dem plötzlich einsetzenden Regen unterstellen. Das war aber erst die Ouvertüre. In Villandry kommen wir trocken an, auch den wohlverdienten Nachmittags-Café können wir noch im Freien genießen, dann beginnt es aber aus vollen Kannen zu schütten. Wir sind froh, dass uns das nicht unterwegs ereilt und wir Asyl im Café bekommen. Es regnet so stark, dass Wasser ins Café läuft und das Personal alle Hände voll zu tun hat.
Danach ist an einen Besuch der berühmten Schlossgärten von Villandry nicht mehr zu denken. Wir sind froh, dass wir trocken bis nach Tours kommen, zumal es zwischendurch ein paar Mal nicht danach aussieht.
Der Tag klingt in einem stilvollen kleinen Restaurant in der Altstadt aus, mit ausgestopften Schwertfisch unter der Decke und Louis de Funès Bildern an den Wänden. Nur die schöne Kellnerin mochte uns wohl nicht so recht. Egal, es war trotzdem ein schöner Abend. Zurück im Hotel können wir dem in der Lobby laufenden Fernseher nicht entgehen. Die ersten Hochrechnungen zur Präsidentschaftswahl sehen aber gut aus.
Etappe #5: Tours – Blois 77km
Wir starten wieder mit einer kleinen Stadtrundfahrt. Natürlich geht das in Tours nicht ohne Reminiszenz an den berühmtesten Einwohner der Stadt – dem heiligen Martin. Die ihm geweihte neue Basilika, aber vor allem die Reste der alten beeindrucken, deren Abstand im Straßenbild die Größe der im Mittelalter wichtigen Wallfahrtskirche erahnen lassen. Aber auch die mittelalterlichen Häuser an der Place Plumereau sind schön anzuschauen. Im moderneren Teil des Stadtzentrums fallen uns die oberleitungsfreien Straßenbahnen auf. Die Stromversorgung erfolgt mittels einer dritten im Boden eingelassenen Schiene, die nur von über sie hinweg fahrenden Bahnen aktiviert wird. Das scheint gut zu funktionieren. Unseren Selbsttest haben wir jedenfalls ohne Stromschlag überstanden.
Wir verlassen die Stadt Richtung Osten, nicht ohne noch einen kurzen Halt an der gotischen Kathedrale Saint-Gatien einzulegen. Nun fahren wir nach längerer Pause auch wieder an der Loire entlang.



Seit Angers kommen wir immer wieder mit dem Thema ‚Schlösser der Loire‚ in Berührung, da sich in dieser Region eine Reihe von sehenswerten Schlössern befinden, welche viele Besucher in ihren Bann ziehen.
An dieser Stelle soll einmal der neue Chatbot von OpenAI zu Wort kommen, welcher als ChatGPT seit Januar 2023 für Schlagzeilen sorgt, da man ihm unzählige Fragen stellen kann und die (künstlichen) Antworten verblüffend präzise ausfallen.
Frage an ChatGPT: Was sind die schönsten Loire Schlösser?
Antwort:
Die Schlösser der Loire sind eine Gruppe von prächtigen Renaissance-Schlössern, die entlang des Flusses Loire in Frankreich erbaut wurden. Einige der bekanntesten und schönsten Schlösser sind:
- Schloss Chambord: Es ist das größte und imposanteste Schloss der Loire, bekannt für seine beeindruckende Architektur und seine prächtigen Parkanlagen.
- Schloss Chenonceau: Es ist eines der am meisten besuchten Schlösser der Loire, bekannt für seine besondere Architektur, die über den Fluss Loire gebaut wurde. ANMERKUNG: Hier liegt ChatGPT verkehrt !!! das Schloss wurde über den Fluss CHER gebaut
- Schloss Azay-le-Rideau: Es ist ein kleineres Schloss, aber dennoch sehr beeindruckend, mit seiner Renaissance-Architektur und seiner Lage auf einer kleinen Insel im Indre-Fluss.
- Schloss Amboise: Es ist ein beeindruckendes Schloss mit einer langen Geschichte, das sowohl Renaissance- als auch Gotik-Elemente aufweist.
- Schloss Villandry: Es ist ein Schloss bekannt für seine prächtigen Gärten und seine Renaissance-Architektur.
- Schloss Blois: Es ist ein Schloss in Blois, das über eine lange Geschichte verfügt und sowohl Renaissance- als auch Gotik-Elemente aufweist.
Es gibt viele weitere Schlösser entlang der Loire, die besucht werden können und jeder hat seinen eigenen Charme und seine eigene Geschichte.
Das ist verblüffend…Und hier der Überblick über diese Vielzahl von Schlössern entlang der Loire:

Doch nun zurück zur Realität:
Nach 77km erreichen wir am Abend Blois mit einem wunderschönen Blick über die Loire auf die Stadt.


Etappe #6: Blois – Orleans 82km
Am heutigen Morgen machen wir noch eine kleine Runde durch die Stadt, bevor wir dann zu unserer nächsten Etappe aufbrechen, welche eines der Schlösser- Highlights bereithält.


Nach der Ausfahrt aus der Stadt geniessen wir nochmal den wundervollen Blick über die Loire bei einem schönen Sonne-Wolken-Mix.
Gegen Mittag erreichen wir die ’sagenhafte‘ Schloss-Anlage von Chambord.



Zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, dass wesentliche Teile des Schlosses eingerüstet sind, so dass wir zwar erahnen, wie dieses Prachtstück wohl ohne Gerüste aussehen mag, aber es unserer Phantasie überlassen müssen, dieses Bild in Gedanken zu erzeugen bzw. es uns mit Hilfe von Prospekten zu projizieren.
Was dennoch bleibt ist der Eindruck von Größe, Genialität, Kunst und Vielfalt, der uns für längere Zeit hier verweilen lässt und in seinen Bann zieht.
Am Ende dieser Etappe sind wir in Orleans und übernachten in einer Jugendherberge, wobei der Name nicht zwingend auf das Alter der Insassen schliessen lässt, sondern im Wesentlichen eher auf die ‚Einfachheit‘ der Unterkunft. Für unsere Zwecke vollkommend ausreichend, zumal die Stadt genügend Freiraum und Abwechslung bietet.
Etappe #7: Orleans – Gien 83km
In Orleans starten wir den Tag mit einer kleinen Stadtbesichtigung. Wie der Name der Stadt vermuten lässt, gibt es hier die Geschichte der Jungfrau von Orleans zu erkunden. Den historischen Hintergrund findet man sehr detailliert bei Wikipedia, aus dem hier folgender Ausschnitt zitiert sei:
Während des Hundertjährigen Krieges verhalf sie bei Orléans dem Dauphin und späteren französischen König Karl VII. zu einem Sieg über Engländer und Burgunder, anschließend geleitete sie Karl zu seiner Königssalbung nach Reims. Nach der Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Compiègne wurde Jeanne d’Arc am 23. Mai 1430 durch Johann II. von Luxemburg gefangen genommen, später an die Engländer ausgeliefert und schließlich in einem kirchlichen Verfahren des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, der pro-englisch eingestellt war, aufgrund verschiedener Anklagen verurteilt. Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d’Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.[3]
24 Jahre später strengte die Kurie einen Revisionsprozess an, in dem das Urteil aufgehoben und Jeanne zur Märtyrin erklärt wurde. Im Jahr 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig- und 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai. An diesem Tag gedenkt man ihrer auch in der Church of England.[4]
Wikipedia





Nach dem Besuch der Kathedrale geht es nun weiter entlang der Noire zu unserem nächsten Etappenziel der kleinen Stadt Gien.
Auf dem Weg dorthin geniessen wir die tolle Flußlandschaft. Eine lange Brücke überquert nach einigen Kilometern die Loire, um uns zu dem wunderschönen Schloss Sully-sur-Loire zu führen. Eine Schlossanlage wie aus dem Bilderbuch liegt vor uns und lässt uns diese bei einem kurzen Aufenthalt sehr geniessen.





Nach diesem optischen Highlight geht es weiter Richtung Zielort, welcher uns ebenfalls mit einem eindrucksvollen Panorama bei der Anfahrt erwartet.
Historisch interessant an Gien ist die Tatsache, dass bei der Bombardierung der Stadt 1940 diese durch einen Großbrand überwiegend zerstört wurde, und dass nach dem Krieg der Wiederaufbau der Stadt im Stil der wenigen übrig gebliebenen alten Häuser erfolgte. Damit kann man heute den ursprünglichen Blick auf diese schöne Stadt genießen.


Etappe #8: Gien – La Charite 89km
Mit einem wundervollen Blick auf Gien verlassen wir diese Stadt und begeben uns auf den Weg nach La Charite.
Auf unserem Weg kommen wir an einer besonderen Brücke vorbei – unserer ersten Kanalbrücke, d.h. einem Kanal, über den Schiffe fahren. Eine vertikale Wasserkreuzung, wenn man so will. Wir schauen uns das Ganze ein wenig an, verbinden es mit einer kleinen Rast und staunen über das technische Wunderwerk.



Nach 82 km erreichen wir den Ort La Charite , eine kleine Stadt mit ca 5000 Einwohnern, wiederum mit einer sehr schönen Anfahrt über eine steinerne Brücke.
Wir bewohnen hier eine besondere Unterkunft, welche sehr bildreich und geschmackvoll gestaltet ist. Unser Abendbrot geniessen wir in einer kleinen Bar, draussen auf dem Bürgersteig, direkt an der Straße… was aber in dem fast ‚ruhenden Verkehr‘ nicht weiter stört, zumal die Restaurantdichte nicht gerade hoch ist. Dafür geniessen wir die Frische von Food & Beverage…




Etappe #9: La Charite – Nevers 48km
Vor unserem eigentlichen Etappenstart erkunden wir den Ort, welcher einige Sehenswürdigkeiten bereithält.



Ca 5km vor Nevers mündet der 400km lange Allier in die Loire und lädt zum beinseitigen Erkunden ein.



In Nevers wohnen wir in einem Kloster (Espace Bernadette) , welches ganz offiziell 90 Zimmer an Touristen vermietet. Hinter dem geöffneten Fenster (linke Seite) verbirgt sich unser 2 Bett-Domizil. Eine schöne ruhige Anlage die uns von aussen und innen sehr gut gefällt.
Nach einem Abend-Bummel durch Nevers köpfen wir noch unseren Crémant (Schaumwein), den wir in einer Sekt-Kelterei bei Saumur erworben – und 3 Tage ‚an Board‘ hatten, um ihn dann bei einer guten Gelegenheit zu geniessen.


Etappe #10: Nevers – Domaine de Bourg 70km
Der nächste Morgen beginnt mit einem Frühstück im klostereigenen Restaurant, wobei der Begriff Kantine eigentlich besser geeignet wäre.
Auf jeden Fall gestärkt mit Kaffee und französischen Frühstücks-Üblichkeiten drehen wir noch eine Runde durch Nevers, um den Tags zuvor abendlichen Eindruck nochmal bei Tageslicht zu verstärken.


Auf dem Weg begegnen uns noch eine alte romanische Basilika , wieder eine Kanalüberquerung mit sehr schönem Blauregen und ein schöner Rastplatz, an dem wir unsere Vesper halten.



Nach 70km erreichen wir unser Quartier -ein familiengeführtes und sehr liebevoll gestaltetes Gut mit viel Platz, schönen Zimmern und sehr freundlichen Herbergs-Eltern – Domaine de Bourg.
Etappe #11: Domaine de Bourg – Montceau-les-Mines 117 km
Heute ist der Tag der Abschiede. Zuerst trennen sich kurz nach dem Start unsere Wege. Der eine (Thomas) muss aus familiären Gründen nach Hause und der andere (Michael) fährt alleine weiter. Später am Tag „verabschiedet“ sich auch noch die Loire, die uns seit Beginn unserer Tour stete Wegbegleiterin war und uns so viele tolle Eindrücke beschert hat.
Doch der Reihe nach: Wir starten mit einem tollen letzten gemeinsamen Frühstück in der Domaine de Bourg, sagen dann erst unseren sympathischen Gastgebern Véro & Fred und diesem wunderbaren Ort adieu und dann auf der anderen Loire-Seite uns selbst. Thomas fährt nach Nevers zurück, um von dort per Zug nach Berlin zu gelangen. Ich mache mich – etwas traurig – alleine auf die heutige Mammut-Etappe.



Die vermeintlich weite Ebene des Loire-Tals auf dem Foto täuscht. Auf dem Weg in den beschaulichen Kurort Bourbon-Lancy sind einige Höhenmeter zu bewältigen, so dass ich mir die kurze Pause dort verdient habe.


Weiter geht es nun wieder direkt an der Loire bzw. ihrem Seitenkanal Richtung Digoin. Dort in der alten Schifferstadt wartet der nächste Abschied. Der EV6 und somit auch ich verlassen hier nach 825 km die Loire – natürlich erst nach gebührenden Abschied und den letzten Loire-Fotos. Die Loire wendet sich nach Süden bzw. kommt von dort, ich muss am Canal du Centre weiter in Richtung Nordost.



Nach 10 km erreiche ich die schöne Stadt Paray-le-Monial, die mit der romanischen Basilika Sacré-Coeur und einem schönen Stadtzentrum punktet. Ein toller Ort – nicht nur für die Kaffeepause.




Aber viel Zeit zum Genießen bleibt nicht. Es ist bereits 16:30 und noch liegen 40 km bis zum heutigen Etappenziel vor mir. Und die werden es in sich haben. Da sich der Kanal das Tal des Flüsschens Bourbince mit einer stärker befahrenen Straße teilt, weicht der Radweg aus – in das Hügelland links und rechts davon. Der erste größere Schwenk macht noch Spaß – zumal ich dadurch nach langer Zeit endlich mal wieder an einem Schloss vorbei komme – beim zweiten habe ich dann aber keine Lust mehr. Außerdem ist’s schon reichlich spät. So radle ich nun doch unten auf der Straße am Kanal weiter und passiere Génelard mit seinem Demarkationslinien-Museum. Das hätte mich interessiert, aber das Museum hat natürlich schon geschlossen und ich bin immer noch nicht an meinem Etappenziel.


Als Demarkationslinie wird in Frankreich die Grenze zwischen dem im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzten Teil und dem vom Vichy-Regime regierten Teil des Landes angesehen. Mit dem Waffenstillstand von Compiègne vom 22. Juni 1940 wurde Frankreich in eine besetzte und eine „freie“ Zone aufgeteilt. Die Linie durfte nur mit Genehmigung überschritten werden, und das ausschließlich an den offiziellen Übergangspunkten.
Wikipedia
Das kündigt sich ein paar Kilometer weiter mit einem riesigen Kühlturm eines Kohlekraftwerkes an. Montceau-les-Mines ist – wie der Name schon vermuten lässt – eine Bergbaustadt – bzw. war eine, mittlerweile sind alle Zechen und Tagebaue geschlossen. Und genauso sieht sie auch aus. Die Stadtbesichtigung fällt daher auch relativ kurz aus, was nach den 117 km des Tages nicht unwillkommen ist.
Der Unterschied zu den letzten, allesamt sehenswerten Übernachtungsorten ist schon gewaltig.
Etappe #12: Montceau-les-Mines – Chalon-sur- Saône 74 km
Aber das Hotel in Montceau war wirklich gut. Nach einem leckeren Frühstück schnell noch ein paar Fotos geschossen.


im Hintergrund die beherrschende Industrie-Silhouette
Dann geht’s auf Richtung Nordosten – weiter den Canal du Centre hinauf. Hinauf passt tatsächlich. Im Gegensatz zum Loire-Seitenkanal ist der Canal du Centre ein Wasserscheidenkanal, der die Höhendifferenz von 75 m von der Loire zur Wasserscheide mittels 26 Schleusen (Quelle: Wikipedia) überwinden muss. Für den Radfahrer geht’s über längere Zeit immer leicht bergauf.

Heute ist offenbar auch der Tag der Baustellen auf dem Radweg und damit verbundenen Umleitungen – leider teilweise mit ziemlichen Anstiegen.

mit Müh und Not am Schwerlasttransport vorbeigekommen

„Oben“ angekommen sage ich der Loire entgültig adieu. Hier verlasse ich ihr Einzugsgebiet und wechsle in das der Rhone. Nun geht’s hinunter Richtung Saône, dem größten Nebenfluss der Rhone. Am Kanal gibt es dafür 35 Schleusen für 126 m Höhendifferenz. Nun geht es aber bergab.


Bald sind der heutige Zielort Chalon und dort auch die Saône erreicht. Beim Weg ins Stadtzentrum unterscheidet sich die ausgeschilderte Route von der in meiner Karte und „verschwindet“ dann ganz. Ich finde mich trotz einiger Umwege ins Zentrum und auf der Place Saint-Vincent zur Belohnung ein nettes Café mit Blick auf die gleichnamige Kathedrale.


Etappe #13: Chalon-sur-Saône – Saint-Jean-de-Losne 77 km
Das Frühstück gibt es nicht im Hotel, sondern in einem Café in der Nähe. Es fällt nicht sonderlich üppig aus, aber von meiner gestrigen „Irrfahrt“ bei der Ankunft habe ich eine Boulangerie mit üppigem Angebot in Erinnerung, in der ich mich ausreichend mit Wegzehrung eindecken kann.
Chalon-sur-Saône ist die zweitgrößte Stadt im Burgund und die größte auf unserer Strecke seit Orléans. Sie besitzt eine schöne Altstadt, die natürlich per Rad erkundet wird bevor ich mich auf die Strecke begebe.


Der Radweg folgt der Saône flussaufwärts. Die Saône ist für die Schifffahrt ausgebaut und hat daher einen völlig anderen Charakter als die Loire. Einige schöne Blicke bieten sich dennoch.



In Verdun-sur-le-Doubs mündet der Doubs, der größte Nebenfluss der Saône. Verdun ist ein kleines Städtchen mit malerischen Ecken, ein idealer Platz für die Mittagspause.


Weiter geht’s zunächst am Doubs, dann wieder zurück zur Saône.
Zielort ist Saint-Jean-de-Losne. Mit Blick auf den weiteren Verlauf der Tour wäre ich gern weitergefahren, konnte aber kein passendes Quartier finden.



Dafür komme ich in den Genuss einer vollkommen neuen Übernachtungserfahrung – im Wohnwagen auf einem Campingplatz.


Etappe #14: Saint-Jean-de-Losne – Besançon 93 km
Die Nacht im Wohnwagen war besser als gedacht, das Frühstück in der Snack Bar des Zeltplatzes sehr gut. Frisch gestärkt und ausgeruht mache ich mich auf die heute wieder anspruchsvollere Etappe. Drüben am anderen Ufer in Losne fallen mir die stark gestutzten Straßenbäume ins Auge, die wir in Frankreich relativ häufig gesehen haben.


Nach wenigen Kilometern verlasse ich die Saône. Weiter geht’s am Rhein-Rhône-Kanal (Canal du Rhône au Rhin), der hier beginnt und mich bis nach Basel begleiten wird


In Dole treffen der Kanal und ich wieder auf den Doubs, dessen ausgebauten Abschnitte vom Kanal mit genutzt werden.
Dole ist die Entdeckung für mich. Auf deren wunderschöne Altstadt bin ich leider zeitlich nicht vorbereitet. Ich gönne mir 2 Stunden zur Erkundung. Dann muss ich weiter.
Dole hat das Schicksal vieler heutzutage toll wirkender mittelalterlicher Städte geteilt. Die zum Heiligen Römischen Reich gehörende alte Hauptstadt der Freigrafschaft Burgund fiel nach der französischen Eroberung Ende des 17. Jahrhunderts in die Bedeutungslosigkeit und konnte sich so – aus heutiger Sicht – ihren Mittelalter-Charme bewahren.






Kurz hinter Dole werden die ersten Ausläufer des Französischen Jura sichtbar, das auch während der nächsten 1 ½ Etappen die Kulisse bilden wird. Der Jura war übrigens der Namensgeber für das gleichnamige Erdzeitalter, nicht anders herum.



Nun werden die Wolken ziemlich rasch zahlreicher und dunkler. Ich finde Gott sei Dank einen Dachvorsprung zum Unterstellen als der Wolkenbruch losgeht. Zur nahegelegenen bekannten Tropfsteinhöhle hätte ich es nicht mehr geschafft – zumindest nicht trocken.
Der starke Regen dauert leider ziemlich lange. Dadurch verliere ich 1 1/2 Std., die ich mir in Dole nicht mehr gegönnt hatte. Die Tropfsteinhöhle ist auch kein Thema mehr. Ich muss mich sputen, mein heutiges noch über 20 km entferntes Etappenziel Besançon zu einer einigermaßen ‚christlichen Uhrzeit‘ zu erreichen.
Der Himmel sieht auch weiterhin nicht gut aus. Es bleibt aber trocken – dieu merci. Das enger und tiefer werdende Doubstal ist an manchen Stellen so schmal, dass der Kanal keinen Platz hat und eine Abkürzung durch den Felsen nehmen muss.


Eigentlich hätte man sich in diesem schönen Streckenabschnitt mehr Zeit nehmen müssen. Mit Blick auf Uhr und Entfernungsangaben auf den am Radweg angebrachten Wegweisern muss ich aber recht zügig unterwegs sein. Um so enttäuschter bin ich, als ich feststellen muss, dass sich die Entfernungsangaben nicht auf das Stadtzentrum von Besançon bezogen sondern auf den Ortseingang. Dort angekommen habe ich also noch weitere 5 km bis in die Altstadt und mein Quartier vor mir. Ich wähle die kürzeste Route durch den unter der Festung verlaufenden Kanaltunnel und nicht den eigentlich an der weiten Doubsschleife vorgesehenen. Am letzten Anstieg vor dem Quartier geht irgend etwas an meiner Gangschaltung kaputt. Die letzten Meter kann ich nur noch auf dem kleinstem Kranz der Tretkurbel zurücklegen. Was für ein Tag!
Etappe #15: Besançon – Baume-les-Dames 49 km
Plan B! Ich muss eine Werkstatt finden, denn so kann ich keinesfalls weiterfahren. Die Suche gestaltet sich schwierig. Es scheint – zumindest lt. Google Maps – nur wenige Werkstätten zu geben, die zudem erst ab dem Nachmittag geöffnet zu haben scheinen. Das Quartier war diesmal ein Privatzimmer ohne Frühstück. Aber es gibt eine kleine Küche und ein angefangenes Päckchen Kaffee. Das muss erst einmal reichen. Die ersten Werkstätten, die ich an“fahre“, gibt es allesamt gar nicht mehr (hey Google!). Auf dem schon leicht verzweifelten Weg zum Touristenbüro komme ich dann doch an einer Werkstatt vorbei, die geöffnet hat – allerdings nicht in Google Maps eingezeichnet war. Und wahrscheinlich handelte es sich um die netteste Werkstatt weit und breit. Man spricht Englisch und hilft mir gleich. Ich nutze die Wartezeit, um nun endlich zu frühstücken. Die Stadtbesichtigung fällt aber leider weitestgehend aus. Die Porte Noire, die Zitadelle (Weltkulturerbe) und Victor Hugos Geburtshaus muss ich mir fürs nächste Mal aufheben.




Mein später Aufbruch mittags passt aber zur heutigen relativ kurzen Etappe. Dies hat aber mehr mit der schwierigen Quartiersuche zu tun als mit hellseherischen Fähigkeiten, die Panne betreffend. Ich freue mich, dass mein Rad wieder fit ist und auf den Streckenabschnitt im Jura.
Am Rand der Altstadt komme ich wieder am Tunnel unter der Zidalle vorbei, den ich gestern bei der Ankunft durchfahren habe. Der Tunnel kürzt die Doubs-Schleife um die Altstadt herum ab und wird auch von Ausflugsschiffen durchfahren.


Die Vorfreude über den heutigen Streckenabschnitt am Doubs durch das Jura wird nicht enttäuscht.



Mein heutiger Zielort Baume-des-Dames ist ein touristisches Zentrum für Outdoor-Aktivitäten im Jura, scheint aber seine besten Zeiten hinter sich zu haben. Sicherlich einmal schöne Ecken mit historischen Gebäuden wirken im heutigen „Arrangement“ etwas heruntergekommen.


Etappe #16: Baume-les-Dames – Mulhouse 120 km
Die kurze Etappe gestern „rächt“ sich heute. Um in 2 Tagen mittags stressfrei den Zug in Basel zu erreichen, will ich heute bis nach Mulhouse kommen, was wieder eine Etappe von über 100 km bedeutet. Bei der Planung dessen hatte ich aber nicht mit dem starken Gegenwind gerechnet. Generell scheint hier eine andere Hauptwindrichtung vorzuherrschen – Nordost = meine Hauptfahrtrichtung. Aber da muss ich nun durch.
Die ersten 65 Kilometer geht’s weiter am Doubs durch das Jura.



Fluss und Berge verabschieden sich kurz vor Montbéliard. Das war 400 Jahre lang württembergisch und hieß in der Zeit Mömpelgard. Lustige Namen haben sie ja, die Schwaben.
Ich folge weiter dem Rhein-Rhône-Kanal und erreiche die Burgundische Pforte, einen breiten flachen Sattel zwischen Jura und Vogesen, der das Rheintal und die Ausläufer des Saônetals (Doubs) verbindet. Der Kanal überwindet die Pforte mit zahlreichen Schleusen. Ich habe sie nicht gezählt. Insgesamt sind es lt. Wikipedia am gesamten Kanalverlauf 82 Schleusen aufwärts von der Saône bis zum Scheitelpunkt auf der Burgundischen Pforte und 40 abwärts zum Rhein, an denen ich ja vorbeigekommen sein muss bzw. noch vorbeikommen werde.
Hinter der Burgundischen Pforte wechsele ich in das Elsass. Das fällt vor allem durch die deutschen Ortsnamen auf – Retzweiler, Dannemarie, Illfurt, … Das wird auch bis Basel so bleiben. Gegen 19 Uhr erreiche ich geschafft Mülhausen / Mulhouse.


Viel Zeit zur Stadtbesichtigung bleibt daher nicht mehr. Zunächst gönne ich mir ein leckeres elsässisches Abendessen, dass ich mir wahrlich verdient habe. Danach radele auf dem Rückweg zum Hotel auf ein paar Umwegen durch die schöne Altstadt.


Etappe #17: Mulhouse & Mulhouse – Basel 44 km
Bevor ich die letzte Etappe dieser Tour in Angriff nehme, steht natürlich eine kleine Stadtrundfahrt durch die wirklich sehenswerte Altstadt von Mulhouse auf dem Programm. Die Stadt ist zweisprachig. So ist z.B. die Rue Guillaume Tell auch als Wilhelm Tell Gass ausgeschildert. In Frühstückscafé und Supermarkt verständige ich mich aber besser auf Englisch als auf Deutsch. Aber klar, ich bin ja immer noch in Frankreich und des doch auch hier mehr gesprochenen Französisch nicht mächtig – auch wenn ich während der Tour kleinere Fortschritte darin gemacht habe.




Doch nun auf nach Basel! Weiter geht’s am Rhein-Rhône-Kanal, der ab hier für größere Schiffe ausgebaut ist.




Ab Niffer verläuft der Kanal parallel zum Rhein und dem Rheinseitenkanal. Kurz vor Basel endet der Rhein-Rhône-Kanal. Bevor ich nach Basel komme, geht’s zuerst über die Dreiländerbrücke kurz nach Deutschland, das hier im wesentlichen wegen der offenbar günstigeren Preise aus einem riesigen Shopping-Center besteht, und nach 500 Metern hinüber in die Schweiz.



In Basel geht’s zunächst durch das Industrie- und Hafengebiet, mit z.T. interessantem, Berlin nicht unähnlichem Ambiente. Am Rhein mit Blick auf das Stadtzentrums ist für diesmal das Tourende erreicht. Ich gönne mir noch einmal eine Rast an der schattigen Rheinpromenade, dann muss ich zum Badischen Bf. um meinen Zug nach Berlin zu erreichen.














